Als Ergänzung zu meinem letzten Blogbeitrag Unwetter Grünstadt (10.6.2010-11.6.2010) : Mediale Wahrnehmung folgen nun hier meine persönlichen Eindrücke des Gewittersturmes der Grünstadt und Umgebung in der Nacht von Donnerstag 10.6.2010 auf Freitag 11.6.2010 heimsuchte. Das ganze Ereignis dauerte übrigens nicht einmal ganz 40 Minuten.
Donnerstag 10.6.2010 23:30
Sturmwind peitscht die trübe Nacht. Bäume knarren, Äste spritzen, Donnergrollen, – Blitze erhellen sich in den Nachthimmel auftürmenden dunkel drohenden Wolkenpakekte. Und plötzlich wie eine graue Wand, kommt der Regen und Hagel – und hämmert vom Sturm getrieben durch das Land. Die dunkle einstmals klare Nacht wird milchigweiß, der Kirchturm der Martinkirche verschwindet hinter einem Vorhang von Hagel, einer einzigen Regenwand. Lang geht das Schauspiel nicht, – höchstens 30 Minuten, – danach der Himmel wieder klar und still. Sturzbäche stürzen durch Straßen. Fast unheimlich still, – hier und da ein Wetterleuchten, Blaulichtkolonnen ziehen übers weite Land, bis die Feuerwehrsirene heult.
Freitag 11.6.2010 0H10
Die Stadt erwacht durch Sirenengeheul, – die Stadt das ist nun schwarzes Land aus Wasser, Schlamm und Wetterleuchtenschatten. Ein neuer Tag beginnt – Stadt und Land entdecken allmählich die Wunden die der Gewittersturm schlug. Für diejenigen die es vergessen haben sollten – die Unterhaardt, der Haardtrand war und bleibt ein Land der Starkregenereignisse – daran hat der Gewittersturm vom 10 auf den 11. Juni 2010 schmerzlich erinnert.
Der Gewittersturm war jedoch auch ein großes lyrisches Naturschauspiel, fast schon wie ein Gedicht von Ernst Stadler.
Der Ausbruch des Eyjafjallajökull hat uns ein einzigartiges Naturschauspiel geliefert, wie man es in Mitteleuropa wahrscheinlich schon seit über 30 Jahren nicht mehr gesehen hat – nämlich einen Himmel ohne Kondensstreifen. Die Aschewolke des Eyjafjallajökull die den Flugverkehr in Europa übers Wochenende 17/18.4. zum Erliegen brachte hat für einen strahlenden Himmel ohne Kondensstreifen und Fluglärm gesorgt. Ich muss hinzufügen, dass ich selbst auch leicht Opfer des Totalausfalles des europäischen Flugverkehrs hätte gewesen sein können. Ich bin froh mich zur Zeit nicht auf einer Dienstreise Richtung Süden zu befinden, denn dann würde ich auch zu den zigtausenden Flugreisenden gehören, die zur Zeit auf den allermeisten europäischen Flughäfen gestrandet sind, gehören. Trotzdem bleibt die Beobachtung richtig, dass der heutige Tag, in großen Teilen Mitteleuropas ein Tag ohne Kondensstreifen war. Das Hochdruckwetter lieferte uns hier in Grünstadt einen strahlenden Frühlingstag mit fast stahlblauem Himmel, – und die Aschewolke des Eyjafjallajökull sorgte dafür, dass kein Verkehrsflugzeug den Himmel mit Kondensstreifen durchkreuzte. Weiterhin fehlt der Fluglärm. Grünstadt liegt in der Anflugschneise zur Ramstein Airbase – und da macht sich das Fehlen des Fluglärmes schon sehr positiv bemerkbar.
Ich wohne nun seit 11 Jahren in Grünstadt, und heute war der erste Tag seit 11 Jahren ohne Fluglärm. Was die Kondensstreifen betrifft haben wir uns eigentlich schon an den Anblick des Himmels mit Kondensstreifen gewöhnt, dass wir uns kaum noch einen Himmel ohne Kondensstreifen vorstellen können.
Mir fiel dies erst vor ein paar Tagen auf als ich am 6.4.2010 ein paar Photos vom Sonnenaufgang über Grünstadt Dächern machte. Es war eigentlich unmöglich zu einem Photo ohne Kondensstreifen zu kommen. Selbst in der ersten Morgenröte waren die Kondensstreifen schon ein fester Bestandteil des frühmorgentlichen Landschaftsbildes zwischen Haardtrand und Odenwald. Am Wochenende vom 17 auf 18.4.2010 war der Himmel über Grünstadt ein lautloser, stiller, blauer und kondenstreifenloser Himmel – ein fast unbemerktes Jahrhundertereignis.
An der Unterhaardt und im Leiningerland waren die Schäden die der Orkan Xynthia am letzten Wochenende hinterließ doch relativ bescheiden. Natürlich sind, wie man heute in der Rheinpfalz lesen kann in den Wäldern zwischen Grünstadt, Altleiningen und Eisenberg ein paar Bäume umgefallen. Aber ansonsten hält sich der Schaden den der Orkan Xynthia hier im Umkreis von Grünstadt verursachte doch ziemlich in Grenzen. Was die umgefallenen Bäume betrifft wundere ich mich immer wie sehr Forstleute und Presse das „Umknicken“ bzw. den „Sturmwurf“ von an für sich gesunden und standortgerechten Bäumen bei Stürmen beklagen – und vor allem nicht nachvollziehen können. Eigentlich sollte doch bekannt sein, dass bei schweren Stürmen in nemoralen Wäldern immer ein paar Bäume, ja selbst hunderte von Bäumen sturmbedingt umfallen können. Aus dieser Tatsache hat sich der Forest Gap Theory entwickelt, die im französischen auch als „theorie des trouées ( sensu Schnitzler – Lenoble 2002)bzw. dynamique des trouées“ bekannt, im deutschen würde man wohl am die Forest Gap Theory wohl am ehesten mit „Wald- Lücken-Theorie“ bezeichnen. Es scheint wohl so zu sein als hätte in Deutschland Begriff wie „Wave-regeneration oder Forest Gap Theory“ es bisher kaum geschafft aus dem akademischen Elfenbeinturm heraus eine größere Öffentlichkeit zu erreichen. Das mag vielleicht zum einem am emotionalen aufgeladenen „Waldbild“ im deutschen Sprachraum liegen, – und vielleicht auch soweit es neuere Ergebnisse aus der Waldökosystemforschung betrifft – an der Anglifizierung des wissenschaftlichen Publikationsbetrieb, – welcher Förster, welcher Journalist hierzulande liest schon in Englisch verfasste Paper zur theoretischen Waldökologie (siehe hierzu auch meine Bemerkungen in III. Un blog sur les paysages: an English introduction ). Für Waldbesitzer und Forstbetrieb mögen die Folgen von Xynthia im Einzelfall tragisch & und vielleicht sogar Existenz bedrohend sein, der Wald als Ökosystem erholt sich jedoch relativ problemlos von den Sturmfolgen, sowie sich Wälder in der Regel auch von Waldbränden erholen. Soweit ich es von hier aus Überblicken kann, sind wir was durch Xynthia verursachten Sturmschäden in Deutschland betrifft doch noch relativ glimpflich davon gekommen.
