Blognotiz 20.06.2026: Über das Tagebuchschreiben

Am vergangenen Freitag, also Freitag, der 12.06., war es dann wieder so weit! Da wurde in der deutschsprachigen Medienwelt der Tag des Tagebuchs gefeiert. Über diesen Tag des Tagebuchs habe ich schon im vergangenen Jahr einen Beitrag unter dem Titel Zum Welttag des Tagebuchs am 12. Juni 2025 verfasst. Woher dieser nur im deutschsprachigen Raum bekannte „Ehrentag“ stammt, konnte ich bis jetzt nicht stringent nachverfolgen. Auf der Seite Tag des Tagebuchs in Deutschland – 12. Juni (Autor Sven Giese: aktualisiert 09. Juni 2026, 12. Juni 2012)“  finden sich ein paar kuriose Details, aber letztlich weiß ich auch heute nicht viel mehr als im Juni 2025, als ich den Beitrag „Zum Welttag des Tagebuchs am 12. Juni 2025“ schrieb.

Immerhin scheint der Blogbeitrag ja ein gewisses Leseinteresse geweckt zu haben, denn er zählte tatsächlich im Jahr 2025 zu einem der meistgelesenen Blogbeiträge in Paysages[1]! In diesem Jahr gab es bei SWR Kultur einen sehr interessanten Radiobeitrag zum Tagebuchschreiben – Wer bin ich eigentlich? Das Tagebuch – eine ganz persönliche Chronik. Manche schreiben in ein Heft, andere in eine der neuen Journaling-Apps. Tagebuchschreiben liegt im Trend. Ein Gespräch zum Tag des Tagebuchs am 12. Juni., den ich mit Interesse angehört habe. Darin ist auch ein Interview mit Marlen Kayen, Vereinsvorsitzende des Deutschen Tagebucharchivs in Emmendingen, enthalten. Für alle die sich für Lese  & Buchkultur interessieren, – und dazu gehört auch das „Tagebuch“ bestimmt ein informativer und hörenswerter Radiobeitrag!

Ich selbst schreibe ja schon seit Jahrzehnten ein eigenes handschriftliches Tagebuch. Eine Vielzahl von „Schreibkladden“ hat sich da inzwischen angesammelt. Und bald werde ich wieder eine neue „Kladde“ füllen, denn das Tagebuch, das ich kurz vor meiner totalen Prostatektomie am 24.06.2026 begann, ist schon fast wieder vollgeschrieben. Irgendwann sollen die Tagebücher an das Stadtarchiv Schramberg übergeben werden, jedenfalls habe ich diese dem Stadtarchiv Schramberg versprochen. Irgendwie scheine ich doch immerhin irgendwie an dieser Kleinstadt im Schwarzwald zu hängen – ja, in meinem letzten Blogbeitrag sind ja auch ein paar Zeilen zu Schramberg zu finden.

Wobei ich mich manchmal frage: Sollte sich irgendwann ein Wissenschaftler für eines meiner Tagebücher interessieren – wird er meine immer unleserlicher werdende Handschrift entziffern können? Ich habe mal aus Interesse den Tagebucheintrag meines 62. Geburtstags in zwei KIs eingegeben, aber das Ergebnis war ernüchternd. Sowohl Mistral le Chat, das jetzt Mistral Vibe heißt, als auch Transkribus lieferten ein quasi nicht interpretierbares Kauderwelsch ab. Nun, ich kann bisher meine eigene Handschrift immer noch lesen, deshalb werde ich KI-Hilfe für das „Nachlesen“ meiner eigenen Eintragungen kaum brauchen.

Ein Blog ist ja auch in gewisser Weise eine Form des Tagebuchs – ein öffentlich einsehbares Tagebuch. Wobei es sich meiner Kenntnis entzieht, ob das deutsche Tagebuchmuseum auch „Blogs“ sammelt. Der Blog „paysages“ wird ja immerhin in der Deutschen Nationalbibliothek archiviert. Immerhin führe ich diesen Blog, zusätzlich zum handschriftlichen Tagebuch, auch schon seit mehr als 17 Jahren[2]. Sonderbarerweise, ich kann es manchmal kaum glauben, wird der Blog „paysages“ immer noch gelesen. Nicht mehr so häufig, wie zur Zeiten als Paysages noch ein Abonnentenblog der französischen Tageszeitung le Monde war, aber gelesen wird der Blog immer noch. Im Monat Juni 2026 gab bis jetzt, also bis zum 20.06.2026, 17:00 Uhr,  2208 Seitenaufrufe von 821 Besuchern.

Abschließend noch eine Randbemerkung zum Tagebuchschreiben: Ich habe gerade das höchst interessante Buch „Wenn die Sonne“ von Florian Illies zu Ende gelesen. Ohne die veröffentlichten Tagebücher von Thomas Mann, Klaus Mann, René Schickele etc. – bzw. ohne die Lektüre des nicht veröffentlichten Tagebuchs von Golo Mann hätte Florian Illies nie so ein Buch schreiben können. Das Buch von Illies ist wirklich ein lesenswertes Buch, da wäre es doch wert, eine eigene, nur dem Buch gewidmete Lesenotiz für „paysages“ zu verfassen. Abgesehen davon, dass das Buch von Illies in Teilen auf Tagebücher als Quellen beruht, führen in der Erzählung Tagebücher durchaus ein literarisches Eigenleben.

Ich schreibe diese Zeilen während der wohl zweiten Hitzewelle dieses Jahres. Im französischen Sprachraum spricht man von „Canicule“ – und vor knapp einem Jahr verfasste ich einen Blogbeitrag namens Mittwoch, 02.07.2025: ‚Canicule‘ Grünstadt – Sausenheim, 16:00 Uhr, 38,1 Grad. Seitdem ist knapp ein Jahr vergangen – im Punkt „Hitzeprävention“ hat sich in Deutschland nicht viel getan, und der Klimawandel scheint sowohl in der deutschen Politik als auch in der Medienlandschaft kaum noch Relevanz zu haben! Was die derzeitige Hitzewelle betrifft, die mindestens noch bis Montag, den 22.06.2026, andauern soll, frage ich mich, ob an der Klimastation Grünstadt-Sausenheim wohl wieder ein Temperaturrekord eingestellt werden wird.

Bibliographie und Quellen:

Illies, Florian (2025): Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary. Frankfurt am Main, 2025, © 2025,  S. Fischer Verlag GmbH, 60596 Frankfurt am Main 2025 , ISBN 978-3-10-397192-7       

SWRKultur (2026): Wer bin ich eigentlich? Das Tagebuch – eine ganz persönliche Chronik. Manche schreiben in ein Heft, andere in eine der neuen Journaling-Apps. Tagebuch-Schreiben liegt im Trend. Ein Gespräch zum Tag des Tagebuchs am 12. Juni. SWRKultur 12.06.2026

Christophe Neff, Grünstadt 20.06.2026


[1] Vgl. « L’année 2025 sur le blog paysages – une rétrospective/eine Rückschau auf das Jahr 2025 im Paysagesblog ».

[2] Siehe u.a. « Paysages – seizième année d’existence sur la toile donc déjà six ans sur wordpress.com (billet trilingues français, allemand, anglais) »

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