„Mit großer Sorge – „mit brennender Sorge[1]““ – schrieb ich am Montag, den 07.09.2026, als Reaktion auf die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt vom vergangenen Sonntag in mein Tagebuch. „Mit brennender Sorge“ (lat.: Ardenti cura), das war die Enzyklika von Papst Pius XI., in der die Politik und Ideologie des Nationalsozialismus verurteilt wurden. Diese wurde am Palmsonntag, den 21. März 1937, in den katholischen Kirchen im damaligen Deutschen Reich verlesen. Daran musste ich tatsächlich denken, als ich das vorläufige amtliche Wahlergebnis in Sachen-Anhalt vernahm.
Immerhin gab es einen schwachen Trost: Das erklärte Wahlziel des „Durchmarsches in die absolute Mehrheit“ hat die AfD mit 43,8% der Wählerstimmen knapp verfehlt. Wobei man sich keinen Illusionen hingeben sollte. Die AfD wird es schon schaffen, einen AfD-Ministerpräsidenten im Landtag wählen zu lassen. Mit den Stimmen des BSW oder ein paar Überläufern von der CDU – oder beidem – dürfte das relativ problemlos gelingen. Das hätte aus AfD-Sicht den Charme, dass man für den Fall, dass falls doch nicht alles so glatt läuft beim „Durchregieren“, man schon einen „Schuldigen“ gefunden hätte.
Der „völkische Nationalismus“ in Deutschland war wohl schon lange in rechten Kreisen „salonfähig“, aber nun ist er eindeutig auch „mehrheitsfähig“. Auch wenn das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt absehbar war, empfinde ich es als verheerend. Überrascht hat es mich aber nicht: Vor über zwei Jahren hatte ich schon in einem französischen Blogbeitrag „De retour à Grünstadt – et les martinets se sont déjà envolés vers le Sud“ die Befürchtung geäußert, dass es Björn Höcke gelingen könnte, sich zum Ministerpräsidenten von Thüringen wählen zu lassen. Das ist zwar bisher nicht geschehen, aber der Aufstieg der AfD scheint bisher bei fast allen Wahlen ungebremst vor sich zu gehen. Und fürwahr nicht nur in Ostdeutschland.
In der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, Schramberg im Landkreis Rottweil feiert die AfD auch ihre stillen Triumphe – nur nimmt man das noch nicht so wahr. Der Spiegel berichtete im vergangenen Winter darüber: „Wenn man in der heilen Welt lebt, dann hat man auch viel zu verlieren[2].“ Der politische Erfolg der AfD ist längst nicht mehr auf „den Osten“ beschränkt. Davor sollte man auch die Augen nicht verschließen.
Vor vielen Jahren schrieb ich einen längeren Blogbeitrag mit dem Titel „Streckenbeobachtungen in der ‚France périphérique‘ – ein geographischer Kommentar zur ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2017 in Frankreich“ über den Zusammenhang von Wahlerfolgen des FN und der „Entleerung“ des ländlichen Raumes in Frankreich, die Streckenstilllegungen, das Sterben der „Bistros“ usw. Diese Zusammenhänge gibt es in Deutschland bestimmt auch. Die Infrastruktur im ländlichen Raum steht auch in Deutschland unter Druck: Krankenhäuser verschwinden, Hausärzte fehlen, in Süddeutschland verschwinden still und leise die „Dorfwirtschaften & Landgasthöfe – bzw. das „Wirtshaus“[3]“ – das waren einst die Schmelztiegel des Lebens auf dem Land. Im Norden und im Osten waren das eher die Dorfkneipen. Als ich noch vor meiner Erkrankung[4], viel doch den deutschen Südwesten reiste, ist das mir auch aufgefallen. Auch im deutschen Südwesten konnte ich die Prozesse der „Entleerung“ des ländlichen Raumes die ich Jahrzehnte lang schon in Frankreich beobachtete wahrnehmen. Die Stadt Schramberg in der ich aufgewachsen bin hat ihr Krankenhaus in den 2010 Jahren verloren – und die Bahnstrecke die einst Schramberg mit der weiten Welt verband, wurde Anfang der 1990 Jahre endgültig stillgelegt. Aber das erklärt längst nicht alles. Vielleicht ist es ja einfach so wie Anna Mayr in der Zeit schreibt „Menschen wählen rechts, weil sie rechte Politik richtig finden“[5] ! Wobei zumindest für mich die AFD längst keine rechte Partei mehr ist, sondern eine rechtsradikale fast schon protofaschistische Partei ist.
Ilko-Sascha Kowalczuk schrieb unlängst in einem Interview: „Es wurde immer so getan, als könne man das Problem durch eine andere Politik der anderen Parteien irgendwie in den Griff bekommen. Die Wahrheit ist aber: Die AfD könnte gegenwärtig einen Besenstil aufstellen, der würde auch gewählt werden.[6].“ Daran musste ich denken, als ich mir ansah, wer für die AfD in den Landtag nach Magdeburg einzieht[7].
Es war auch schon surreal anzusehen, wie der Spitzenkandidat der AFD mit seiner blauen Schwalbe durch’s Land zog – und dahinter folgten ihm seine Fans. Fast schon wie ein Messias mit seinen Jüngern. Die AFD ist es unzweifelhaft gelungen mit Ulrich Siegmund einen charismatischen Spitzenkandidaten aufzubauen. Das muss man einfach anerkennen! Ohne ihn wäre es der AFD wohl nicht möglich gewesen solch ein hohes Wahlergebnis einzufahren. Meines Wissens hat es solch einen „Erdrutschsieg“, also quasi eine Verdoppelung des Stimmenanteils in einer Wahlperiode, in der Geschichte der Bundesrepublik bei Landtagswahlen noch nie geben! Auch bei der CSU in Bayern in den 1950 Jahren nicht!
In Frankreich wird es im nächsten Jahr Präsidentschaftswahlen geben. Es könnte durchaus sein, dass Marine Le Pen diese Wahlen gewinnt. Wobei ich in Frankreich glaube, dass die Messe noch nicht gelesen ist. Da kann noch viel passieren. Aber zweifellos ist Marine Le Pen eine Politikerin, die hart am rechten Rand operiert. Aber zwischen dem völkischen Nationalismus der AfD und Marine Le Pen liegen Welten. Aber im Vergleich zur AfD erscheint der Rassemblement National von Marine Le Pen doch eher als eine moderatere Variante der autoritären Rechten.
Mit dem Wahlergebnis vom letzten Sonntag hat es die AfD auf jeden Fall geschafft, den letzten Rest der alten Bonner Republik mit ihren Gewissheiten zu Grabe zu tragen. Eine dieser Gewissheiten war, dass der „völkische Nationalismus“ ein für alle Mal in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwunden war. Das ist nun vorbei. Ilko-Sascha Kowalczuk hat wohl recht: Das autoritäre Zeitalter hat in Deutschland auch Einzug gehalten. Wobei ich durchaus auch glaube, dass sich diese Entwicklung auch noch aufhalten lässt!
[2] Wenn man in der heilen Welt lebt, dann hat man auch viel zu verlieren. Nirgends im Westen ist die Zustimmung zur AfD höher als im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen. Dabei ist die Gegend wohlhabend, sind die Unternehmen innovativ, die Gemeinden reich. Der Spiegel 8/2026 S.67 – 70 (online hier).
[6] Ich habe dieses Zitat von der Facebook Seite von Ilko-Sascha Kowalczuk entnommen. Das Interview erschien u.a. in der Allgemeinen Zeitung am 07.08.2926 unter dem Titel „AfD-Wahlsieg: „An der Schwelle zum autoritären Zeitalter“
„Wie eine rotbraune Wunde im Gebirg“ erschien mir die Waldbrandfläche auf dem Tösberg in Schramberg, als ich diese am Sonntag, den 23.08.2026, von der Aussichtsplattform an der B462 oberhalb von Schramberg fotografierte. Daneben ockergelb die vertrockneten Bäume und Sträucher auf der Flanke des Schlossberges zwischen Talstadt und Aussichtshäusle. Ich kam von einer kleinen Familienfeier auf der Alb „ra“, und da die A 81 zwischen Herrenberg und Stuttgart mal wieder zugestaut war, hatten wir uns entschlossen, über den Schwarzwald, das Kinzigtal zurück in die Pfalz zu fahren. So gelb und trocken, wie an diesem Tag, war mir das Kinzigtal bisher in meinem Leben noch nie erschienen. Das ähnelte schon den ausgetrockneten Landschaften des Hochschwarzwaldes um Herrenschwand, die ich in meinem letzten Blogbeitrag „Blognotiz 05.08.2026: Der Waldfrieden – Ruhe tanken im Hochschwarzwald“ beschrieben hatte.
Den Waldbrand in Schramberg, der am Abend des Sonntags, dem 15. August, am Fuße des Tösbergs ausbrach, hatte ich durch „Posts“ von Freunden aus Schramberg in den sozialen Netzwerken mitbekommen. Ich saß am Notebook und wollte gerade einen Blogbeitrag auf Französisch über den Waldbrand im Hohen Venn verfassen, als die ersten „Bildnachrichten“ vom Waldbrand in Schramberg bei mir „aufflackerten“. Der Waldbrand im Hohen Venn, den ich damals und jetzt noch für eine der größten Waldbrandkatastrophen in Mitteleuropa in diesem Jahrtausend halte. Da wird es bis in den beginnenden Winter noch einzelne Moorflächen geben, die unterirdisch vor sich hin glühen. Die Glutnester können ja metertief im Torf quasi unbemerkt langsam „verglühen“. Torfbrände endgültig zu löschen, das ist schon ein richtig schwieriges Unterfangen. Im Frühjahr 2011 hatte es im Hohen Venn schon mal einen großen Waldbrand gegeben, das war aber in den internationalen Medien nie richtig wahrgenommen worden[1]. Nach diesem Brand hatte ich mir eigentlich vorgenommen, das Hohe Venn zu besuchen, um die Regenerationsprozesse der Vegetation etwas näher unter die Lupe zu nehmen, aber dazu ist es leider nie gekommen. Aber das lässt sich ja vielleicht irgendwann nachholen.
Was den Schramberger Waldbrand betrifft, erhielt ich dann am Montag, den 17.08.2026, eine Interviewanfrage von der Lokalredaktion des Schwarzwälder Boten, die ich auch beantwortete. Das Interview erschien dann unter dem Titel „‚Das hat mich nicht überrascht‘ – Interview: Christophe Neff hat seit Jahren vor einer zunehmenden Waldbrandgefahr im Schwarzwald gewarnt. Dass es nun in seiner Heimat Schramberg zu einem Großbrand gekommen ist, überrascht den Vegetationswissenschaftler nicht“ am Mittwoch, den 19.08.2026, in der Printausgabe der Regionalausgabe „Schramberg“ des Schwarzwälder Boten. Eine Zusammenfassung des Interviews findet man hier auf KITopen. Das ist, denke ich, ein ganz nettes, lesenswertes Interview geworden. Wobei sich im Vorspann ein kleiner Fehler eingeschlichen hat, der mir selbst beim Lesen der Korrekturfahne nicht aufgefallen war. Nein, ich bin nicht in Schramberg geboren, sondern in Tübingen[2]. In Schramberg bin ich aufgewachsen und habe dort auch am hiesigen Gymnasium mein Abitur abgelegt. Nach Schramberg kamen wir, weil mein Vater dort in den 1960er Jahren – es müsste so 1967 gewesen sein – seinen Schuldienst antrat, am selben Gymnasium, an dem ich 1984 mein Abitur ablegte[3]. Er verstarb dann im Schuldienst an einer Krebserkrankung im Januar 1992. Damals war ich noch Geographiestudent an der Universität Mannheim und bereitete gerade meine Diplomarbeit über die Waldbrandrisiken in den Garrigues de Nîmes vor[4],[5] . Das Waldbrandthema begleitet mich also schon seit Jahrzehnten.