In Frankreich sah es da schon ganz anders, wobei interessant ist das der Orkan Xynthia in der französischen Wikipedia als „Tempête Xynthia“ als Sturm Xynthia bezeichnet wird – obwohl der Sturm mit 53 Toten und 7 Schwerverletzten doch wesentlich folgenreicher als in Deutschland war. Am härtesten traf es die Gemeinden La Faute-sur-Mer und L’Aiguillon an der französischen Atlantikküste im Departement Vendée. In diesen beiden Gemeinden hat es allein fast 30 Tote gegeben. Dort hat der aufgewühlte Atlantik einen Deich durchbrochen und die dahinter liegenden Siedlungen geflutet – das Meer hat sich genommen – was ihm einstmals gehörte. Die meisten Opfer, oftmals Rentner sind vom Meereseinbruch im Schlafe überrascht worden und in ihren Häusern ertrunken. Der durch Xynthia verursachte Meereseinbruch des Atlantik an der Küste der Vendée hat eine erneute Diskussion über den Umgang mit Naturrisiken wie Überschwemmungen aber auch den Umgang mit der Natur an Meeresküsten in Frankreich ausgelöst. Ich schreibe „erneute Diskussion“ – denn eigentlich löst jede Überschwemmung mit Todesopfern wie z.B. in Nîmes am 3.10.1988 , in Vaison la Romaine am 22.9.1992, in Sommières am 8 und 9.9.2002 solche Diskussionen aus, sowie auch jeder größere Waldbrand ähnliche Diskussionen auslöst – ohne dass sich wirklich gravierendes im Umgang mit der „Natur“ bzw. „Natur & Umweltrisiken “ in Frankreich ändert – oftmals werden die Dinge nach ein paar Jahren wieder vergessen. Ähnliches könnte man bestimmt auch für die Situation Deutschland schreiben.
Die oben genannten Überschwemmungskatastrophen, die alle erhebliche Menschenleben kosteteten, sind inzwischen so vergessen, dass man diese nicht einmal in der französischen Wikipedia wiederfindet bzw. diesen Ereignissen ein eigner Artikel gewidmet wäre.
Was die Folgen von Xynthia betrifft, inbesondere die Ereignisse von la Faute sur Mer und l‘ Aiguillon, so wird in der französischen Öffentlichkeit vor allem die galoppierende „Urbanisation“ der französischen Küste als Hauptverantwortlicher für die Katastrophe thematisiert, der Klimawandel wird letztlich kaum thematisiert, – was ich persönlich auch für richtig halte – da solche Sturmbedingten Hochwasser an der Atlantikküste und an der Nordseeküste an für sich nicht so ungewöhnlich sind – nur treten diese so selten auf, dass das kollektive Gedächtnis diese Ereignisse relativ schnell wieder vergisst – wer erinnert sich denn noch an die Watersnood die im Februar 1953 über 1800 Menschenleben in den Niederlande forderte. In diesem Zusammenhang sei auch noch auf das Interview von Guy Brasseur in der heutigen Zeit „Im Treibhaus“ verwiesen, in welchem Brasseur dezidiert auf die Fragwürdigkeit des Zusammenhanges zwischen Extremwetterereignissen und globaler Klimaentwicklung hinweist.
Die immer mehr fortschreitende „Urbanisierung“ der französischen Meeresküsten wird in francophonen Geographie auch als Littoralisation bezeichnet und wird inzwischen auch für die Beschreibung von Urbanisations – und Suburbanisationsprozessen in andere Küstenräumen verwendet. Diese Begrifflichkeit wird jetzt auch schon in der anglophonen Geographie verwendet. Ich habe im Zusammenhang mit Littoralisationsprozessen im National Geographic ( Bourne & Turner, 2006) einmal einen schönen Satz gelesen „loving our coasts to death“ – der im Grunde genommen die Dramatik des Littoralisationsprozesse treffend beschreibt. Die Ökosystemaren Konsequenzen der den gesamten Planeten umfassenden Littoralisation zu managen wird einer der großen Herausforderung des „Global Changes“ werden – denn die Littoralisation ist ein wahrhaft globaler Prozess der viele Küstenabschnitte der Welt nachhaltigst formt, – teilweise regelrechte neuartige Landschaftsbilder schafft.
Um nochmals auf la Faute sur Mer und l‘ Aiguillon zurück zu kehren, – die franco-französischen Presse verwendet den Term im Gegensatz zu francophonen Geographie aber nur zur Beschreibung von Urbanisierungsprozessen am Mittelmeer, weshalb man den Begriff im Zusammenhang mit dem Meereseinbruch an der Küste der Vendée kaum in den Medien findet. Auf eine andere Begrifflichkeit die hier in Deutschland noch kaum bekannt ist, sei in diesem Zusammenhang auch verwiesen – die Californisation – ein aus der frankophonen Geographie stammender Begriff der das Eindringen von Wohnbesiedlung in Wald und Buschland beschreibt – was bei Waldbränden zu katastrophalen Folgen führen kann, denn im Grunde wird im zersiedelten Grün, das Eindämmen der Flammen zu einer fast unbeherrscharen Herausforderung für die Feuerwehren. Die Überlagerung von Californisationsprozessen und Littorlisationsprozessen in den mediterran Subtropen birgt wahrlich vielfältige Umweltrisiken, die auch schon ohne menschgemachten Klimawandel, wenn es denn mal brennt oder ein Deich bricht, nur schwerlich beherrschbar sind.
Abschliessend möchte ich mich noch Leucate und Port Leucate zuwenden, zwei Ortschaften an der französischen Mittelmeerküste welche ich nun fast 40 Jahre kenne. Der Küstenabschnitt zwischen der Halbinsel Leucate, dort wo sich der alte Siedlungkern des Dorfes Leucate befindet und Le Barcarès gilt als einer dynamischsten Küsten des Mittelmeerraumes, weshalb dieser Küstenabschnitt zu Beschreibung von mediterraner Küsten & Lagunendynamik im von Hofrichter herausgegeben Mittelmeerreader (Wilke 2001) ausgewählt wurde. Auf dem Lido, d.h. dem Tombolo der das Etang de Leucate zwischen Leucate Plage und le Barcarès vom offenenen Meer abtrennt wurden in den 60 Jahren die nouvelles station touristiques Port Leucate und Port Barcarès errichtet. Vorher war dieser Sand & Dünentombolo unbewohnt – u.a. deshalb weil es immer wieder im Winter zu sturmbedingten Meereseinbrüchen kam. Soweit ich mich an die Literaturrecherchen für diverse wissenschaftliche Publikationen ( u.a. Neff 2003 sowie Neff & Scheid 2005) richtig erinnere, gab es den letzten größeren Meereseinbruch in der Zwischenkriegszeit zwischen erstem und zweitem Weltkrieg.
Wenn das Meer bei starkem Marin richtig tobt, dann kann man die Brandung eigentlich in ganz Port Leucate deutlich vernehmen. Das hört sich wie das Heulen und Stöhnen der Schwarzwaldtannen bei schwerem Orkan an, so wie es Vinzenz Erath in größer als des Menschen Herz beschrieb. Im Ferienhauschen meiner Großmutter in der Feriensiedlung la Griffouliere in Port Leucate, Ferienhäuschen in dem ich als Kind und Jugendlicher unzählige Ferien verbrachte, lauschte ich oftmals bei geöffneten Fenster, der Meeresbrandung bei Marin, die obwohl sich das Haus fast zwei Kilometer vom Strand entfernt befand (und immer noch befindet)bei Marinwind noch deutlich zu hören war. Ich habe mir als ich noch Kind war oftmals überlegt, wie es denn wäre, wenn eines Nachts das Meer kommen würde. Was ich damals nicht wusste, – bevor Port Leucate auf dem Tombolo gebaut wurde und dieser noch la Corrège und Mas de l‘ile hieß, kam das Meer hin und wieder und setzte alles unter Wasser – so wie letzten Sonntag in la Faute sur Mer und l‘ Aiguillon. Nur war das Lido damals zwischen der Halbinsel Leucate und der Aglymündung unbewohnt. Ich denke, dass das Wasser, das Meer wieder kommen wird, eines Tages völlig unerwartet, weil man einfach vergessen hat, dass es einmal da war. Vielleicht täusche ich mich auch, und das Meer wird nie sich nie mehr über den Lido ergiessen, aber angesichts der jüngeren Landgeschichte dieses Küstenabschnittes erscheint es jedenfalls nicht unwahrscheinlich, daß es bei entsprechenden Unwetterereignissen wieder zu Meereseinbrüchen kommen könnte.
Es gibt auch keinen Deich in Port Leucate, jedenfalls ist mir bisher keiner sichtbar aufgefallen. Ich bin jedoch sicher, dass soweit man einen Deich zum Hochwasserschutz bauen wollte, dass viele der unmittelbaren Strandanlieger in Port Leucate alles in Bewegung setzten würden um solch einen Deich zu verhindern, denn solch ein Deich würde natürlich den freien Blick aufs Meer beeinträchtigen. Hingegen wurde vor kurzem zwischen dem Grau de Leucate und Leucate Plage ein Hochwasserdeich errichtet.
Es gibt noch ein ganz anderes Element was Port Leucate und la Faute sur Mer und l‘ Aiguillon verbindet. Die meisten Opfer in den Küstenstädtchen am Atlantik waren Rentner die einen schönen Lebensabend am Atlantik verbringen wollten. Meistens aus oberen Unterschicht und unteren und mittleren Mittelschicht (couches populaires ) , denen ein Häuschen am Mittelmeer zu teuer war. Viel hatten ihre ganzen Ersparnisse in ihr kleines Häuschen gesteckt. 27 von Ihnen haben die Nacht von 27 auf den 28 Februar 2010 nicht überlebt, – denn sie waren zu schwach und zu gebrechlich – um sich rechtzeitig vor dem einbrechenden Wasser in den rettenden zweiten Stock zu begeben, um das rettende Hausdach erklimmen zu können. In Port Leucate gibt es auch ein immer mehr wachsende Seniorenpopulation, – es gibt sogar eine kleine Anzahl von deutschsprachigen Rentnern wie ich im letzten Oktober als ich eine Messe in der neuen St. Jacques Kirche besuchte, feststellen konnte. An dem Tag, an dem das Meer kommen wird, und soweit es bis dahin keinen effektiven Hochwasserschutz gibt, wird es in Port Leucate die gleichen Bilder geben wie letzten Sonntag in la Faute sur Mer und l‘ Aiguillon in der Vendée.
Dieser kleine Blogbeitrag soll nicht anklagen, – sondern nur anregen über unser Verhältnis zu „Naturrisken“ nachzudenken. Im Allgemeinen haben wir die Tendenz diese Risiken mit der Zeit einfach zu vergessen. Aber dadurch, dass diese Risiken aus unserem kollektiven Gedächtnis verschwinden, werden die Risiken natürlich nicht kleiner. Ich will diesen Blogbeitrag mit einem kleinen Beispiel aus der Raumschaft Schramberg beenden. Im Mai 1959 wurden große Teile der Stadt Schramberg durch ein verheerendes Hochwasser vernichtet. Es war nicht das erste Hochwasser in Schramberg, und es war auch nicht das letzte Hochwasser – es war nur ein Ereignis in einer langen Zeitreihe – und man kann davon ausgehen, dass irgendwann der Tag kommt, an dem wieder ein solches Hochwasser in Schramberg auftreten wird.
Der Brezelsegen der Schramberger Fasnet geht übrigens wie ich im Buch „mit Kummer und mit Sorgen“ von Sven Kindler (2007) erfahren konnte auf die großseigneurale Armenspeisung durch die Grafen von Bissingen Nippenburg (Kindler 2007:16) nach Hochwasserereignissen und Missernten in der Raumschaft Schramberg zurück, – ich habe dem ganzen übrigens einen französischsprachigen Blogbeitrag unter Titel „Petite notice sur les origines du Schramberger Hansel“ gewidmet. Hier hat die Unwettererfahrung in der Raumschaft Schramberg im kollektiven Gedächtnis als Fasnetsbrauch überlebt. In diesem Zusammenhang, d.h. dem Vorkommen von historischen Hochwässern in Mitteleuropas gibt es übrigens in der aktuellen Geographischen Rundschau (3/2010) einen lesenswerten Aufsatz von Mathias Deutsch, Rüdiger Glaser und Karl Heinz Pörtge et al.
Hochwasser, Meereseinbrüche, Waldbrände wird es in Mittel und Südwesteuropa sowie im gesamten Mittelmeerraum immer geben, – und zwar völlig unabhängig davon ob sich das Klima nun erwärmt oder nicht. Die Frage ist nur wie man mit diesem Wissen umgeht – und ob man bereit ist Vorsorge zu treffen – auch wenn das letzte Schadenereignis scheinbar schon wieder in eine weite zeitliche Ferne gerückt ist. Und was den Klimawandel betrifft, sollten die Szenarien der Klimaforscher sich als richtig erweisen, wovon eigentlich auszugehen ist, dann wird das Management solcher „Naturrisiken“, bestimmt nicht einfacher, ganz im Gegenteil.
Deutsch, M., Glaser, R., Pörtge, K.H., Börngen, M., Drescher, A., Cresat, M., Riemann, D., Scönbein, J. (2010): Historische Hochwasserereignisse in Mitteleuropa. Quellenkunde, Interpretation und Auswertungen. In: Geographische Rundschau, 3/2010, 18- 24.
Deville, J. (2009) : L’incendie meurtrier – dans la forêt des Landes en août 1949. Paris (les Éditions des Pompiers de France), (ISBN 978-2-916079-20-2)
Die Rheinpfalz (4.3.2010): Wandern im Wald ist Lebensgefährlich – Grünstadt/Altleiningen: Orkan Xynthia wirft auch gesunde Bäume um – Waldlehrpfad besonders betroffen – Weg gesperrt. Die Rheinpfalz Nr. 53 – Unterhaardter Rundschau, Donnerstag 4 März 2010
Erath, V. (1951): Größer als des Menschen Herz. Das Buch vom wahren Leben. Tübingen (Rainer Wunderlich Verlag)
Kindler, Swen (2007) : „…mit Kummer und mit Sorgen…“ Junges Parlament – Kanalfahrt – Da-Bach-na-Fahrt. Norderstadt, (Books on Demand), ISBN 978-3-8334-7265-7
Neff, C. (2003): Les Corbières maritimes – forment-elles un étage de végétation méditerranéenne thermophile masqué par la pression humaine ? In: Fouache, E. (Ed.): The Mediterranean World Environment and History. IAG Working Group on Geo-archeology, Symposium Proceedings. Environmental Dynamics and History in Mediterranean Areas, Paris, Université de Paris – Sorbonne 24 – 26 avril 2002. Paris, 191 – 202, (Elsevier France, ISBN 2-84299-452-3).
Neff, C., Scheid, A. (2005): Der mediterrane Süden Frankreichs. Vegetationsdynamik und Kulturlandschaft im Languedoc- Roussillon. In: Geographische Rundschau, 57, H. 9, 38-44.