Wenn man die „Brandwunde“ am Tösberg unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, kann man sagen, dass die Bewohner der Talstadt Schramberg ein wahnsinniges Glück hatten, dass die Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Polizei etc. unter der Leitung des Stadtbrandmeisters Patrick Wöhrle das so gut in den Griff bekommen haben – „Chapeau“. Das hätte auch in einer Katastrophe enden können. Dank dem beherzten Eingreifen der „Rettungskräfte“ sind wohl nur ca. 20 ha Waldfläche den Flammen zum Opfer gefallen. Dennoch wird das bestimmt einer der größten Waldbrände im Schwarzwald seit dem zweiten Weltkrieg gewesen sein.
Ich halte Schramberg persönlich für bestimmt eine der waldbrandgefährdetsten Städte im deutschen Südwesten. In einem Talkessel gelegen und rundum vom Wald umrandet. Das hat a priori erst mal gar nichts mit dem Klimawandel zu tun[6]. Auch ohne Klimawandel wären da Waldbrände schon ein Problem. Gleiches gilt übrigens auch für Überschwemmungen und Starkregen. Der Klimawandel steigert das Risiko eines Waldbrandes dazu noch erheblich. Lange Hitze- und Dürreperioden trocknen die Wälder richtig aus, und wenn es dann aus was für Gründen auch immer (Blitzschlag, Fahrlässigkeit, Brandstiftung) zu einer Entzündung kommt, dann kann es ziemlich rasch zu einem kaum kontrollierbaren Waldbrandszenario kommen. In Schramberg wird das Ganze auch noch die „Californisation“ verschärft, die enge Verzahnung von Wald und Siedlung, die im US-englischen Sprachgebrauch auch als „Urban-Forest Interface“ oder auch als „Wildland–urban interface“ bezeichnet wird[7].
Ich habe im November 2010 auf Anregung der damaligen Kommandantin der Feuerwehr Schramberg, Abteilung Talstadt, Annette Melvin, einen Vortrag zu den Waldbrandrisiken im Landkreis Rottweil gehalten (Neff 2010b) – und schon damals ausdrücklich auf diese Risiken hingewiesen. Ein paar Monate vorher hatte ich in diesem Blog auch schon einen auf Französisch verfassten Blogbeitrag zum gleichen Thema unter dem Titel La Forêt progresse à Schramberg – et les risques d’incendies aussi“ (der Wald in Schramberg wächst – und die Waldbrandrisiken wachsen auch)“ verfasst (Neff 2010a).
Die Stadt Schramberg, in der ich aufgewachsen bin, die gesamte Raumschaft Schramberg, der Schwarzwald und viele andere „waldreiche“ Regionen in Deutschland werden sich in Zukunft auch intensiver mit der steigenden Waldbrandgefahr auseinandersetzen müssen und sich für die größeren Risiken wappnen. Da gibt es auch keine einfachen „Wunderlösungen“. Waldpatrouillen nach Vorbild der französischen „Patrouille Dangel“[8], wie sie in den französischen Mittelmeerdepartements schon seit den 1980er Jahren gibt, die man mit „Aufklärungsdrohnen“ kombiniert. Das könnte ggf. ein Lösungsansatz sein. Damit wäre gewährleistet, dass man den Waldbrand, das Vegetationsfeuer, auch kurz nach der Entzündung entdeckt und damit auch die Chance hat, es frühzeitig einzudämmen. Das weiter auszuführen würde diesen Blogbeitrag sprengen. Das werde ich später irgendwann etwas ausführlicher in diesem Blog besprechen.
Die Bewohner der Talstadt Schramberg, aber auch die Bewohner des Stadtteils Tennenbronn – ein Stadtteil, der zu meiner Schulzeit noch eine unabhängige Gemeinde war –, haben wirklich sehr viel Glück gehabt, dass das Ganze noch ziemlich glimpflich abgelaufen ist, dank dem professionellen Agieren der Feuerwehr aus Schramberg und Umgebung. Ganz ausgestanden dürfte es noch nicht ganz sein. Die Erfahrung aus der Waldbrandkatastrophe von Leuk–Albinen vom August 2003 war ja auch[9], dass sich im Wurzelraum der Bäume oftmals Glutnester noch über Tage hinweg „weiterglühen“, im Schwyzerdytsch auch als „motten“ bezeichnet[10]. Das könnte auch in Schramberg noch drohen. Es ist zumindest nicht ganz auszuschließen.
Man wird auch im Schwarzwald, so wie im mediterranen Süden oder auch in den Waldlandschaften Québecs in Kanada oder in den Wäldern der nordamerikanischen Pazifikküste, lernen müssen, mit den „Waldbrandrisiken“ zu leben. Der Klimawandel wird sich nicht mehr „zurückdrehen“ lassen – bestenfalls wird er sich wohl bremsen lassen. Deshalb wird man sich auch darauf vorbereiten müssen. Und selbstverständlich sollte man weiterhin daran arbeiten aus dem Fossilismus auszusteigen. Dazu gab es vor kurzen auch ein bemerkenswertes Interview des Schweizer Klimaforscher Reto Knuti im Züricher Tagesanzeiger[11]. Abgesehen vom Klimawandel sollte sich das was von der freien Welt noch übrig geblieben ist auch aus „geostrategischen Gründen“ schnellst möglich von der Abhängigkeit von fossilen Energien lösen.
Die Brandwunde am Tösberg in Schramberg wird irgendwann zugewachsen sein. Aber dass da wieder ein dichter Gebirgswald steht wie einst vor dem Brand, das werde ich wohl nicht mehr erleben. Es wird sich bestimmt eine interessante „Vegetationsdynamik“ auf der Waldbrandfläche ergeben. Man sollte das wie schon auf der Waldbrandfläche am Kirchberg in Schiltach geschehen systematisch analysieren[12]. In diesem Zusammenhang verweise ich auch auf die vorbildlichen vegetationskundlichen Forschungen von Thomas Wohlgemuth[13] et al auf dem schon erwähnten Waldbrandflächen von Leuk-Albinen. Über die vegetationsdynamischen Prozesse nach Waldbränden in Mitteleuropa weiß man übrigens bisher viel zu wenig. Da gibt es noch sehr viele „Wissenslücken“ aufzuarbeiten!
Bibliographie und Quellen:
Grelu, J.L ; Mercier, J. ; Renaud, Jean Pierre (1990). Le patrouillage : une opération de prévention des incendies de forêts dans le Gard. Revue forestière française, 1990, 42 (S), pp.272-277. ⟨Doi 10.4267/2042/26149⟩. ⟨hal-03425145⟩
Neff, Christophe (1995) : Waldbrandrisiken in den Garrigues de Nîmes (Südfrankreich) : eine geographische Analyse. Mannheim 1995, Materialien zur Geographie, ISBN 3-923750-50-1. (Kurzzusammenfassung der Arbeit bei KITopen)
Neff, Christophe (2010b): Waldbrände in Mitteleuropa – Bestandsaufnahme und Zukunftsszenarien. Was kommt auf die Feuerwehren im Lkr. Rottweil zu?. KITopen, DOI: 10.5445/IR/1000149170
Neff, Christophe (2026): „Das hat mich nicht überrascht“ – Interview: Christophe Neff hat seit Jahren vor einer zunehmenden Waldbrandgefahr im Schwarzwald gewarnt. Dass es nun in seiner Heimat Schramberg zu einem Großbrand gekommen ist, überrascht den Vegetationswissenschaftler nicht. Das Gespräch führte Johannes Fritsche. Schwarzwälder Bote, Schramberg, Mittwoch 19. August, 2026. (Zusammenfassung hier bei KITopen, PDF-Volltext ab August 2027 DOI: 10.5445/IR/1000196308)
Wohlgemuth, Thomas & Moser, Barbara (2009): Phönix aus der Asche: Die rasche Wiederbesiedlung. der Waldbrandfläche oberhalb von Leuk durch PflanzenBull. Murithienne 126/2008 : 29-46 (2009)
Wohlgemuth, Thomas et al. (2010): Leben mit Waldbrand. Merkblatt für die Praxis, Januar 2010
Wohlgemuth, Thomas & Moser, Barbara (2018): Zehn Jahre Vegetationsdynamik auf der Waldbrandfläche von Leuk (Wallis). Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, 169, 279-289.
[3] Mehr Biographisches findet sich im vom Martin Himmelheber für den Schramberger Stadtwerke verfassten Artikel „Schramberger Auswärts Wissenschaftler Christophe Neff Feuer und Flamme für Waldbrände“ (hier der Link zum PDF in KITopen: DOI: 10.5445/IR/1000164977)
[5] Die Diplomarbeit wurde dann als kleines Büchlein unter dem Titel „Waldbrandrisiken in den Garrigues de Nîmes (Südfrankreich) : eine geographische Analyse“ 1995 veröffentlicht.
„Manchmal fahre ich ohne Ziellos und sage zur Belchen-Südwand guten Tag. Weiter in weichen Schwüngen über Böllenbach ab ins Wiesental. Von Präg über den Hochkopf nach Herrenschwand. Ein paar Höfe, ein Gasthof namens Waldfrieden und Gelände ohne Ende. Ein Schlepper kreuzt, Wild wechselt, Wald duftet. Später gibt es Nudelsuppe aus der Terrine und essbare Landschaft zum Hauptgang. Weiderind, Holzofenbrot, Vesperteller. Das ist mein Südschwarzwald.“ (Abel, Wolfgang, 2022, 7)
Endlich hatte ich es geschafft, nach so vielen erfolglosen Versuchen über die Jahre, Zimmer im Waldfrieden zu reservieren. Und Hunde sind ja auch akzeptiert, da wir ja seit einigen Monaten auch Hundebesitzer sind[1]. So fuhren wir dann ähnlich, wie es Wolfgang Abel[2] in seinem Buch „Hoch hinaus“ beschreibt, am Belchen vorbei, aber an der Nordseite übers Wiedener Eck über Präg nach Herrenschwand in den Waldfrieden, um dort ein paar Tage Urlaub zu genießen (siehe Zitat am Textbeginn). Ich schreibe „Buch“, obwohl das Werk von Wolfgang Abel als „Reiseführer & Wanderführer“ für Freigänger verfasste wurde, lässt sich das Werk durchaus als moderne geographische Landeskunde des Südschwarzwalds lesen.
Als Kind und Jugendlicher war ich schon öfter im Hochschwarzwald. Mit den Eltern immer wieder Tagesausflüge von Schramberg aus an den Titisee, den Schluchsee, manchmal auch in den Hotzenwald. Dabei auch noch die letzten Züge auf der Bahnstrecke Kappel-Gutachbrücke–Bonndorf mit dem berühmten Spitzkehrenkopfbahnhof in Lenzkirch gesehen. Einmal auch einen schönen Camping- & Wanderurlaub mit dem Wohnwagen am Titisee. Den Campingplatz gibt es heute noch, es ist der Sandbank Camping! Und hin und wieder auch mit einem engen Freund der Familie, Roland Wittwer, Skifahren im Frühjahr am Feldberg, wenn in Schramberg schon lange nicht mehr genug Schnee zum Skifahren lag – und das manchmal bis in den Mai, wenn im Kinzigtal schon die Kirschbäume blühten[3]. Einmal auch mit der Schule, im Schullandheim in der Jugendherberge am Wiedener Eck. Von dort wanderten wir dann auf den Belchen hoch. Das ist natürlich alles schon sehr lange her. Die Jugendherberge am Wiedener Eck gibt es auch schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Daraus wurde ein Gesundheitshotel namens Gut Lilienfein.
Den Waldfrieden entdeckte ich tatsächlich nicht durch das Buch von Wolfgang Abel, sondern durch meine seit nun fast schon dreißig Jahren andauernde Lektüre des Restaurantführers „Guide Michelin“, also das berühmte rote Buch, welches man durchaus auch als geographische Landeskunde lesen kann. Besonders angetan haben es mir dabei die „Bib Gourmand“. Über die Verteilung der Michelinsterne und der Bib Gourmands bilden schon eine interessante „Geographie“ Deutschlands ab. Die meisten gibt es wohl eindeutig im deutschen Südwesten[4]. Und so habe ich dann irgendwann, in einer der Ausgaben des roten Buches, den Waldfrieden entdeckt – und mir gedacht, da will ich doch mal Urlaub machen und wieder nach langer Zeit in den Hochschwarzwald fahren und dort auch nicht nur gut zu essen, sondern auch Ruhe und Abgeschiedenheit zu finden. Und ich wurde nicht enttäuscht. Auch in diesem Jahr wird der Waldfrieden im Michelin lobend erwähnt und auch wieder mit einem Bib Gourmand ausgezeichnet (Michelin Éditions et al. 2026).