Schnitzler – Lenoble, Annik (2002): Écologie des forêts naturelles d‘ Europe. Biodiversité, sylvigenese, valeur patrimoniale des forets primaires. Paris, Lavoisier TEC & DOC, ISBN 2-7430-0541-6
Wilke, Michael (2001): Lagunäre Lebensräume. In Robert Hofrichter, R. (éd), Das Mittelmeer : Fauna, Flora, Ökologie. Tome I, Allgemeiner Teil, p. 326-347, Heidelberg, Éd. Spektrum akademischer Verlag, 2001, ISBN 3-8274-1050-9
Ich habe „Aus dem Leben eines Geographen„, – die Webseite bzw. das Blog von Frank Schüssler ins Blogroll aufgenommen. Ich bin auf die Seite gestoßen, als ich aus beruflichen Gründen ein paper über die Potentiale von Solarenergie in Nordafrika suchte. Hingegegen werde ich wahrscheinlich Hans555sowie den Aufregerirgendwann aus dem Blogroll nehmen. Beides Blogs aus der erweiterten Raumschaft Schramberg – aber leider gibt es bei beiden recht wenig zu lesen – sprich da tut sich nicht viel. Hans555 ist hingegen als Wikipediaautor sowohl auf der deutschsprachigen, englischsprachigen Wikipedia, ja selbst der französischsprachigen Wikipedia sehr aktiv. In der französischen Wikipedia hat er beispielswiese einen bemerkenswerten Artikel über die deutsch-französische Dichterin „Emma Guntz“ verfasst. Hans555 hat einige lesenswerte Artikel zu Schramberg und Umgebung in der Wikipedia begründet, verfasst, ergänzt und verbessert und damit auch dazu beigetragen, dass die Artikelqualität bezüglich „Schramberg Artikel“ in der Wikipedia vergleichsweise gut ist, – was bei Wikipedia nicht immer der Fall ist. Der Grünstadtartikelist beispielsweise im Vergleich zum Schrambergartikel doch sehr bescheiden in der Qualität. Nur tut sich leider nicht viel im Blog von Hans555, da wünschte man sich doch etwas mehr Lesefutter. Ähnliches gilt auch für den Aufreger. Hingegen gibt es bei in der Bücherrepublik – der république des livres – von Pierre Assouline immer was zu lesen. Allein die Kommentare zu diversen Postings sind „Bücherfüllend„. Im Posting „Foin de notre devoir de réserve !“ wo es um die in Berlin lebende Goncourt Preisträgerin Marie NDiaye die durch den UMP Abgeordneten Éric Raoult heftig angegriffen wurde ging, finden sich aktuell 426 Kommentare (16.11.2009 ca. 19:00) – die Diskussion um Marie NDiaye hat sich übrigens in Frankreich längst zu einer veritablen „Staatsaffäre “ ausgeweitet. Im kleinen Posting „Marchons sur la tête !„, welches auf die Verdrängung der kleine Buchhändler in Frankreich durch Amazon aufmerksam macht, finden sich auch schon 193 Kommentare (16.11.2009 ca. 19:00). Versehen mit guten Französischkenntnissen, einem ausreichenden Zeitbudget soweit man die Kommentare mitliest, erlauben einem die Postings & Diskussionen in der Bücherrepublik einen tiefen Einblick in die literarischen Landschaften Frankreichs. Verabschieden wir uns von den literarischen Landschaften in der Bücherrepublik, wobei ich mir noch erlaube auf die Besprechung von Jean-Paul Kauffmann „Courlande“ – durch Assouline im Posting „Kauffmann se construit des châteaux en Courlande“ aufmerksam zu machen. Das Kurland, die kurische Nehrung, das kurische Haff – das waren ja auch mal Landschaften deutscher Literaturen – die dank Günther Grass und Siegfried Lenz nicht ganz vergessen sind, aber deren Geographieen man längst im Unterbewußtsein verloren hat. Vielleicht sollte man deshalb die „Courlande“ von Kauffmann auch mal zur Hand nehmen. Wer weiß, vielleicht wird das Buch auch mal ins Deutsche übersetzt werden. Kommen wir von den literarischen Landschaften wieder zu „Aus dem Leben eines Geographen“ zurück – ein wahrlicher Eichendorffscher Titel für einen Geographieblog. Ich weiß zwar nicht inwiefern Joseph von Eichendorff bei der Titelfindung für Frank Schüsslers Blog Pate stand, – aber unabhängig davon ist das Blog lesens & bemerkenswert. Bemerkenswert auch deshalb weil sich das Blog mit Fragen der „Geographischen Energieforschung“ befasst, die Energieforschung die ich für eine der zentralen Zukunftsfragen halte. Die „Energiefrage“ wird nicht nur die Geographie immer mehr beschäftigen, – die Energiediskussion wird m.E. vielleicht mittelfristig zu einer der zentralen Zukunftsfragen unserer modernen Industriegesellschaft werden. Ohne die Ressource Energie kann eine moderne Industriegesellschaft überhaupt nicht leben. In diesem Sinn lohnt es sich da bestimmt hin und wieder beim Blog „aus dem Leben eines Geographen “ hineinzuschauen.
Über das Grünstadter Känguru habe ich ja schon mehrfach berichtet. Lange Zeit hatte man von dem Rotnackenwallaby welches durch Leiningerland und Unterhaardt hüpft nichts mehr gehört. Jetzt ist es wieder da – gestern berichtete die Unterhaardter Rundschau unter dem Titel „Känguru weiter auf Tour de Pfalz – Beuteltier bei Maxdorf beinahe überfahren – Jetzt wieder verschwunden“ darüber. Aber wenn man den kleinen Artikel dann genau liest erfährt man, dass der Vorfall schon am 24. August geschah, – und das Känguru seitdem verschwunden ist. Die Nachricht brauchte also fast geschlagene zwei Monate bis diese bei der Rheinpfalz respektive der Unterhaardter Rundschau ankam. Ansonsten steht in dem Artikel nicht viel Neues drin. Der Landauer Zooinspektor Gregor Müller wird mit der Aussage zitiert, dass das Känguru auch bei uns problemlos einen Winter überstehen könnte. Das ist an für sich auch keine neue Information – ähnliches konnte man schon in vorangegangene Beiträgen der Rheinpfalz zum Thema lesen. Warum fragt man sich versucht die Rheinpfalz nicht mal was über die Rotnackenwallabypopulation in der Forêt de Rambouillet zu schreiben (Ich berichtete hier darüber). Vermutlich weil man in der deutschsprachigen Wikipedia nichts darüber findet. Da müsste man dann doch etwas recherchieren und ggf. auch noch etwas französisch lesen können!? Belassen wir es mal dabei. Mir ist das Känguru von Grünstadt persönlich noch nicht begegnet, aber ich verfolge durchaus mit Interesse die mediale Spur die das Känguru von Grünstadt in der regionalen und überregionalen Presselandschaft hinterlässt. Ansonsten gibt es kaum was Neues aus dem Leiningerland. In übrigen Deutschland auch nicht. Wir werden eine neue Regierung bekommen – dazu beschert uns der Spiegel (44/2009) eine durchaus lesenswerte Titelstory „Weiterwursteln im Merkelland„. Das Essay von Dirk Kurbjuweit „Sieg der Ängstlichkeit – «Mehr Demokratie Wagen » – was ist von diesem Satz geblieben ?“ im gleichen Spiegelheft ist nicht nur ein lesenswertes, sondern in meinen Augen ein durchaus gelungenes politisches Essay zur aktuellen politischen Befindlichkeit der Nation. Mal schauen wie lange wir warten müssen bis wir die Spiegel Titelstory des Heft 44/2009 und Dirk Kurbjuweit Essay auf Spiegelonline in digitaler Version erscheinen. Man wird sich natürlich fragen, was die große Politik mit dem Grünstadter Känguru zu tun haben. Kurbjuweit schreibt :„ «Wir wollen mehr Demokratie wagen» wäre heute kein Satz mehr, der diese Gesellschaft erreichen kann. Viele würden gar nicht mitbekommen, dass er gesagt wurde, anderen wäre es egal, und die meisten würden dem Politiker, der den Satz sagt, nicht glauben, dass er ihn ernst meint.“ Kurbjuweit hat recht, die Botschaft würde wahrscheinlich gar nicht ankommen, – während des letzten Bundestagswahlkampes hatte man hier im Leinigerland zeitweise das Gefühl – dass das „Grünstadter Känguru“ durchaus wichtiger als der Bundestagswahlkampf war – siehe auch mein Posting „Unterhaardter Randbemerkungen zur Bundestagswahl 2009 (1; 30.8.2009): – ist der Wahlkampf wirklich langweilig?“ . Zu guter stelle ich mir noch die Frage weshalb das „Grünstadter Känguru “ bisher noch keinen Artikel in Wikipedia.de hat! Es wäre eigentlich an der Zeit!