Während meine mitreisenden Familienmitglieder die Annehmlichkeiten des Neubaus, also des Spa-Hauses, genossen, zog ich mich mit unserer Gordon-Setterin zum Lesen in der Natur zurück. Das „Spahaus“ wurde von Architekturbüro „Werkgruppe Lahr“ geplant. Inzwischen ist es ein markanter Teil der Kulturlandschaft des Hochschwarzwaldes geworden und hat sich hervorragend in Weidfelder und Hochweiden von Herrenschwand integriert Manchmal schaute ich auch nur den Vögeln zu – an einem Tag konnte man sogar einen ganzen Schwarm an roten Milanen über den Hochweiden von Herrenschwand beobachten. Oft saß ich auch unter den Linden und dem Bergahorn an der Wassertretstelle mit meinen Büchern. Auf dem E-Book-Reader erkundete ich die Welt des Odysseus und der Odyssee wieder einmal neu – diesmal wissenschaftlich aufbereitet vom Altphilologen Raimund Schulz (2026)[5]. Und weiterhin las ich abschnittsweise Kapitel aus dem schon erwähnten Buch „Hoch Hinaus“ von Wolfgang Abel (2022), welches ich schon vor ein paar Jahren schon einmal in Gänze gelesen hatte.
Se ressourcer – auftanken, das gelingt mir am besten mit Ruhe, Bewegung und Lektüren, das hatte ich ja schon vor ein paar Jahren hier beschrieben[6]. Die Hochweiden von Herrenschwand sind auch so ein fabelhafter Ort, an dem man sich „ressourcieren“, also Ruhe finden kann, Kraft tanken kann. Dazu kommt noch die Küche von Volker Hupfer, die auch dazu beiträgt, dass man sich hier oben gut erholt! Wolfgang Abel schreibt: „die Küche von Volker Hupfer ist frisch, sorgfältig und vielseitig, die Positionen reichen vom Wandervesper bis zum Abendmenü“ (Abel, 2022, 371). Hier findet man zum Abendmenü beste badische Küche, leicht elsässisch-französisch angehaucht. Und tagsüber bekommt man auch einen ordentlichen Wurstsalat als Wandervesper. Nicht nur ordentlichen, sondern einen richtig guten Wurstsalat als Vesper! Wobei ich dabei lernen durfte, dass der Straßburger Wurstsalat – so nennt man die Variation des Wurstsalats mit Emmentaler und Lyoner im mittleren Schwarzwald in der Raumschaft Schramberg – hier „Elsässer Wurstsalat“ genannt wird[7].
Natürlich bin ich auch vor der Hitze in der Oberrheinebene geflohen. Wie eine Bewohnerin aus Herrenschwand sagte: „vor der ‚Gluthölle‘ der Pfalz in den Hochschwarzwald geflohen“. Wie ich ja schon mehrmals in diesem Blog schrieb, weiß ich nicht, ob das am zunehmenden Lebensalter oder den Komplikationen, die die Maladie de Mitterrand mit sich bringt, zusammenhängt[8]. Aber Tatsache ist, dass die zunehmende Hitze unserer mitteleuropäischen Sommer mir zu schaffen macht. Aber auch im Hochschwarzwald sind die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Die gelben Hochweiden in Herrenschwand, am Belchen etc. haben mich regelrecht erschrocken. So etwas habe ich im Schwarzwald, in dem ich ja aufgewachsen bin, noch nie erlebt – Wiesen und Hochweiden wie in mediterranen Gebirgen. Man könnte fast meinen, man wäre irgendwo in der Cerdagne in Südfrankreich. Die Dame aus Herrenschwand, mit der ich sprach, sagte, sie würde nun 70 Jahre hier leben, aber eine solche Trockenheit, eine solche Landschaft in „Gelb- und Ockertönen“ – das hätte sie hier noch nie erlebt. Auch in den Wäldern lassen sich erhebliche Trockenschäden an den Bäumen beobachten.
Nicht auszudenken, aber sollte mal der Blitz in die Wälder rund um Todtnau einschlagen – oder bei der Waldarbeit die Motorsäge Funken schlagen, jemand seine brennende Kippe am Wegrand hinterlassen … wie auch immer, das würde einen verheerenden Waldbrand auslösen. Nach fast vierzig Jahren Waldbrandforschung kann ich nur sagen, dass wir in Deutschland im Gegensatz zu Frankreich verhältnismäßig schlecht auf solch einen großen Waldbrand vorbereitet wären. So hat mich auch hier im Hochschwarzwald das Thema meiner jahrzehntelangen wissenschaftlichen Tätigkeit wieder eingeholt. Mein letzter Beitrag in paysages handelt von der aktuellen Waldbrandsituation in Frankreich[9]. Es wird durch den Klimawandel auch hier in Deutschland zu mehr Waldbränden kommen – das prognostiziere ich ja eigentlich schon seit Jahrzehnten[10]. Aber leider wird das Problem in der Politik so gut wie nicht wahrgenommen.
Der Schluchsee ließe sich beispielsweise für das „Wasserladen“ von amphibischen Löschflugzeugen vom Typ Canadair nutzen. Das ist das Ergebnis der Arbeit von Steffen Volk: „Einsatzpotentiale von amphibischen Löschflugzeugen in Baden-Württemberg (Volk 2025)“ – das war einer meiner letzten wissenschaftlichen Abschlussarbeiten, die ich trotz Krankheit noch betreuen konnte. Das könnte für die Waldbrandbekämpfung im südlichen Schwarzwald ein wichtiger Faktor werden.
Auf der Rückfahrt nach Grünstadt, auf der französischen Rheinseite bei Lauterbourg, betrachtete ich den Niedrigstand des Rheins. So niedrig, so viele Schotterbänke bis weit in die Flussmitte – das habe ich hier noch nie gesehen. Es tut sich was im Klima Mitteleuropas – man kann es überall feststellen. Wer den Klimawandel nicht wahrhaben will, lebt entweder auf einem anderen Planeten oder leidet an einer erheblichen kognitiven Dissonanz!
Zu Hause angekommen, erlebte ich auch noch eine freudige Überraschung: Einer meiner frühen Blogtexte, „The Fatal Forest Fire – remembering the ‘1949 Mega fire’ in the ‘Forêt des Landes’ (South West France)“[11], über die verheerenden Waldbrände in der Forêt des Landes im August 1949, wurde in einer internationalen Attributionsstudie über Waldbrände und Klimawandel erwähnt [12] . Wobei die bibliographische Referenz „Christophe 2009“ mehr als sonderbar ist. Das war auch einer meiner ersten Texte, in dem ich auf den Zusammenhang von Klimawandel und zunehmenden Waldbrandrisiken hinwies. Auf Englisch verfasst, ist er wohl in der internationalen Wissenschaftscommunity wahrgenommen worden. Aber immerhin schön zu sehen, dass man als Wissenschaftler und Waldbrandforscher international immer noch wahrgenommen wird – trotz aller Einschränkungen durch die nun bald drei Jahre andauernden, durch die Maladie de Mitterrand bedingten Komplikationen!
Zuhause in Grünstadt angekommen, stellte ich fest, dass die Mauersegler auch schon ihren Rückflug in den Süden angetreten haben – ähnlich wie in den letzten Jahren[13]. Hingegen scheinen die Bienenfresser fast schon zum alltäglichen Begleiter des Grünstadter Sommerhimmels zu werden. Wenn man sie nicht sieht, kann man sie mehr als deutlich hören[14]!
Die ältere Dame aus Herrenschwand wies mich auch darauf hin, dass man sich nicht täuschen sollte, hier wäre auch nicht das Paradies. Ernsthaft krank werden dürfte man hier oben nicht. Am besten wäre es man würde im Alter vom Schlag getroffen werden, nicht mehr aufwachen und tot umfallen. Wie überall auf dem Land ist die ärztliche Versorgung schwierig, hinzu kommt natürlich die anspruchsvolle Topographie des Gebirges die vor allem die Wegstrecken enorm verlängert. Beim Schreiben dieses Textes habe ich mich etwas erkundigt, wie das mit meinem Krankheitsbild hier oben aussehen würde. Im Gesundheitszentrum Todtnau wird zu Zeit Freitagnachmittags eine urologische Sprechstunde angeboten, die auch Tumornachsorge anbietet. Bei komplizierten Dingen, wird man wohl nicht umhin kommen, nach Freiburg zu fahren. Schwierig und beschwerlich, aber nicht unmöglich. Aber die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, ist auch so ein Thema, was gern vernachlässigt wird. Damit könnte man mehr als einen eigenen Blogbeitrag schreiben.
Kommen wir zurück nach Herrenschwand und dem „Waldfrieden“. Was mir in Herrenschwand auch auffiel, – also rund um den Waldfrieden im Siedlungskern des Weilers Herrenschwand. Sehr viele Linden und Eschen. Die Terrasse des Waldfriedens wird von einer Esche beschattet. Das Eschensterben scheint hier oben noch nicht angekommen zu sein. Es gibt hier und da auch noch ein paar alte Bauerngärten, die offensichtlich noch bewirtschaftet werden. Das alles erinnerte mich an das Buch des verstorbenen Botanikers Gerold Hügin (1991) über Bauerngärten und Siedlungsvegetation in Südschwarzwald. Das Buch steht wohl in meinem Büro am IFGG in Karlsruhe. Ich hatte es mir zu Beginn meiner Assistentenzeit an der Universität Mannheim gekauft und gelesen. Ob Hügin auch hier oben Herrenschwand Vegetationsaufnahmen gemacht, – da kann ich mich jetzt nicht mehr daran erinnern. Es würde sich aber bestimmt lohnen die Siedlungsvegetation von Herrenschwand zu kartieren, – man würde damit bestimmt einen interessanten Einblick in die Vegetationsgeschichte des südlichen Schwarzwaldes bekommen. Dar überhinaus hier und da auf den Weidfeldern sehr schöne „Weidbäume“ hier in diesem Fall Ebereschen (im Schramberger Schwäbisch auch als Vogelbeeren bezeichnet). Ich hatte auch mal ein schönes Büchlein über die Weidbuchen im Schwarzwald in meiner Bibliothek (Schwabe et al 1987). Weidfelder und Weidbäume, – was nicht immer Buchen sein müssen, beispielsweise finden sich im mittleren Schwarzwald auch sehr schöne Stechpalmen als Weidbäume. Das war schon ein Charakteristikum der traditionellen Kulturlandschaft des mittleren und des südlichen Schwarzwaldes. Inzwischen ist es mehr ein Kulturlandschaftsrelikt geworden. Dazu braucht es natürlich auch eine funktionierende Weidewirtschaft. Mit Nutzungssimulation, also Landschaftspflege, wird man diesen Landschaftstyp auf Dauer nicht erhalten können.
Postkartenansichten aus der Chronik des Waldfriedens entnommen mit Genehmigung von Familie Hupfer (email 03.08.2026), Papierversion S.56-57, PDF S. 29.
Herrenschwand und der Waldfrieden das ist schon ein eigene Geschichte. Wenn man durch den Weiler läuft und mit den Menschen spricht, dann hat man das Gefühl, dass irgendwie jeder eine Verbindung zum Waldfrieden hat. Die Familie Hupfer hat eine sehr schöne zwei und sechzig Seiten umfassende Chronik des Waldfriedens verlegt (Hupfer, Volker 2026). Es ist jedoch mehr als nur eine Chronik des Waldfriedens, sondern über die Bilder erschließt sich dem Leser, über 100 Jahre Dorf & Landschafts und Tourismusgeschichte von Herrenschwand. Eigentlich sollte das Werk, also die Papierversion zumindest in der badischen Landesbibliothek archiviert werden, und darüber hinaus in weiteren Universitäts & Forschungsbibliothek, weil in dem Büchlein über 100 Jahre Dorfgeschichte von Herrenschwand dargestellt wird, was auch ein Baustein der Landschaftsgeschichte des gesamten Schwarzwaldes ist.