Quellen:
Der Spiegel (2009) : Weiterwursteln im Merkelland. In : Der Spiegel, 44/2009, 24 – 38.
Die Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau, Montag 26 Oktober 2009: Känguru weiter auf Tour de Pfalz. Beuteltier bei Maxdorf beinahe überfahren – jetzt wieder verschwunden.
Kurbjuweit, D. (2009): „Sieg der Ängstlichkeit – «Mehr Demokratie Wagen » – was ist von diesem Satz geblieben ?“ In: Der Spiegel, 44/2009, 54- 56.
„Das Fach Geographie an der Mannheimer Hochschule 1907 bis 2006 – Eine Dokumentation von Christoph Jentsch“ so heißt ein kleines Büchlein welches von Christoph Jentsch, emeritierter Ordinarius für Anthropogeographie der Universität Mannheim, verfasst wurde. Die Schrift wurde am Freitag den 9.10.2009 im Gasthaus am Fluss „Rheinterrassen“ in Mannheim in einer kleinen Gedenk und Feierstunde der Fachöffentlichkeit übergeben. Zahlreiche „Ehemalige“ des Geographischen Institut der Universität Mannheim, seien es nun – ehemalige Lehrende, Forschende, Studierende, Verwaltungspersonal etc. waren anwesend – als Christoph Jentsch das Buch mit einer kleinen Rede der „Fachöffentlichkeit“ präsentierte. Bei der kleinen Feier, wurde vor allem der an der Universität „erloschenen Geographie“ als eigenständiges Fach, gedacht. Weiterhin wurde auch nochmals die Lebensleistung der inzwischen verstorbenen Emerita Gudrun Höhl, die immerhin einer der ersten Ordinaria der Universität Mannheim und der jungen Bundesrepublik war, gedacht. Sie war eine außerordentlich starke Persönlichkeit und hat entsprechend nachhaltig das Fach Geographie an der Universität Mannheim geprägt.
Ich habe das Buch bisher aus Zeitgründen noch nicht im Detail gelesen, – nur durchgeblättert, – ich wollte auch nur mit diesem Blogeintrag, auf dieses aus meiner Sicht wichtige und gelungene Buch hinweisen. Beim ersten Durchblättern fiel mir auf, dass es Christoph Jentsch gelungen ist, eine doch sehr umfassende historische Dokumentation von fast 100 Jahren Geographie in Mannheim, zu schreiben. Nur das Publikationsverzeichnis meines akademischen Lehrers Peter Frankenberg ist etwas mager ausgefallen, aber da muss ich ein „Mea culpa“ eingestehen. Ich habe trotz mehrfacher Anfragen von Herrn Jentsch nicht reagiert, als dieser mich um die Ergänzung der „Frankenbergschen Publikationen“ bat, aber ich war zu Anfangs meiner Karlsruher Zeit auf meiner neuen Stelle als akademischer Rat, so sehr vom „Tagesgeschäft“ überwältigt, dass ich nicht dazu kam, Herrn Jentsch zu antworten. Ansonsten aber ist das Buch eine sehr detaillierte Dokumentation der fast hundertjährigen Geschichte des Faches Geographie in Mannheim. Eine ausführliche Besprechung des Buches wird in diesem Blog bestimmt irgendwann folgen. Herausheben möchte ich vorab schon das immerhin mit 2 Seiten (Seiten 62-63) gewürdigte „Schwarzwaldprojekt“, – ein interdisziplinäres von beiden Lehrstühlen (Jentsch/Frankenberg) getragenes „landschaftsökologisches Forschungsprojekt“ , welches den Einsatz von kontrollierten Feuern zur Erhaltung von Besenginsterweidfeldern beinhaltet, – und welches mir erlaubte mich sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene als anerkannter Feuerökologe zu etablieren, – und mir wohl damit auch den Weg auf eine Dauerstelle an der Universität Karlsruhe öffnete, denn dort gehört die Feuerökologische Forschung ja zu einer meiner primären Dienstaufgaben. Die Ergebnisse des Schwarzwaldprojektes wurden übrigens in einem Heft der Mannheimer Materialien (Scheid et al. 2004) veröffentlicht. Das sogenannte Schwarzwaldprojekt, welches mit richtigem Titel übrigens „Ökologische und ökonomische Bewertung von Flächenextensivierungen im mittleren Schwarzwald „ hieß, war und ist, immer noch einer der wenigen landschaftsökologisch-geographischen Forschungsprojekte, welches sich mit dem „Kulturlandschaftswandel“ im mittleren Schwarzwald und der Raumschaft Schramberg befasst. Davor war nicht viel, und seither ist meines Wissens auch kaum in diesem Bereich geforscht worden. Neuere Publikationen sind mir jedenfalls dazu nicht bekannt.
Meinen Bloghinweis auf die von Christoph Jentsch verfasste „Mannheimer Geographie Geschichte“ möchte ich mit dem Hinweis auf das vom Verfasser geschriebene Vorwort beschließen. Wir lesen da:“Als im Sommersemester 2002 die Empfehlung der Hochschulstrukturkommission von Baden – Württemberg , das Fach Geographie an der Universität Mannheim zu schließen, entstand der Gedanke, das damals schon fast 100 Jahre dauernde Wirken der Fachvertreter für Geographie, der Lehrenden und der Studierenden, in einer Dokumentation festzuhalten, um Forschung und Lehre von mehreren Hochschullehrergenerationen nicht unreflektiert in Vergessenheit geraten zu lassen“. (Jentsch 2009). Ich denke, dass Christoph Jentsch dieses selbstgesteckte Ziel, voll erreicht hat. Auch wenn ich das Buch bisher nur mehr oder weniger intensiv durchgeblättert habe, – glaube ich, dass diese Dokumentation der Fachgeschichte der Geographie an der „Mannheimer Hochschule“ – und ich glaube, dass Jentsch den Titel durchaus programmatisch gewählt hat, eine wichtiges und lesenswerte Buch ist – zumindest für diejenigen die sich auch mit Fachgeschichte und Universitätsgeschichte befassen.