Im sogenannten Stammhaus, das aus dem im Jahre 1892 erbauten Bauernhof hervorging haben wir dann auch während der vier Tage gewohnt. Wir würden gern wiederkommen !
Hügin, Gerold (1991): Hausgärten zwischen Feldberg und Kaiserstuhl: Versuch einer Landschaftsgliederung mit Hilfe von Unkräutern, Zier- und Nutzpflanzen der Gärten in Schwarzwald, Vogesen, Baar und Oberrheintal; mit zwei Beilagen. Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg / Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg; 59, ISBN 3-88251-157-5.
Schwabe, Angelika; Krachtowil, Anselm (1987): Weidbuchen im Schwarzwald und ihre Entstehung durch Verbiss des Wälderviehs : Verbreitung, Geschichte und Möglichkeiten der Verjüngung. Karlsruhe. Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg / Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg 49. ISBN 3-88251-121-4
Volk, Stefan (2025): Einsatzpotenziale von amphibischen Löschflugzeugen in Baden-Württemberg. Bachelorarbeit, Bachelor of Education, Geographie, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), (Betreuung Dr. C. Neff & Dr. C. Mager, KIT-IFGG), DOI: 10.5445/IR/1000185792 (KITopen).
Selbst an mir ging der Medienhype um Christopher Nolans Verfilmung der Odyssee (The Odyssey im amerikanischen Original) nicht spurlos vorbei. Im Spiegel las ich beispielsweise den Beitrag von Wolfgang Höbel „Ein Männerdrama“[1]. Im Rundfunk hörte ich u. a. die Diskussionssendung „Von Trickstern und zweifelhaften Helden – Die moderne Welt der Odyssee“ in SWR Kultur[2]. Das weckte – aus welchem Grund auch immer – bei mir die Erinnerung an die Wiedererkennungsszene von Odysseus mit seinem Hund Argos aus dem 17. Gesang der Odyssee. Das ist in meinen Augen bestimmt eine der berührendsten Szenen der Weltliteratur! Hier erlaube ich mir, aus der Übersetzung von Roland Hampe aus dem gelben Taschenbuch der Reclam Universalbibliothek, die ich vor vielen Jahren einmal als Reiselektüre kaufte, zu zitieren:
„290 Und ein Hund lag da, der hob den Kopf und die Ohren, Argos, des leidenprobten Odysseus Hund, den er selbst einst aufzog, ohne sich seiner zu freuen; er ging ja zuvor schon fort zum heiligen Ilion; früher, da führten die jungen Männer ihn oft auf wilde Ziegen und Rehe und Hasen;
295 Nun aber, da sein Herr weit weg war, lag er verwahrlost auf einer Menge von Mist, der von Maultieren und auch von Rindern da gehäuft vor den Toren lag, bis dass des Odysseus Knechte ihn holten, den großen Bezirk des Königs zu düngen. Dort lag Argos, der Hund, der von Hundeläusen bedeckt,
300 wedelte er mit dem Schwanz und senkte die Ohren, die beiden.
Doch er vermochte nicht mehr, zu seinem Herrn zu kommen.
Der aber blickte zur Seite und wischte sich eine Träne
ab, sie vor Eumaios verbergend, und fragte ihn dann mit den
Worten:
305 Merkwürdig ist’s, Eumaios, dass dieser Hund auf dem Mist liegt. (Homer 1996, S. 286 & 287)
Tatsächlich kaufte ich mir das Reclam-Büchlein, um daraus den Studierenden, die mich bei meinen Feldarbeiten für meine Dissertation auf Stromboli unterstützten, vorzulesen[3]. Das war im Frühsommer 1997, nämlich den zehnten Gesang, der auf den äolischen Inseln spielt, zu denen auch die Insel Stromboli gehört. Das ist so eine Eigenart von mir gewesen, bei eigentlich physisch-geographischen, also naturwissenschaftlichen Exkursionen und Geländepraktika, geobotanischen Feldübungen immer wieder Kulturgeschichte, literarische Einsprengsel einzubauen. Aber das ist inzwischen auch Geschichte – und ob ich jemals wieder eine universitäre Lehrveranstaltung halten werde, steht in den Sternen. Aber ich teile nach wie vor die Ansicht, dass man Landschaftsgenese, die Entwicklung des Pflanzenkleides, aber auch Landschaftsfunktionalität nur ausreichend und umfassend erklären kann, wenn man Landschafts- und Kulturgeschichte der betreffenden Landschaft kennt.
Ein paar Jahre später kaufte ich mir dann auch „Die Landschaften Homers“ – also die deutsche Übersetzung des Buches „Celebrating Homer’s Landscapes“ von John Victor Luce –, um mein Landschaftsverständnis der historischen mediterranen Kulturlandschaften zu vertiefen. Aber tatsächlich reicht mein Interesse an der Odyssee bis in die früheste Kindheit zurück. Meine italienische Urgroßmutter hieß tatsächlich Penelope – Penelope Migliori. Wenn man dann als Kleinkind fragte, woher denn dieser so sonderbare Name herkomme, dann bekam man von der Mutter, die ja studierte Altphilologin ist, schon eine Einführung in die Odyssee! Penelope das war die Ehegattin des sagenumworbenen Odysseus und Mutter des Telemachos. Und so stellte ich dann als Kind ganz erstaunt fest, dass Odysseus in Frankreich „Ulysse“ genannt wurde, während er in Deutschland den Namen Odysseus trägt.
Als ich dann sechs Jahre alt wurde, erschien in Frankreich das Lied von Georges Brassens„Heureux qui comme Ulysse“ – welches auf dem gleichnamigen Sonett von Joachim du Bellay beruht – ziemlich berühmt und erfolgreich: « Heureux qui comme Ulysse, a fait un beau voyage, heureux qui comme Ulysse, a vu cent paysages, et puis a retrouvé, après maintes traversées, le pays des vertes années. [4]» („Glücklich wie Odysseus, der eine schöne Reise machte. Glücklich wie Odysseus, der hunderte Landschaften sah und dann nach vielen Überfahrten das Grün der Heimat wiederfand“ – Übersetzung C. Neff).
Ich kann es jetzt immer noch singen. Das Lied war eigentlich die Filmmusik des Films „Heureux qui comme Ulysse“, in dem Fernandel seine letzte große Filmrolle spielte.
Dann hatten wir Anfang der 1970er Jahre so ein Sagenbuch bekommen – mit einer recht sonderbaren Mischung aus antiken und mittelalterlichen Sagen. Das reichte von Prometheus, Jason und den Argonauten, der Odyssee, Narziss und Echo – bis hin zu Tristan und Isolde, Roland und Olifant, Beowulf und Grendel – soweit meine Erinnerung mich nicht täuscht. Das Buch habe ich immer wieder gelesen – als Kind, als Jugendlicher, sogar als Student habe ich hin und wieder darin einzelne Abschnitte gelesen. Ich weiß auch noch genau, in welchem Regal das Buch in unserem Haus im Lärchenweg in der Bergvorstadt Sulgen stand, aber den genauen Titel kann ich nicht mehr rekonstruieren. Ich hatte eigentlich gedacht, ich hätte das Buch bei der Haushaltsauflösung des Hauses im Lärchenweg in Schramberg mitgenommen und in meine Bibliothek integriert, aber dem scheint nicht so zu sein. Natürlich waren das nicht die Originalsagen, sondern für „junge Leser“ nacherzählte und in Teilen auch bebilderte Texte.
Und daneben gab es ja noch die „wunderschönen“ und „unvergesslichen“ Nacherzählungen der antiken Sagen von Harald Frommer auf unseren vielen gemeinsamen Italienreisen in den 1970er Jahren[5]. Im Grunde genommen war Harald nichts anderes als ein neuzeitlicher Sagenerzähler, der das antike Epos neu wieder erzählte und damit seinen Hörern erlaubte, selbst in die Welt der antiken Sagen einzutauchen. Es war, als wäre man mit Odysseus selbst durch das tosende Mittelmeer gefahren, selbst mit Zyklopen gekämpft und dann auch selbst als Schweinehirte verkleidet beim Anblick des sterbenden Argos eine stumme Träne vergossen. Im Hintergrund am Horizont, fern vom Strand in Zambrone, ragte der dunkle Stromboli wie ein gigantischer rauchender Wal aus dem Meer. Heute heißt der Strand übrigens Marina di Zambrone, das Dorf Zambrone befindet sich ja im Landesinneren im Gebirge. Der Blick vom Strand in Zambrone auf den Stromboli dürfte sich seit den 1970er Jahren – ja, eigentlich seit den Irrfahrten des Odysseus – kaum verändert haben. Ein paar Kilometer weiter im Süden, in den Dörfern des Aspromonte, wurde in den 1970er Jahren sogar noch der griechisch-kalabrische Dialekt (Dialetto greco-calabro) gesprochen; heute ist dieser Dialekt bzw. diese Sprache fast ausgestorben.
Das Interesse an der Odyssee hat die ganzen Jahre und Jahrzehnte dann doch überdauert, und ich kaufte mir erst kürzlich das Werk „Odysseus. Mythos und Wahrheit“ von Raimund Schulz und habe darin auch schon die ersten Kapitel gelesen.
Der Film von Christopher Nolan läuft auch in der Filmwelt in Grünstadt, aber ich werde ihn wahrscheinlich nicht besuchen können. Die postoperativen Komplikationen der Maladie de Mitterrand – die manchmal heftige Polyurie – lassen es mir fast utopisch erscheinen, so eine lange Zeit im Kino sitzen zu können, denn es ist auch ein Film mit erheblicher Überlänge. Genauso utopisch wie in nächster Zeit – wie schon oben beschrieben – universitäre Lehrveranstaltungen abzuhalten. Auch längere, weitere Reisen erscheinen mir zurzeit mehr als utopisch zu sein. Aber ich kann lesen – nochmals wie vor zwanzig Jahren Homers Odyssee in der Reclam Universalbibliothek durchlesen und im Gedanken auf Reisen gehen. Da muss ich mich auch an keine „Filmpause“ halten; nur ich allein bestimme das Lesetempo, die Geschwindigkeit, in der sich die Odyssee abspielt. Vielleicht sollte ich jedoch auch eine andere Übersetzung der Odyssee lesen. Aber welche ?
Vielleicht gibt es den Film von Christopher Nolan auch irgendwann als DVD oder bei Arte. Für mich bleibt die Erinnerung an die Verfilmung „die Fahrten des Odysseus“ mit Kirk Douglas und Silvana Mangano aus dem Jahr 1954 – einen Film, den ich schon mehrmals gesehen habe und der mir auch sehr gefallen hat.
Und soweit es den Hund Argos betrifft: Dieser Hund hatte doch auch seine Bedeutung für Christopher Nolan. Ohne Hund Argos keine Odyssee-Verfilmung, so Nolan: „I decided to do The Odyssey because it is the ultimate dog story“ („Ich habe mich für The Odyssey entschieden, weil es die ultimative Hundegeschichte ist“) im Cinemaexpress.
Unabhängig von Nolans Verfilmung der Odyssee wurden diese Woche in Sachsen-Anhalt römische Münzen gefunden, darunter auch eine Münze mit dem Münzbild des Odysseus mit seinem Hund Argos[6]. Ich habe das in der Zeit gelesen und auch dazu einen kleinen Kommentar hinterlassen[7]. Ein weiteres Exemplar dieser Münze befindet sich auch in der Sammlung des Münzkabinetts im Landesmuseum Stuttgart. Dieses Münzbild aus der römischen Antike zeigt wie bekannt diese Szene mit Hund Argos aus der Odyssee doch damals gewesen sein muss. Und in Nolans Film findet sich diese Szene auch wieder!
Screenshot der Reclamverlagsseite mit der Odyssee aus der Reclam – Universalbibliothek vom 25.07.2026 mit Bezug zum Kinofilm „die Odysee“ von Christopher Nolan vom 25.07.2026.