Programmatisch ist der von Jentsch gewählte Titel „Das Fach Geographie an der Mannheimer Hochschule“ insofern, als man sich schon fragen kann, inwiefern die heutige Universität Mannheim überhaupt noch dem Ruf einer „Volluniversität“ gerecht wird? Man sollte sich ja auch in Erinnerung rufen, dass die Geographie, wie viele andere kleine Fächer auch, wie z.B. das Portugiesisch oder auch die Altphilologie, geopfert wurde, um die freiwerdenden Ressourcen (sprich Haushaltsmittel) für eine verstärkte Profilbildung der Fächer BWL/VWL zu nutzen. Wie der Zufall so will, habe ich als regelmäßiger Leser der Bücherrepublik von Pierre Assouline, heute dort folgenden Artikel „Les prix d’excellence de la planète universitaire“ (= der Exzellenzpreis des Planeten Universität) entdeckt. Auch wenn ich von solchen Rankings nicht viel halte, und es auch klar zu sein scheint, dass man unter „Arts and Humanities“ für die Universität Mannheim erst gar nicht zu suchen braucht, unter „Top 200 world universities“ ja wohl auch nicht, aber warum findet man denn die Universität Mannheim nicht unter „Social Science“ , fragt man sich da ! Da hat man „erfolgreich“ die kleinen Fächer platt gemacht, die Profilbildung vorangetrieben, – aber den Sprung zur sogenannten Elite schafft man dann doch nicht. Bemerkenswert ist bei der Statistik „Social Science“ der Times Higher Education , dass die einzige deutsche Universität die dort brilliert, ausgerechnet eine Volluniversität ist, nämlich die FU Berlin. Soweit genügend Französischkenntnisse vorhanden sind, kann ich jedem Leser übrigens nur empfehlen, die Komentare zur „Les prix d’excellence de la planète universitaire“ zu lesen, dort ist eine interessante Diskussion im Gange, die es sich auf jeden Fall zu lesen lohnt, soweit man sich für die Fortentwicklung des „universitären Geistes“ interessiert.
Abschließend Sie noch eine Frage erlaubt? Weshalb konnte diese gute und wichtige Dokumentation nicht in den Mannheimer Geographischen Arbeiten erscheinen? Wie ich auf der Homepage dem in Mannheim verbliebenen Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie sehen konnte existieren die Mannheimer Geographischen Arbeiten ja noch. Der letzte dort gedruckte Band hatte den Titel „Stechmückenkontrolle am Oberrhein“, das war die Dissertationschrift von Hans von Hirsch, die 2005 erschien. Warum war es nicht möglich, die Dokumentation zur Fachgeschichte der Geographie in Mannheim, in den Mannheimer Geographischen Arbeiten erscheinen zu lassen. Dort hätte Sie hingehört, und deshalb erlaube ich mir auch die bohrende Frage!!!
Ich möchte es nochmals abschließend zusammenfassen – die von Christoph Jentsch verfasste Geschichte des Faches Geographie an der „Mannheimer Hochschule“ ist ein lesens – und empfehlenswertes Buch für alle die für die Disziplingeschichte des Faches Geographie interessieren. Darüber hinaus ist das Buch für alle die jemals mit dem Geographischen Institut der Universität Mannheim in Berührung kamen -, sei es als Studierende, Lehrende, Forschende, Arbeitende, – ein Stück persönlicher Zeitgeschichte, – die durch das Werk von Christoph Jentsch als gedruckte Erinnerung dem Vergessen entgegenwirkt.
In diesem Sinne möchte ich hier auch ganz öffentlich auf meinem Paysages – Blog Herrn Professor Jentsch für seine Mühen, für sein sehr gelungenes Werk danken.
Nein Herr Professor Jentsch „die Mannheimer Geographie, das Wirken der geographischen Hochschullehrer in Mannheim wird nicht unreflektiert in Vergessenheit geraten“ – dazu haben Sie auch wesentlich mit ihrer Dokumentation beigetragen.
Danke schön, Merci beaucoup!
Christophe Neff
Zitierte Literatur:
Jentsch, C. (2009): Das Fach Geographie an der Mannheimer Hochschule 1907 bis 2006. Eine Dokumentation von Christoph Jentsch. Selbstverlag Frankenthal.
Scheid, A., Neff, C., Jentsch, C., (2004) (Eds): Flächenextensivierung im Mittleren Schwarzwald. Ergebnisse und Diskussion der in der Raumschaft Schramberg durchgeführten geographischen und landschafts – feuerökologischen Untersuchungen. Materialien zur Geographie, B. 34, Mannheim. (ISBN 3-923750-92-7).
Von Hirsch, Hans (2005): Stechmückenkontrolle am Oberrhein – eine kosten – und nutzenanalytische Bewertung unter Berücksichtigung regionalökonomischer Auswirkungen – 225 S., 7 Abb., 30 Tab., Anhang. ISBN 3-923750-96-X.
Das Grünstadter Känguru wurde nun auch in Gerolsheim gesichtet. Die heutige Unterhaardter-Rundschau widmete dem Event ein ganzes Drittel der Grünstadter Lokalseiten – der Titel heißt „ Känguru ruht sich im Weinberg aus – Gerolsheim – exotischer Ausreißer ist ein „Bennet“ – Tiere werden häufig auch privat gezüchtet„. Der Artikel beinhaltet sogar ein Bild. Da die Rheinpfalz sehr zögerlich Artikel ins WWW stellt, Beiträge aus regional und lokal Ausgaben finden eigentlich auch nie den Weg ins WWW, verweise ich hiermit auf den Artikel „Einsames Beuteltier in der Pfalz “ aus der Wormser Zeitung, Beitrag der das Photo des in Gerolsheimer photographierten „Grünstadter Känguru“ von Klaus Bolte beinhaltet. Anhand der in Gerolsheim gemachten Photos, waren laut Rheinpfalz Experten der Zoos in Landau und Kaiserlautern in der Lage – das Grünstadter Känguru als Bennet-Känguru – d.h. Rotnackenwallaby (Macropus rufogriseus) zu identifizieren. Auch wenn mir das Grünstadter Känguru bisher noch nicht persönlich begegnet ist, darf man anhand der zahlreichen Indizien wohl annehmen, dass das Grünstadter Känguru, keine „Sommerente“ ist, sondern tatsächlich existent ist. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß der in meinem letzten deutschsprachigen Posting „Die Depeschen von der großen Birke und das Känguru von Grünstadt „ erwähnte Piranha von Colmar es jetzt auch in die deutschen Medien geschafft hat – in der Rheinpfalz N. 192 vom Donnerstag den 20 August 2009 gibt es eine Meldung unter Zeitgeschehen mit dem Titel „Piranha in Rhein-Zufluss im Elsass gefangen„.
Abgesehen davon, dass das Grünstadter Känguru, das Sommerloch für die Medien füllt – habe ich auch ein gewisses berufliches Interesse an solchen Dingen, – da „Exoten“ – d.h vor allem Neophyten neben Waldbränden und Feuerökologie zu meinen wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkten zählen. Mit Neozoen habe ich mich bisher nur einmal während meiner Mannheimer Zeit beschäftigt, nämlich mit der großen Halsbandsittichpopulation in Mannheim (Neff 1998), ansonsten sind es vor allem Neophyten die im Focus meines beruflichen Interesse stehen. Halsbandsittiche kann man inzwischen auch rund um Bobenheim-Roxheim beobachten. Was Neophyten betrifft ist die Unterhaardt und Leinigerland durchaus ein interessantes Untersuchungsgebiet – so darf man die drüsenblättrige Kugeldistel (Echinops sphaerocephalus) hier schon als eingebürgert bezeichnen – man findet diese sogar schon auf dem Grünstadter Berg. Angesichts der Dichte der „Hanfpalmen“ (Trachycarpus fortunei) in den Gärten zwischen Bad Dürkheim und Grünstadt würde es mich nicht wundern, wenn man irgendwann auch hier die chinesische Hanfpalme als Gartenflüchtling entdecken würde. Wobei ich das dann nicht als Klimasignal bewerten würde, – das habe ich u.a auch schon in einer Publikation zu Neophyten in der elsässischen Oberrheinaue (Neff 2007) geschrieben – die chinesische Hanfpalme kann man durchaus als Palme mit submediterrane Klimaansprüchen bezeichnen – Palme die eigentlich hervorragend an die Klimabedingungen an der Weinstraße zwischen Bad Dürkheim und Grünstadt angepasst ist. In diesem Zusammenhang, sei für alle Palmenlieber an der Weinstraße das Buch „Winterharte Plamen“ von Mario Stähler und Tobias W. Spanner empfohlen. Es gibt meines Erachtens zur Zeit kein besseres deutschsprachiges Buch zur Thematik.