Ich finde es mehr als beachtlich, dass ein über 2500 – ja fast 3000 Jahre alter literarischer Text – noch heute, und sei es als Verfilmung, die Gemüter so beschäftigt. Um den Film ist ja ein regelrechter Medienhype entstanden. So wird die Neuauflage meiner im Jahre 1996 gekauften Reclamausgabe der Odyssee nun folgendermaßen vom Reclamverlag beworben: „Odyssee – Das mythische Heldenepos über die Irrfahrten des Odysseus – Der Originaltext zum Kino-Highlight von Christopher Nolan[8]“! Ich selbst werde mir vielleicht auch versuchen, meine Pléiade-Sammlung zu ergänzen und wohl irgendwann den Band Nr. 115 der Bibliothèque de la Pléiade„Homère Iliade – Odyssée“ anschaffen und lesen. Denn jede Übersetzung bietet ja auch Überraschungen!
Abschließend noch: Da ich doch in gewisser Weise auch in einem deutsch-französischen Kontext aufgewachsen bin, erscheint es mir schon so zu sein, dass in der französischen Alltagskultur Odysseus und die Odyssee – also Ulysse et l’Odyssée – bei Weitem präsenter sind als bei uns in Deutschland. Aber zumindest für Franzosen aus meiner Generation sind die Zeilen « Heureux qui comme Ulysse, a fait un beau voyage, heureux qui comme Ulysse, a vu cent paysages… » unvergesslich geblieben und wahrscheinlich auch im kollektiven Gedächtnis verhaftet. In Deutschland hingegen, so erscheint es mir, sind Odysseus und die Odyssee bisher weit mehr an die Rezeption im Bildungsbürgertum gebunden. Aber das könnte sich ja doch durch Christopher Nolans Film vielleicht ändern!
Homère (2006): Iliade – Odyssée. Trad. du grec ancien par Victor Bérard et Robert Flacelière. Édition de Jean Bérard et Robert Flacelière. Collection Bibliothèque de la Pléiade (nr. 115), ISBN 978-2-07-010261-7, Gallimard 1955, 2006.
Christophe Neff, Juli 2026, veröffentlicht am 25.07.2026.
[1] Siehe Höbel, Wolfgang (2026): Ein Männerdrama. Filme Schon vor dem Kinostart wurde Christopher Nolans »Odyssee« grob kritisiert. Zu Unrecht. Der Spiegel, 30, 2026 S.96 – 97.
[3] Tatsächlich ziert ein Bild des Vegetation auf Stromboli die Buchversion „Medgrow“ meiner im Jahr 2000 in den Mannheimer Geographischen Arbeiten gedruckten Dissertation.
[5] Professor Dr. Harald Frommer, Lehrerkollege meines verstorbenen Vaters am Gymnasium Schramberg. Thomas Mann Experte und begnadeter Erzähler. Mein Eltern waren mit dem Lehrerehepaar Gabi und Harald Frommer befreundet ( siehe u.a. auch Schwäbisch – Französische Lesenotizen zu „Mein Schwaben“ von Vincent Klink). Wir verbrachten auch einige Urlaube in den 1970 Jahren. Darunter eine fast legendäre Urlaubsreise mit zwei Wohnwagen über Florenz, den Solfatara, Paola, Zambrone bis an den Fuß des Ätnas in Sizilien. Daneben sehr viele Pfingstferien am Lago di Mergozzo bei denen ich bis zu Beginn meiner Pubertät immer mit dabei war.
Le mercredi 08.07.2026, la station météorologique de Metéo-France du Cap Leucate – ma station météorologique de référence dont on trouve les données sur le site d’infoclimat – a affiché 40,5 degrés à 13 h 35, soit 0,1 degré de moins que les 40,6 °C mesurés le 29 juin 2019, le record de température de la station[1]. Quand mes grands-parents ont acheté leur petite villa dans le quartier de la Griffoulière à Port-Leucate pour fuir les chaleurs lourdes et les orages d’été de la plaine du Rhin, de l’agglomération du « Grand Strasbourg » (car ils habitaient à Eckbolsheim), vers la fin des années 1960, en été, le thermomètre dépassait très occasionnellement les 30 degrés [2]! Mais cela appartient déjà à l’histoire. Comme partout en France, les changements climatiques n’épargnent même pas les stations balnéaires du pourtour méditerranéen comme Leucate.
Je suis avec une attention particulière l’évolution actuelle des feux de forêt en France, car, avant que je ne subisse la maladie de Mitterrand, analyser le rôle du feu dans les écosystèmes (dans le sens de la fire ecology americaine) prenait une place importante dans mon métier d’enseignant-chercheur au KIT. Avec deux canicules passées et une canicule active, on peut craindre les pires scénarios ! Deux feux, qui, pendant que j’écris ces lignes, sont encore actifs, ont suscité un intérêt particulier chez moi. D’une part, il y a le feu des monts du Diois, c’est-à-dire l’incendie du massif de Justin dans la Drôme, et le feu de Trévillach dans les Pyrénées-Orientales. Le feu du massif de Justin, avec son stock de „masse combustible (fuel loading) considérable – beaucoup plus grand que dans les forêts méditerranéennes – et qui semble être, d’après ce que je crois savoir, d’origine naturelle (la foudre), c’est exactement le scénario d’incendie de forêt qui pourrait devenir le scénario à prévoir avec les changements climatiques pour les grands massifs forestiers du nord de la France et de l’Europe centrale : Jura, Vosges, Forêt-Noire. Et d’ailleurs, même si la mémoire collective l’a plus ou moins oublié, le fameux incendie d’août 1800 entre Freudenstadt et Schönmünzach, qui ravageait le paysage de la Forêt-Noire, ce feu de forêt ne s’est arrêté que quand la forêt avait fini de brûler, par manque de combustible[3]. Les lignes de l’article du Monde sur les feux de forêt des monts du Diois : « «Le feu s’arrêtera quand la forêt aura fini de brûler » : un immense incendie dévore les monts du Diois, dans la Drôme. » nous présente le même phénomène. Sans combustible pas d’incendie !
En ce qui concerne le feu de Trévillach – qui, entre-temps, est passé des Fenouillèdes traversant la rivière Têt pour lécher les Aspres –, je connais très bien la région pour avoir dirigé, pendant de nombreuses années, voire des décennies, des cours pratiques sur l’écologie du paysage entre Leucate, le Canigou et le pic Carlit[4] et parfois aussi des cours sur la DFCI (Défense des forêts contre l’incendie) et les chantiers de brulage dirigé dans l’Aude et les Pyrénées orientales[5].
Parfois pendant ce cours, je m’arrêtais avec mes étudiants à Bouleternère pour leur montrer une culture de « grenadiers » française – certainement l’une des premières cultures de grenadiers française que j’ai découverte, je crois en 2016 ou 2017. Mais en fait, je connais la région depuis mon enfance, car, pendant tous ces séjours de vacances familiales à Port Leucate, on passait assez souvent quelques jours en promenade dans le massif du Canigou[6]. Je suis un peu l’évolution de cet incendie à travers le visionnage des vidéos YouTube et des photos de Jimmy Phan. Jimmy Phan, le photographe ninja-punk de Villefranche-de-Conflent et correspondant du quotidien L’Indépendant. Avec tous les documents photos que Jimmy Phan poste sur son mur Facebook[7], on a un très bel aperçu de l’évolution de l’incendie, du travail héroïque des pompiers sur le terrain et aussi des énormes dégâts occasionnés par ce feu.
En plus, j’ai aussi une relation assez spéciale avec les Aspres. J’étais étudiant en géographie et stagiaire au CEFE[8] à Montpellier, chez Louis Trabaud, pour préparer ma Diplomarbeit (aujourd’hui plus ou moins une thèse de master) sur les feux de forêt dans les garrigues de Nîmes en 1992[9]. Tout au début de ce stage, Louis Trabaud m’a invité à lire la deuxième édition de son livre sur les feux de forêt – , «Les Feux de Forêts. Mécanismes, comportement et environnement » qu’il avait écrit pour les sapeurs-pompiers en charge de la DFCI. En plus la : « Notice des cartes à grande échelle des formations végétales combustibles du département de l’Hérault », qu’il avait édité avec Bernard Lacaze et collègues, que j’ai d’ailleurs cités récemment dans une de mes publications sur les Açores[10], ainsi que le livre « Contribution à l’étude des feux de forêts. L’Incendie de juillet 1976 dans les Aspres » de Jean-Jacques Amigo, que Louis Trabaud avait préfacé. Louis Trabaud, qui est certainement l’un des pères fondateurs de l’écologie du feu française – ou de la French fire ecology –, voire l’un des pionniers de l’écologie du feu dans le bassin méditerranéen, a jeté les bases de cette discipline dans la région, comme l’a écrit le chercheur espagnole Juli Pausas dans une nécrologie pour Louis Trabaud : «He was a pioneer of fire ecology in the Mediterranean Basin and set the basis of this topic for the region»[11]. Trabaud est malheureusement tombé un peu dans l’oubli en France, ce qui est fort dommage ! On ne trouve même pas d’article Wikipédia sur Louis Trabaud et son rôle pour l’analyse écologique de feux de forêts.
Donc, au début des années 1990, après avoir lu le livre de Jean-Jacques Amigo, qui est certainement la référence pour l’histoire de feux de forets des Aspres j’ai parcouru les paysages des Aspres, pas encore totalement cicatrisés du grand incendie de 1976, pour me faire une idée de la manière dont un grand incendie laisse ses traces dans le paysage. Les subéraies avaient repris de souche, sur les versants plus frais, le châtaignier réapparaissait – et ici et là, les premiers bouquets de mimosa. L’année 1976, c’était l’année charnière pour les feux de forêt et la DFCI dans le Midi français. Après la fin de cette saison des feux 2026 – ce qui pourrait être vers la fin d’octobre, comme au Portugal –, et avec un peu de recul, on pourra comparer cette saison des feux de 2026 avec l’été de 1976. Et on pourra faire un bilan de 50 ans de DFCI dans le Midi français – et en tirer les conséquences pour les décennies à venir. Je pense que les mois, voire les semaines à venir, seront très durs pour les terres méditerranéennes. Les écosystèmes et la nature se régénèrent toujours d’une manière ou d’une autre. Mais les hommes qui ont tout perdu pendant ces incendies – et les incendies à venir durant cet été qui s’annonce brûlant –, comment pourront-ils se reconstruire ? On ne peut qu’espérer que fin octobre 2026, on ne trouvera pas trop de paysages de désolation dans le Midi français et les autres pays méditerranéens, et même au-delà, comme on en trouve actuellement à Ille-sur-Têt, à Rodès, à Bouleternère, etc., dans les Pyrénées-Orientales. Je travaille à peu près depuis 40 ans sur les feux de forêt, mais, d’après mes souvenirs personnels, jamais un feu de forêt n’a détruit autant d’habitations que dans certaines des communes longeant la rivière Têt, entre Ille-sur-Têt, Bouleternère, Rodès et Vince, où des lotissements entiers ont péri dans les flammes ! Ici et là, on a vraiment l’impression d’un scénario de guerre, tellement le paysage a été cicatrisé par le feu ! Une vrai terre de désolation en plein milieu de la France profonde !
Avec les changements climatiques on risque d’avoir de plus en plus de tel scénarios d’incendie en France [12]! Certainement les changements climatiques ne sont pas eux seule responsables de telle scénarios d’incendie, – mais comme je l’avais déjà écrit dans « Pyrotragedies – a critical retrospective on the wildfire situation in Europe during July 2018 » en 2018 ils peuvent considérablement augmenter le risque de feux de végétation particulièrement dangereux et incontrôlable[13] !
Bibliographie :
Amigo, Jean-Jacques (1978) : Contribution à l’étude des feux de forêts. L’Incendie de juillet 1976 dans les Aspres (Pyrénées-Orientales). Préface de Louis Trabaud. Prades, 1978, numéro spécial de Conflent, 95-96.
Neff, Christophe (1995) : Waldbrandrisiken in den Garrigues de Nîmes (Südfrankreich) : eine geographische Analyse. Materialien zur Geographie ; 27. Mannheim, ISBN 3-923750-50-1
Neff, Christophe (2021) : « Observations de la dynamique végétale sur le Volcan des Capelinhos (Île de Faial, Açores, Portugal) ». Finisterra, 56 (117), 107–126. doi:10.18055/Finis18523
Trabaud, Louis, Lacaze, Bernard et al. (1973) : Notice des cartes à grande échelle des formations végétales combustibles du département de l’Hérault. Montpellier : CNRS, Centre d’Etudes Phytosociologiques et Ecologiques Louis Emberger (CEPE)
La photo de la couverture du livre Les feux de forêt de Louis Trabaud (1992) provient de ma bibliothèque personnelle. C’était le livre que j’avais acheté pendant mon stage chez Louis Trabaud au CEFE, dans les années 1990.
L’image de la couverture du livre de Jean-Jacques Amigo (1978) sur les feux de forêt dans les Aspres, je l’ai trouvée sur Internet. Ce livre est devenu une rareté, et on peut en trouver de rares exemplaires chez des antiquaires du livre, ici et là.
Christophe Neff, Grünstadt Juillet 2026, publié le 11.07.2026
[8] Le CEFE (Centre d’Écologie fonctionnelle et évolutive) est un laboratoire du CNRS à Montpellier qui, jusqu’en 1988, portait encore le nom de CEPE Louis Emberger (Centre d’Études Phytosociologiques et Écologiques). Le phytosociologue Louis Emberger avait créé le CEPE en 1961.
[9] Les résultats de ce travail ont été publie dans un petit livre « Waldbrandrisiken in den Garrigues de Nîmes (Neff, C. 1995 voir Biblio en fin de texte). Ce petit livre est aussi disponible a la Bibliotheque du CEFE en section 16 16_Ecologie_végétale.
Il y a quelques jours, je suis repassé à Wissembourg pour récupérer quelques livres chez Willy Hahn, à la librairie À Livre Ouvert, que j’avais commandés quelques semaines déjà. Malheureusement, les séquelles liées à la maladie de Mitterrand ont fortement réduit mon autonomie en voiture comme conducteur : j’ai toujours besoin d’un accompagnateur ou d’une accompagnatrice bienveillant(e)[1], qui prenne le volant au cas où la grande fatigue prendrait une fois de plus possession de mon corps.
J’aime bien venir à Wissembourg, chercher mes commandes de livres chez Willy Hahn[2], me baigner dans une rivière de langue française, le français, qui est après tout ma langue maternelle[3], qui me manque parfois chez moi à Grünstadt. Et en plus, comme je ne voyage presque plus, la lecture me permet de découvrir de nouveaux paysages. Wissembourg a la chance d’avoir encore une librairie indépendante, un hôpital, et même une gare ouverte au trafic voyageurs.
Récemment, mes enfants m’ont demandé ce que je jugeais important pour la qualité de vie d’une ville en milieu rural, et je leur répondais : une gare ouverte au trafic voyageurs, une librairie indépendante, un hôpital et quelques « Fachärzte » (médecins spécialistes) et naturellement « weiterführende Schule » – donc collèges et lycées. Tout cela, on le retrouve aussi bien à Wissembourg qu’à Grünstadt ! Mais dans beaucoup de villes moyennes, que ce soit en Allemagne ou en France, tous ces « services » ont simplement disparu.
La ville dans laquelle j’ai grandi, Schramberg en Forêt-Noire, a perdu sa ligne de chemin de fer, son hôpital, ses librairies et ainsi de suite. En 1984, quand j’ai passé mon bac au Gymnasium de Schramberg, il y avait encore quatre librairies – et maintenant, plus aucune. La dernière librairie, « la Buchlese Schramberg », vient de fermer ses portes fin mai 2026.
Parfois, en venant à Wissembourg, je me demande combien d’années Monsieur Hahn va encore « tenir ». Car en dehors de toutes circonstances économiques, la vie n’est pas toujours facile pour une librairie indépendante[4], il y a naturellement tout simplement « l’âge ». Eh bien oui, avec l’âge arrivent la fatigue, parfois les maladies… Est-ce qu’il y aura quelqu’un – un ou une jeune libraire – qui reprendra un jour la librairie ? Je l’espère bien pour Willy Hahn et les « Wissembourgois » – car cette librairie est devenue un acteur majeur de la vie culturelle en Outre-Forêt et rayonne même au-delà de la frontière franco-allemande.
D’ailleurs, j’ai lu récemment dans un texte très touchant de Sibylle Havemann dans la Zeit sur son cancer incurable, sur sa relation compliquée avec son père Robert Havemann, sa vie en couple avec Wolf Biermann, qu’elle a vécue quelques années en France à Wissembourg[5].
Dans l’après-midi, après une petite balade le long de la Lauter, non loin du Moulin de la Walk, avec notre « Madame Gordon », écoutant les chants des oiseaux dans le bois bordant le cours d’eau — dont un beau concert de Fauvette à tête noire[6] —, nous avons regagné Grünstadt, mes trois nouveaux livres et le catalogue 2026 de la Pléiade en main !
Ces livres sont :
« Comment ça va, Màmma ? » de Pierre Kretz, livre dont je parle aussi un peu dans ce blog ;
« Un monde en liquidation » de Thierry Raboud, un essai sur les paysages (imaginaires) des glaciers suisses sous l’emprise du changement climatique ;
« Être un arbre dans la ville » de Véronique Mure, sur la place des arbres dans l’environnement urbain.
Arrivé à Grünstadt, j’ai aussitôt commencé la lecture de « Comment ça va, Màmma ? » de Pierre Kretz[7] – d’ailleurs avec une belle dédicace de l’auteur. Je tombe sur « le Krabs » – Krebs en Hochdeutsch, cancer en français – en lisant la page 26.
« Une salle d’attente d’un service médical. Autrefois, quand on disait que quelqu’un avait un krabs, un cancer, le mot était synonyme de mort: on imaginait instantanément des nuées de corbeaux tournoyer autour de la maison du cancéreux pendant que des quantités de crabes noirs, plus noirs encore que des corbeaux, commençaient à l’encercler en rampant. Et le mot krabs était prononcé sur un ton dramatique, parfois à peine audible, comme si le seul fait de le prononcer allait porter malheur. On savait que, le plus souvent, les gens en mouraient dans d’atroces douleurs. (Kretz, Pierre, 2026, p.26 »
En ce moment, dans le Freundeskreis, dans la famille et bien au-delà, j’ai l’impression que le cancer est devenu une vraie lame de fond. Oui, comme l’écrit Pierre Kretz plus loin dans le texte, il y a eu des progrès fulgurants de la médecine – et il y a beaucoup plus de thérapies, même de vraies guérisons, qu’il y a encore quelques décennies. Quand même, j’ai bien l’impression que le « Krabs » fait d’enormes ravages autour de moi.
En lisant les passages sur l’entrée du « Krabs » dans la vie du petit Pierrot, je me revois petit gamin à la gare de Colmar dans les années 1970. Nous avions accompagné notre cousine Stasia, qui avait passé quelques jours chez nous en Allemagne pour apprendre l’allemand, à cette gare, où elle fut « prise en charge » par une amie de notre tante Danièle pour retourner ensemble en train à Dijon où elle vivait. Cette amie de ma tante avait un cancer. D’après mes souvenirs, cette amie de ma tante est morte quelque temps plus tard, victime d’un cancer foudroyant. Ce minuscule épisode, avait terriblement marqué mon enfance. Le Tee « Edelweiss » traverse a pleine allure la gare de Colmar, la fameuse rame Diesel « RAm TEE I » reproduite tant de fois par « Märklin » pour le chemin de fer miniature – fin de clape, paysages d’hiver,- maladie, mort souffrance et agonie – souvenir d’un paysages de desolation! Le cancer, le « Krabs » comme il est designé par Pierre Kretz m’avait pétrifié !
Il y a quelques semaines, j’ai perdu un ami d’études – je lui ai même dédié dans ce blog une petite notice – dû à un cancer – « Das Echo der Tams -Tams im Bergwald von Man – Erinnerungen an Rainer Frank ». Et j’avais encore eu l’impression de me voir petit gamin pétrifié , entouré de cancers foudroyants qui dévoraient la vie autour de moi – comme de petites bêtes insatiables !
Le livre de Pierre Kretz est un livre très intime, qui replonge le lecteur dans l’Alsace rurale des années 1950. Un livre qui, au-delà du « Krabs », m’a fortement ému, qui mériterait certainement un billet de blog complet dédié à l’ouvrage écrit par Pierre Kretz. Je termine cette notice avec cette phrase si touchante : « Wàs date m’r màche, wann m’r dich net hatta ? », qu’on retrouve ici et là dans le livre de Pierre Kretz du début à la fin – qui était pour lui l’ancienne langue –, mais qui, pour moi-même, me rappelle le Schramberger Schwäbisch, quand on parlait encore « uf der Gass » à Schramberg en Forêt-Noire durant les années 1970 – mais depuis, ses derniers moments ont été assourdis par le « Hochdeutsch » omniprésent[8].
Sebastian Rogler : Driving Home for Christmas 20.12.2025, Serie „expressgrün“, 70x100cm, Acryl auf Holz / Série « expressgrün », 70 x 100 cm, acrylique sur bois.
Nous traversons le Bienwald. Il fait nuit et, dans l’autoradio, nous écoutons une émission sur Hildegard Knef[1]. Nous ramenons encore des livres français vers l’Allemagne, que nous avons achetés dans la librairie « À livre ouvert » chez Willy Hahn. J’écris « nous » car c’est ma fille qui m’accompagne, car je ne peux pas conduire de longs trajets en voiture. Les complications de la « maladie de Mitterrand » ont beaucoup restreint mon rayon d’action en voiture : le Klinikum Worms, la gare de Frankenthal, c’est à peu près la distance que je peux parcourir seule en voiture.
À Wissembourg, nous avons aussi fait des courses « chez Rebert » et « à la Cloche aux fromages ». Avec livres, fromages, pâté en croûte et bûche de noël, nous rentrions donc en Allemagne. Chez « Willy Hahn », nous avons découvert des « weihnachtsbredele » offerts en cadeau. Cela éveille des souvenirs d’enfance : il y a très longtemps qu’on m’a offert des « weihnachtsbredele » dans un commerce. Il y a certainement plus de quarante ans, à Schramberg, peut-être même dans une librairie : la Buchhandlung Klaußner, située dans la Hauptstraße longeant la Schiltach. La Hauptstraße et l’Oberndorferstraße étaient décorées avec de vraies branches de sapin, quelques étoiles illuminées, quelques « Herrenhuter Sterne » qui brillaient à travers les branches de sapins enjambant les deux rues principales de Schramberg[2]. Et la neige, partout dans la Raumschaft Schramberg, dans toute la Forêt-Noire, un peu comme je l’ai aussi décrit dans la notice « Schramberg Janvier 2021 – pays de neige / Schramberg Januar 2021 – Schneeland »[3].
Je me demande pourquoi tant de traditions de Noël que j’avais connues dans cette partie du sud de l’Allemagne, la Forêt-Noire et l’Oberschwaben — qui fut, durant mon enfance, encore très imprégnée de catholicisme —, mais qui, de nos jours, se perdent de plus en plus, englouties dans la commercialisation de l’Avent et des fêtes de Noël, semblent survivre comme dans un refuge ici et là, en Alsace. À La Petite-Pierre, on trouve même un « Musée du Springerle ». Les « springerle » de mon enfance, c’étaient ceux de « la Vroni », Veronika Neff de Saulgau, qui nous faisait de merveilleux « springerle » pour les fêtes de Noël.
Ayant grandi dans un environnement franco-allemand, Noël est aussi associé aux « bûches de Noël » et aux « galettes des Rois ». Nous emportons donc une « bûche de Noël » de chez Rebert pour les fêtes en Allemagne. Concernant les galettes des Rois, pendant vingt ans, début janvier, en rentrant du bureau au KIT, j’apportais des galettes des Rois de chez « Erbs » à Lauterbourg pour mes enfants, afin de forger les liens gastronomiques avec la France. C’est avec le Covid et l’application du « home-office » que les « galettes des Rois » ont cessé de trouver le chemin de Lauterbourg vers Grünstadt.