Eigentlich wollte ich nur ein paar kurze Sätze zum Grünstadter Känguru schreiben. Jetzt ist das ganze doch etwas länger geworden. Neozoen und Neophyten sind jedoch ein wichtiges Thema, mit dem wir uns völlig unabhängig von Sommerlöchern, Presseberichterstattung etc. auseinander setzten sollten. Es ist aber auch ein spannendes Thema – und erlaubt auch Fragen zu stellen – wie lange wird es beispielsweise brauchen bis die asiatische Hornisse, die sich zur Zeit in Westfrankreich ausbreitet bei uns in Deutschland ankommt. Um nochmal abschließend auf das „Grünstadter Känguru“ zurückzukommen – soweit man Wikipedia.de glauben darf gibt es eine Rotnackenwallaby in England, und hat es auch Auswilderungsversuche in Österreich gegeben. Der deutschsprachige Wikipediaartikel über die Rotnackenwallaby scheint auf jedenfall eher zweifelhafter Qualität zu sein, – es fehlen Referenzen und wichtige Querverweise. In Frankreich – in der Forêt de Rambouillet – gibt es eine kleine Bennet-Wallaby Population – die einzige europäische Wallaby Population von der man relativ sicher annimmt, dass diese sich in Situ autochton reproduziert. Aber davon, weiß der deutschsprachige Wikipedia-Artikel über die Rotnackenwallaby ’s bis dato nichts ! Wenn ich die Rheinpfalz lese, habe ich immer das Gefühl, daß man nichts wichtigeres zu tun hat, als zu versuchen das Tier irgendwie einzufangen, zu betäuben, abzuschießen – eben möglichst schnell aus der Landschafts zu schaffen. Wieso läßt man das Tier eigentlich nicht in Ruhe. Wen stört das Tier.
Aus einem Tier kann natürlich keine eigenständige Population entstehen, – aber was wäre den an einer eigenständigen „Wildpopulation“ von Känguru’s im Leininger Land , so wie in Frankreich in der Forêt de Rambouillet, denn so schlimm ? Wen stört es wirklich ?
Kaum hat man den Gedanken zuende gedacht und aufgeschrieben – da höre ich schon die aufrechten Schützer des deutschen Waldes, der deutschen Landschaft, schreien und toben „Faunenverfälschung“, Verschandlung des Landschaftsbildes, etc.. Die Grünstadter Wallaby‘s dürften eigentlich genauso wenig jemanden stören wie die Wallabypopulation in der Forêt de Rambouillet ! Das ist jedenfalls meine Meinung.
Zitierte Quellen:
Die Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau (21.8.2009): Känguru ruht sich in Weinberg aus. Gerolsheim: Exotischer Ausreißer ist ein „Bennet“ – Tiere werden häufig auch privat gezüchtet.
Neff, C. (1998): Neophyten in Mannheim – Beobachtungen zu vegetationsdynamischen Prozessen in einer Stadtlandschaft. In: Anhuf, D., Jentsch, C. (Eds.): Beiträge zur Landeskunde Südwestdeutschlands und angewandten Geographie. Mannheimer Geographische Arbeiten, H. 46, 65-110, Mannheim. (ISBN 3-923750-72-2)
Neff, C. (2007) : Naturkundliche Beobachtungen in Munchhausen (Frankreich) Sauerdelta und Laurophyllisation in Munchhausen.. In: VOGT, J., D. BURGER, T.K. BUTTSCHARDT, A. MEGERLE (Eds): Karlsruhe, Stadt und Region. Ein Landeskundlicher Führer zu bekannten und unbekannten Exkursionszielen. Karlsruhe, Regionalwissenschaftlicher Fachverlag, p. 201 – 215, ISBN 978-3-9811189-2-6
Stähler, M., Spanner, T.W. ( 2007 ): Winterharte Palmen – in Mitteleuropas erfolgreich auspflanzen, pflegen und überwintern. Berlin, Medemia Verlag, ISBN 978-3-940033-01-7.
Es ist schon erstaunlich wie lange im Zeitalter von Twitter und Internet Nachrichten brauchen um von West nach Ost über den Rhein zugelangen – um dann auch bei uns in Deutschland wahrgenommen zu werden. Loubna Ahmed al-Hussein der ich unter Titel „Madame Courage: Loubna Ahmed al-Hussein “ am 30.7 ein deutschsprachiges Billet widmete brauchte nach meiner Wahrnehmung über eine Woche um in die deutschen Medien zu gelangen. Am Samstag den 8.8 konnte man in der Rheinpfalz auf Seite drei einen Beitrag mit dem Titel „Peitschenhiebe für Hosen tragende Frauen – Eine sudanesische Journalistin wehrt sich“ über die Sudanesin die dem Regime von Umar Hasan Ahmad al-Baschir Omar trotzt lesen. In der frankophonen Presse rund um den Globus war das Thema fast den ganzen Juli ein Dauerbrenner.
Gleiches gilt für Clotilde Reiss , auch wenn es weniger die frankophone Presse, als die französische Presse war, die sich der Affäre um die junge Doktorandin der Bildungsgeographie und Französischlektorin der Universität Isphan widmete. Die „Affäre Clotilde Reiss“ die schon Anfang Juli die französischen Medien beherrschte fand erst heute Eingang in die mediale Wirklichkeit der Bundesrepublik Deutschland. Der Plapperstorch hat das schön mit dem Titel „Medien entdecken Clotilde “ beschrieben. Das war gestern, Sonntag den 9 August 2009. Gestern habe ich auch meinen französischen Artikel mit dem Titel „les images qui se ressemblent “ – die Bilder die sich ähneln – über Clotilde Reiss verfasst. Ich habe dort die Bilder die uns aus dem iranischen Revolutionsgericht erreichten mit denen aus dem Volksgerichtshof verglichen. Heute war in der französischen Presse vor allem von stalinistischen Schauprozessen die Rede, – wie Beispielsweise der Geograph & Iranspezialist & Herausgeber des Atlas de l‘ IranBernard Hourcade in einem Interview in Le Monde.fr „“Clotilde Reiss n’est pas une espionne, ne cédons pas à la paranoïa “ sagte. Die deutschen Leitmedien haben fast einen Monat gebraucht um Clotilde Reiss zu entdecken, – immerhin gibt es ja seit gestern auch schon einen deutschsprachigen Wikipediaartikel über Clotilde Reiss . Aber angesichts der Löschwut in der deutschsprachigen Wikipedia kann man ja gespannt sein, wann dort der erste Löschantrag gestellt wird, – und ob der Artikel überlebt. Abgesehen von den Postings beim Plapperstorch war Clotilde Reiss in der medialen Wirklichkeit Deutschland bis heute weitgehend unbekannt. Aber wie ich schon im bei Madame Courage schrieb, – die Dienstwagenaffäre von Ulla Schmidt war bei uns in Deutschland einfach wichtiger. Der Rhein scheint, trotz Twitter und Internet eine tiefgreidender kulturgeographische bzw. mediengeographische Trennungslinie zwischen Frankreich und Deutschland dazustellen, die doch weit tiefer zu sein scheint als allgemein dargestellt. So stellt sich das jedenfalls in meiner Wahrnehmung dar, – zumindest lassen dass die aufgeführten Beispiele Loubna Ahmed al-Hussein und Clotilde Reiss vermuten.
Abschließend noch – wer Clotilde Reiss unterstützen möchte – unter dem Titel „Soutien à Clotilde Reiss “ gibt es einen französischsprachigen Unterstützungsblog. Unter „Signons la pétition pour libérer Clotilde Reiss “ gibt es eine online-Petition zur Freilassung von Clotilde Reiss. Ich selbst habe die Onlinepetition als Nummer 4391 am 9.8.2009 unterschrieben.