Et tout à coup, à la radio, nous apprenons la mort de Chris Rea. Je pense à sa chanson « Driving Home for Christmas ». Je rentre donc en Allemagne, après avoir passé quelques heures en France dans la capitale d’Outre-Forêt, Wissembourg, avec mes souvenirs de Noël d’une enfance franco-allemande des années 1960 et 1970.
La chanson « Driving Home for Christmas » — sortie en 1986, deux ans après mon bac, mon service militaire, mes stages d’élève officier de réserve — fait depuis partie de mon paysage sonore des fêtes de Noël, au même titre que « La Marche des Rois », « Stille Nacht, heilige Nacht », « O Tannenbaum » ou « Es kommt ein Schiff, geladen ».
Je pense aussi à mes camarades de classe du baccalauréat, celui qu’on avait passé ensemble au Gymnasium Schramberg, en 1984. À mon camarade Mark Finnern, surtout — lui qui, depuis des années, organise les Abitreffen de notre promotion. Driving home for Christmas, c’est aussi cela : retourner en Forêt-Noire, à Schramberg. Retourner pour les Abitreffen, ceux que Mark Finnern continue d’organiser avec constance. Mark Finnern, devenu au fil des années l’un des rares spécialistes de l’intelligence artificielle dans la région de la Forêt-Noire en Allemagne. Là-bas, il anime des ateliers et des rencontres pour promouvoir l’usage concret de l’IA, loin des clichés technophiles.
Au début, nos retrouvailles se faisaient toujours autour de Noël. On revenait du service militaire, des études … On retrouvait la famille, les parents. Mais tout cela a changé. Une grande partie d’entre nous s’est éloignée de Schramberg. On a fondé des familles, on a eu des enfants. Le Home, la Heimat, ce n’est plus vraiment Schramberg, désormais. Schramberg, ce sont les souvenirs des paysages de notre jeunesse. Les premiers amours, les chagrins d’amour. Le bac. Noël en famille. La neige et les sapins, la Fasnet et surtout on était jeunes…
J’avais, au cours de ma carrière académique, donné des cours sur les origines ethnobotaniques de l’arbre de Noël, dont les racines se retrouvent aussi en Alsace. J’avais même collecté du matériel pour y écrire un article ethnobotanique ou même un livre sur les origines et l’ethnobotanique de l’arbre de Noël. Mais à part quelques feuilles de manuscrit perdues, tout cela est resté au stade de projet.
Le soir même, de retour à Grünstadt, je feuillette mes livres achetés dans la librairie « À livre ouvert », dont « Géographies, un dictionnaire », et je me demande si ce récit de souvenirs d’enfance, ces éléments de coutumes de Noël franco-allemandes, correspondent bien à la définition d‘ « écritures géographiques» , chapitre écrit par Isabelle Lefort dans ce dictionnaire. Apparemment, oui. Je me permets de citer les deux dernières phrases : «Comprendre et reconnaître que toute géographie, et ce quels que soient les sas et les biais de ses écritures – formelle, littérale, mathématique, picturale, cinématographique, plastique, chorégraphique – génère, à chaque fois, des réalités géographiques fort différentes, et ce y compris à propos d’un même réel. Les modes d’expression et les modalités scripturales produisant évidemment des performativités à chaque fois particulières, les réalités géographiques ne sauraient exister sans leurs écritures. (Lefort, Isabelle, 2025, p.171) ».
Je dirais même qu’une grande partie des articles du blog « paysages » pourrait se retrouver dans la catégorie des « écritures géographiques ».
Quelques jours après avoir fixé une première ébauche de mémoire de cette traversée du « Bienwald » du soir du lundi 22 décembre 2025, je découvre dans « Le Monde » qu’un historien, Anton Serdeczny, vient de publier un livre sur la tradition de la bûche de Noël : « La Bûche et le gras. Une anthropologie historique de la magie de Noël [4].
« Driving Home for Christmas » est aussi le titre d’un tableau de l’artiste Sebastian Rogler, qui travaille entre Berlin et Tübingen. Cette œuvre me plaît tellement que je l’ai choisie comme image d’ouverture pour cette notice de blog.
Tableau:
Sebastian Rogler : Driving Home for Christmas 20.12.2025, Serie „expressgrün“, 70x100cm, Acryl auf Holz / Série « expressgrün », 70 x 100 cm, acrylique sur bois.
[2] On retrouve une image de la décoration de Noël à Schramberg durant les années 1970 ici sur une page Facebook de la ville de Schramberg. La Hauptstrasse (rue principale) n’était pas encore transformée en zone zone piétonnière. A part la décoration de Noël on remarque les voitures des 1970.
Und wieder gibt es einen Neuzugang in der Schramberg-Abteilung meiner kleinen Privatbibliothek: ein kleines Büchlein, das den Titel „Vom Bosporus zum Nesenbach. Und zurück? Die Geschichte einer erfolgreichen Integration“ trägt. Es ist die Autobiographie des Diplom-Ingenieurs und Maskenschnitzers Ergun Can. Auch wenn es der Titel nicht vermuten lässt, handelt ein Großteil des Buches von Schramberg, denn der Verfasser verbrachte einen großen Teil seiner Kindheit und Jugendjahre in Schramberg im Schwarzwald. Das Buch legt Zeugnis ab über die erfolgreiche Integration eines sogenannten „Gastarbeiterkindes“ in die deutsche Nachkriegsgesellschaft.
Beim Lesen des Buches fragte ich mich immer wieder, warum man bisher keine Kritiken in den Feuilletons unserer überregionalen Tageszeitungen zu diesem Buch findet. Schließlich ist die Integrationsfrage eine der zentralen Fragen unserer heutigen Gesellschaft. Doch auch in der regionalen Presselandschaft Baden-Württembergs konnte ich keinerlei Rezensionen zu Ergun Cans Buch entdecken. Trotz aller Widrigkeiten und Widerstände hat es Ergun Can mit viel Fleiß und Hingabe geschafft, nicht nur Teil dieser deutschen Gesellschaft zu werden, ohne seine eigene Identität zu verleugnen, sondern durchaus auch als Vorbild zu dienen. Und fürwahr war dieser Weg nicht immer einfach für ihn. Darüber legt sein Buch ebenfalls Zeugnis ab.
Ich teile eine Gemeinsamkeit mit Ergun Can: Wie Can verbrachte ich große Teile meiner Kindheit und Jugendzeit in Schramberg. Das Buch erlaubt es einem, das Schramberg der 1960er und 1970er Jahre aus einem neuen, anderen und doch so bekannten Blickwinkel wieder neu zu entdecken. Ergun Can lernte bei Siegfried Schaub, dem Vater eines Klassenkameraden, das Maskenschnitzen. Inzwischen sind die Fasnetsmasken von Ergun Can Ausstellungstücke und Gegenstand wissenschaftlicher Abhandlungen (siehe u.a. Lixfeld 2024). Aber auch viele andere Namen aus Ergun Cans Schramberger Zeit sind für mich nicht unbekannt.
Natürlich geht es im Buch nicht nur um Integration, Schramberg und Fasnetsmasken, sondern auch um das langjährige Wirken von Ergun Can in der SPD. In diesem Sinne findet man im Buch von Ergun Can auch „Innenansichten“ zur Parteigeschichte der SPD des „Südweststaates“.
Ich habe das Buch gern gelesen. Besonders gefallen hat mir die Erwähnung des Ehepaars Otto und Inge Schütz und ihrer Kinder auf Seite 21. Wer erinnert sich in Schramberg noch an den Bankdirektor Schütz und seine Familie? Wie Ergun Can verbrachte ich einen Teil meiner Jugend mit den Kindern des Ehepaares Schütz, vor allem mit Thomas. Wobei das natürlich später war – da wohnten die Schützens, wie meine Eltern auch, oben auf dem „Sulgen“ im Lärchenweg. Die Familie Schütz war wirklich eine sehr weltoffene und gastfreundliche Familie.
Und dann gibt es noch etwas ganz Besonderes, das ich mit Ergun Can teile nämlich das Bekenntnis zum Schwäbischen[1]: Immer, wenn man mich fragt, woher ich komme, sage ich: aus Schramberg im Schwarzwald – dort, wo man inmitten von Schwarzwaldtannen immer noch echtes „Schwäbisch“ schwäzt[2].
Frommer, Heike: „Gabel – çatal, Brot – ekmek, Teller – tabak.“ Familiensaga Can. In: Frommer, Heike/Mohn, Brigitte (Hg.): Zwischen zwei Welten. Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in Schramberg. Begleitbuch zum Forschungs-, Ausstellungs- und Mitmachprojekt des Stadtmuseums Schrambergs und des JUKS in Kooperation mit dem Eine-Welt-Forum Schramberg (= Schriften des Stadtmuseums Schramberg 24). Schramberg 2011, S. 28–37.
Lixfeld, Gisela: Ergun Can als Maskenschnitzer, in Landesmuseum Württemberg (2024), (Hrsg.): feld & wege: 100 Jahre Forschung und Dokumentation – von der Volkskunde zur Alltagskultur, Heidelberg: arthistoricum.net, 2024, S. 146–151. https://doi.org/10.11588/arthistoricum.1405.c20020
[1] „Ich habe über sechzig Jahre wieder und wieder das Lob erhalten, dass ich gut Deutsch spreche, »aber woherkommen Sie denn?«. Da erwidere ich stets gelassen, dass ich nicht gut Deutsch, sondern Schwäbisch spreche und aus Schramberg käme (Can, Ergun, 2025, S. 79)“.
Deux jours après avoir publié mon billet « Ces images insoutenables qui me rappellent les souvenirs des enfants du Biafra », je découvre l’article « Vivre l’Histoire : mon parcours du Biafra à la compréhension de Gaza » du cinéaste nigérian Newton Ifeanyi Aduaka dans les blogs de Mediapart. Quelle coïncidence ! En plus, je retrouve dans l’article d’Aduaka les souvenirs de l’écrivain Chinua Achebe. Contrairement à moi, l’enfant du « Biafra du Schoren » à Schramberg- Sulgen en Forêt-Noire, Newton Ifeanyi Aduaka est un véritable enfant de la guerre du Biafra. On dit que les blogs, la blogosphère traditionnelle, sont mourants, mais le texte de Newton Ifeanyi Aduaka montre que de nos jours les blogs ont encore un mot à dire ! Et quel témoignage. Sûrement un des meilleurs billets de blog que j’ai découverts durant ces dernières années. Je me permets de citer ces phrases du billet de Aduaka :
« Plus important encore, les deux tragédies soulignent le coût humain de permettre aux disputes politiques d’escalader en catastrophes humanitaires. Les enfants qui ont souffert au Biafra — y compris mon moi nourrisson — et ceux qui souffrent à Gaza aujourd’hui méritent mieux que d’être les symboles des échecs de leurs sociétés à trouver des solutions pacifiques à des problèmes complexes et la lâcheté flagrante, la cupidité et l’hypocrisie de nations puissantes avec des intérêts acquis. Mon parcours d’un bébé de guerre biafrais à un cinéaste documentant d’autres conflits africains m’a appris que le trauma connecte à travers le temps, la géographie et les expériences individuelles.[1]»
Personnellement, ce qui s’est passé à Gaza est une véritable catastrophe humanitaire et les gouvernements des deux États dont je possède la nationalité, les gouvernements français et allemand, ne font pas assez pour stopper la folie meurtrière du gouvernement de Benjamin Netanyahou. Les enfants victimes de la famine à Gaza ne sont pas responsables des crimes perpétrés le 7 octobre 2023 par le Hamas[2].
Am Morgen, des Donnerstag 12 Juni erfahre ich im Radio, dass es einen Welttag des Tagebuches gibt (Kurzform Tag des Tagebuchs)[1]. Also zwei Tage nach meinem 61. Geburtstag. Tagebuch schreibe ich schon seit gefühlten Ewigkeiten, ich würde mal sagen, so ca. 45 Jahre. Über das Tagebuch schreiben hatte ich auch schon vor ein paar Wochen im Beitrag „Blognotiz : Palmsonntag 13.04.2025“ ein paar Zeilen verfasst. Abgesehen davon, dass ich selbst Tagebuch schreibe, hatte ich mich schon immer fürs Tagebuchschreiben interessiert, wusste dass es in Emmendingen ein deutsches Tagebucharchiv gibt[2], aber von einem Tag des Tagesbuches hatte bis zu diesem Donnerstagmorgen noch nie etwas gehört. Nach dem „Hören“ des besagten Tagebuchrundfunkbeitrags suchte ich nach einem Eintrag „Welttag des Tagebuches“ bzw. „Tag des Tagebuch“ in der deutschen Wikipedia, aber da scheint dieser Tag doch noch nicht vorhanden zu sein. Eine Suche auf Französisch unter „Journée mondiale du journal intime“ führt auch zu keinem besseren Ergebnis. Hingegen finde ich bei Weka France einen Hinweis auf eine „Journée mondiale du blog 2025“, also sozusagen einen Welttag des Blogs. Auch auf Englisch konnte ich unter „World Diary Day“ nichts Verwertbares finden.
Der Tag des Tagebuches bzw. der Welttag des Tagebuches scheint wohl nur im deutschen Sprachraum bekannt zu sein. Er soll an den 12 Juni 1942 erinnern, als Anne Frank von ihrem Vater ein Notizbuch erhielt und mit dem Tagebuchschreiben begann[3]. Dieses Notizbuch sollte die Grundlage des berühmten „Tagebuches der Anne Frank“ werden. Wer diesen Tagebuch Gedenktag, den man wohl nur im deutschsprachigen Raum kennt, initiiert hat, das konnte ich bei meiner kleinen Recherche nicht herausfinden. Ich habe das Tagebuch der Anne Frank zum ersten Mal wohl als „Unterstufenschüler“ gelesen, so in der 6. oder gar 7. Klasse. Das Buch hatte mich ziemlich aufgewühlt, aber zum Tagebuch schreiben hat es mich bestimmt nicht bewegt. Ich hätte es auch schon fast als verwerflich empfunden mich an Anne Franks Tagebuch zu orientieren.
Überhaupt – was bewegt einem zu Tagebuch schreiben ? Was hat mich als Mittelstufenschüler des Gymnasium Schramberg Anfang der 1980 Jahre, oder sogar früher, bewogen ein Tagebuch zu führen? Tagebuch, welches ich bis zum heutigen Tage mehr oder weniger regelmäßig bis zum heutigen Tag mit „Tagesnotizen“ fülle.
In meinem persönlichen Umfeld gab es meinen französischen Großvater Jean Migliori, der regelmäßig ein „Journal“ führte. Er notierte mit Akribie das lokale Wettergeschehen, – und kommentierte das Weltgeschehen. Das Weltgeschehen das war vor allem die Lektüre seiner geliebten Tageszeitung – dem Le Monde. Wetteraufzeichnungen, das Festhalten seines Gesundheitszustandes und die Kommentare zu einzelnen Artikel aus der „Le Monde“ – und hier und da ein paar Zeichnungen – das war sein Tagebuch. Manchmal las er mir auch abschnittsweise daraus vor. Und für uns seine deutsch-französischen Enkelkinder aus Schramberg-Sulgen en „Forêt –Noire“ hat er auch mal eine ganze Bildergeschichte gezeichnet[4]. Heute würde man das als eine Graphic Novel bezeichnen. Ich denke, dass zumindest bei mir das Tagebuch Schreiben meines Großvaters Jean Migliori einer der Beweggründe war, dass ich selbst eines führte. Und ich wurde durch die gemeinsame Lektüre des Monde zum Le Monde Leser, und irgendwann dann auch zum Abonnenten von Le Monde. Und dieser Blog begann ja auch im Mai 2009 als Abonnentenblog der Tageszeitung Le Monde[5] vor über 16 Jahren.
Und was den Blog paysages betrifft – angesichts der derzeitigen Entwicklung in den Vereinigten Staaten von Amerika – muss ich leider feststellen – dass meine Befürchtungen, die ich in „Blognotice “27.10.2024” : America where are you going ?“ niedergeschrieben hatte leider immer mehr zur Realität werden. Ich hätte es mir anderes gewünscht – und ich hoffe trotz allem, dass die USA immer noch eine Demokratie bleiben! Der aktuelle Spiegel, – hat den Entwicklungen in den USA – seine aktuelle Titelstory gewidmet „ Will man da noch hin“? Soweit die USA eine liberale Demokratie bleiben, würde ich bestimmt einmal dahin wollen. Als Kind und Jugendlicher habe ich ja immer von einer Reise in die USA geträumt. Aber zurzeit erscheint mir eine Reise unter der Präsidentschaft von Donald Trump weder wünschenswert noch durchführbar.
Am Tag des Tagebuch 2025 schrieb ich dann auch noch einen kurzen Tagebucheintrag. Ich verbrachte auch wieder viel Zeit bei der Hausärztin/meiner Urologin. Die Maladie de Mitterrand, – und die ganzen damit verbunden postoperativen Komplikationen bestimmen meinen Tagesablauf. So hatte ich mir das vor über einem Jahr, Ende Juni 2024 kurz vor der totalen Prostatektomie bestimmt nicht vorgestellt. Aber grundsätzlich habe ich ja eine gute Prognose, – und man muss trotz aller Widrigkeiten die einem Begegnen das Beste daraus machen. In Deutschland ist der Begriff „Maladie de Mitterrand“ quasi unbekannt, ich hatte schon im Winter darüber geschrieben[6]. Dafür hat die Diagnose Prostatakrebs durch Veröffentlichung der Prostatakrebsdiagnose des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Joe Biden auch in Deutschland einer erhöhte Medienaufmerksamkeit bekommen[7]. In diesem Zusammenhang fand ich den Artikel der Spiegeljournalistin Irene Berres „Prostatakrebs ertasten? Was Männer über Früherkennung wissen müssen“ besonders gelungen. Im Grunde genommen sollte jeder Mann über 40 diesen Artikel lesen.
Im Tagebucheintrag des 14 Juni findet sich auch eine Notiz über den Air India Absturz, also den Absturz des Air-India-Flug 171 am Morgen des 12. Juni. Ich musste da gleich an Kindheitstage denken, denn für mich war damals der Name Air India mit Flugzeugkatastrophen im Montblanc Massiv verbunden. Das war der Air-India-Flug 245, also die Lookheed-749A « Malabar Princess » die am dritten November 1950 am Rocher de la Tournette Montblanc Massiv zerschellte. In Frankreich wurde dieses Flugzeugunglück „Accident du Malabar Princess“ genannt. Dieses Ereignis hat auch das kulturelle Gedächtnis Frankreichs geprägt, – so schrieb Henry Troyat den Roman „la neige en deuil“ – der dann die Vorlage für den amerikanischen Spielfilm „der Berg der Versuchung (the mountain)“ von Edward Dmytryk mit Spencer Tracy in der Hauptrolle bildete. Mich hatte dieser Spielfilm, den ich auch als Kind mehrfach gesehen hatte schwer beeindruckt. Sechzehn Jahre später , am 24 Januar 1966, zerschellte dann eine weitere Air India Maschine im Montblanc Massiv, – es war der Air-India-Flug 101.
Am Welttag des Tagebuches habe ich auch noch ein bisschen gelesen, so wie ich es fast jeden Tag tue. Die Anfrangskapitel des Buches„Das Camembert-Diagramm – Ein etwas anderes Frankreich Porträt“ der Spiegel Journalistin Nadia Pantel. Das Buch ist eine Art neuer geographische Landeskunde im Sinne einer „Gastogeographie“ – „géographie gastronomique“ Frankreichs[8]. Das Buch entdecke ich durch den im Spiegel abgedruckten Auszug „Steak frites und Nationalismus“. Auch schon vor der Lektüre dieses interessantes Text war mir klar, dass Steak frites – und in manchen Gegenden Frankreich auch Moules frites den Charakter eines Nationalgerichtes haben. Ich selbst verbinde die beiden Gerichte auch mit der gastronomischen Geographie Frankreichs bzw. der Frankophonie da man ja Moules frites durchaus auch Belgien zuordnen könnte und beide Gerichte schmecken mir außerordentlich gut. Wobei man sagen muss, dass es immer noch schwer ist ein gutes Steak frites – und das Steak wohlgemerkt „saignat“ in Deutschland im Restaurant zu finden. Gleiches gilt auch für ein schönes Moules frites Gericht. Aber dazu könnte man auch hinzufügen, dass man außerhalb Schwabens in Deutschland keinen guten Wurstsalat finden kann[9]. Vielleicht schreib ich ja irgendwann etwas mehr über dieses interessante Buch von Nadia Pantel. Abschließend sollte man noch bemerken, dass es in der deutschsprachigen Wikipedia keinen Artikel über das Steak Frites gibt, – hingegen findet man ein kleines Artikelchen über die Moules frites.
Und dann las ich auch noch ein paar Seiten in „Marseille – Die große Flucht der Literatur“ des Publizisten Uwe Wittstock[10]. Das Buch hatte mir ein Freund vor der Prostataop geschenkt, – und ich hatte auch schon ein paar Seiten darin gelesen, – und nun habe ich es ein Jahr nach der OP endlich zu Ende gelesen. Es ist ein hervorragendes Buch, über das vielleicht auch einmal mehr schreiben sollte. Es ist ein Buch das auch meine eigene persönliche Familiengeschichte tangiert, ja das Tagebuch schreiben in einem gewissen Sinne berührt. Es waren die Ereignisse in Montoire, also die Entrevue de Montoire am 24.10.1940 die meine französischen Großeltern in die Résistance trieben[11]. Montoire das war der Beginn der Kollaboration zwischen Vichy – Frankreich und Nazi-Deutschland. In Uwe Wittstocks Buch begegnet man den „Ereignissen von Montoire“ auf der Seite 231. Diese offizielle Kollabaration zwischen Vichy-Frankreich und Nazi-Deutschland empörten das Volkschulslehrerehepaar Jean Migliori und Germaine Migliori née Monasse so sehr, dass Sie sich der jungen Widerstandbewegung der Résistance anschlossen. Und so kam ich als Enkel des „Instituteur“ und „Resistant“ Jean Migliori, Sohn italienischer Einwanderer, zum Tagebuch Schreiben. Durch meinen Großvater der mir die Freude am Schreiben, am Tagebuch führen an seinem Schreibtisch in Aubord in den 1970er Jahren vermittelte. Tagebuch hat er wohl mindestens seit Mitte der 1930er geführt als er seine Stelle als Volkschullehrer in Hussigny antrat. Und dieses Tagebuch fütterte er relativ regelmäßig bis zu seinem Tod im Jahr 1980 im südfranzösischen Nîmes mit Tagebuchnotizen und Bildskizzen.
Abschließend sei noch hinzugefügt, dass das „Tagebuch Schreiben“ angeblich zur Zeit eine kleine Renaissance erfährt. Die Coronaepedemie und die daraus folgenden Lockdowns sollen zu vermehrten Tagebuch führen geführt haben[12]. Ich habe da doch so meine Zweifel, ob diese sogenannte „Tagebuchrenaissance“ wirklich nachhaltig war, ja ob sie überhaupt jemals stattgefunden hat. Ich kenne jedenfalls niemanden aus dem erweiterten Freundes und Bekanntenkreis der dauerhaft über Jahre ein Tagebuch führt.
Bibliographie:
Anne Frank Fond (Hrsg); Frank, Anne; Pressler Mirjam (Übers.) (2024): Anne Frank Gesamtausgabe : Tagebücher – Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus – Erzählungen – Briefe – Fotos und Dokumente.Anne Frank ; herausgegeben von Anne Frank Fonds, Basel ; aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler ; mit Beiträgen von Gerhard Hirschfeld, Mirjam Pressler und Francine Prose, Fischer Taschenbuch Verlag Juni 2024, ISBN 978-3-596-71077-5 (Paperbackausgabe), ISBN 978-3-10-402068-6 (E-Book/epub)