Wer den Grünstadter Berg aus naturkundlicher Sicht betrachtet, der wird an dem Namen Oskar Sommer nicht vorbeikommen – so sehr ist der Name Oskar Sommer mit dem Hausberg Grünstadts verbunden. So fand sich im letzten Pollichia – Kurier 25 (3) – 2009 auf den Seiten 11-12 unter dem Titel „Herbarium Oskar Sommer“ (Lang 2009) ein Artikel über das Herbarium von Oskar Sommer, welches in den Bestand der Pollichia überging, und dessen Herbarium u.a natürlich auch Belegexemplare vom Grünstadter Berg enthielt, wie z.b. der bewimperte Enzian (Gentianella ciliata ) von der Enzianwiese auf dem Grünstadter Berg. Die Flora des Grünstadter Berg hat Oskar Sommer auch verschiedentlich in seinem Schrifttum vorgestellt, so u.a. in den Bücher „Rätselhafte Pflanzenwelt“ (Sommer 1974) und „Wanderungen durch blühende Naturschutzgebiete“ (Sommer 1981). Meines Erachtens hätte der „Erforscher“ des Grünstadter Berges durchaus seinen Platz in der deutschsprachigen Wikipedia, – aber ich scheue mich da vor der Erstellung eines Beitrages, – weil ich befürchte – dass ein Artikel über Oskar Sommer fast unweigerlich in der Löschdiskussion landet. Die Relevanz einer Person aus vordigitaler Zeit, über die es darüberhinaus zumindest keine digitalen „Zeugnisse“ gibt, für die deutschsprachige Wikipedia nachzuweisen – das ist schon sehr schwierig. Nicht unmöglich aber Schwierig. Da mach ich mich dann doch lieber an einen Beitrag über die Raumschaft Schramberg – geographische Begrifflichkeit aus dem Schwarzwald – die auch noch in Wikipedia.de fehlt – deren Relevanz aber deutlich einfacher nachzuweisen ist als die von Oskar Sommer.
Durch die Übergabe des Herbariums Sommer an die Pollichia ist zumindest ein Teil des naturkundlichen Erbes von Oskar Sommer für die Nachwelt erhalten – und können so ggf. auch für weiterführende Forschungen auf dem Grünstadter Berg bzw. in anderen Landschaftsteilen des Leiningerland zur Verfügung stehen.
Zitierte Literatur:
Lang, W. (2009): Herbarium Oskar Sommer. In: Pollichia – Kurier -25(3)- 2009, S. 11-12.
Sommer, O. (1974) : “Rätselhafte Pflanzenwelt – von Pflanzen der Pfälzer Landschaft und ihren Geheimnissen.“ Verlag Emil Sommer, Grünstadt 1974
Sommer, O. (1981): “Wanderungen durch blühende Naturschutzgebiete.“ Verlag Emil Sommer Grünstadt 1981, ISBN 3-921-395-08-9
Zur Einstimmung bevor es richtig losgeht ein paar TakteMannemer Dreckvon Joy Fleming . Vor einigen Tagen las ich einen Artikel in Spiegelonline mit dem Titel „delikater Dreckhaufen„. Der Artikel war ein netter kulinarisch historisch-geographischer Spaziergang durch Mannheim, Stadt in der ich einst studiert und gelebt hatte. Wobei ich ähnlich wie der Schockwellenreiter meine – ein Artikel ohne Joy Flemings Mannemer Dreck auch nur mit einer Silbe zu erwähnen – das ist mehr als nur eine Unterlassungssünde! Der Mannheimer Dreck um hier die hochdeutsche Schreibweise zu benutzten ist ein Makronengebäck aus Mannheim – darüber klärt einem schon der besagte Spiegelonline Artikel oder auch Wikipedia auf. Deshalb möchte ich nicht näher darauf eingehen, sondern mich auf eine autobiographische Zeitreise durch Mannheim begeben.
Ich habe vom Frühsommer 1986- bis Herbst 1993 in Mannheim an der Universität Mannheim Geographie mit den Wahlfächern VWL und Politikwissenschaft studiert, daneben dieses Studium durch Romanistikstudien (Französisch, Portugiesisch und Italienisch) ergänzt. Damals war die Universität Mannheim noch eine echte Volluniversität mit einem relativ breiten Fächerspektrum, wobei die Naturwissenschaften, mit Geographie (soweit man diese zu den Naturwissenschaften zählt), Geologie, Mathematik und Informatik damals auch schon eher schmal aufgestellt waren. Gewohnt habe ich damals in Neuostheim in der Grünewaldstraße, nicht weit von Riedbahnbrücke, Feudenheimer Schleuse und Maulbeerinsel entfernt. Danach habe ich als Assistent (und Doktorand) von 1993 bis 1999 am Lehrstuhl von Professor Frankenberg am damaligen Geographischen Institut der Universität Mannheim gearbeitet. Ab 1994 wohnte ich im Neubaugebiet „Niederfeld“ (Mannheim-Neckarau ) im Hans-Sachs-Ring in einer schönen Dachgeschoßwohnung mit direkter Sicht aufs Großkraftwerk in Neckarau.
1999 bin ich aus familiären Gründen nach Grünstadt in die Pfalz gezogen. Ich habe zwar weiterhin bis 2005 bis zum meinem Wechsel zum Institut für Geoökologie und Geographie der Universität Karlsruhe am Geographischen Institut der Universität Mannheimals Postdoc gearbeitet, aber der Abschluß meiner Mannheimer Lebensphase war das Frühjahr 1999. Inzwischen sind sozusagen nun fast genau zehn Jahre vergangen – und die Lektüre des Spiegelonline Artikel „Delikater Dreckhaufen “ von Kurt F.de Swaaf hat mich dazu bewegt einige meiner Erinnerungen die ich mit der Stadt Mannheim in Verbindung bringe in Sätze zu fassen.
Ich habe gern in Mannheim studiert und dort auch gern gelebt, mich sozusagen richtig wohlgefühlt. Und wenn es heute in Baden-Württemberg eine Großstadt gäbe in der ich gern wohnen würde, dann wäre Mannheim wohl die Stadt meiner Wahl. Aber das Leben hat das einstweilen anders entschieden. Natürlich verbinde ich nicht nur positive Erinnerungen mit der Stadt Mannheim, wobei die wirklich negativen Erinnerungen eigentlich wenig mit der Stadt Mannheim im engeren Sinne zu tun haben. Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt allenthalben die Tatsache, dass das Rektorat Arndt das Geographische Institut geschlossen hat, vor allem die Art und Weise wie das geschah, wie die Schließung vollzogen wurde. Ich hätte das Geographische Institut in Mannheim sowieso verlassen müssen, das ist der normale Gang im deutschen Hochschulwesen, – von diesem Gesichtspunkt aus hat mich die Schließung des Geographischen Institutes nur unwesentlich tangiert. Aber „Stil und Form“ des ganzen – da kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Auch die Art und Weise wie teilweise mit den Emeritii des Faches umgegangen wurde (und wird) – das erscheint mir als sehr befremdlich.
Ansonsten verbleibt eigentlich nur ein positives Bild von Mannheim. Aber Bilder verändern sich mit der Zeit, sowie sich auch Erinnerungen verändern. Deshalb, umsozusagen für mich und die Leser meines Bloges, mein aktuelles Mannheimbild festzuhalten, habe ich diese Zeilen verfaßt.
Die Städtische Natur & Wildnis
Da wäre zum einen der Entdeckung der städtischen Natur in Mannheim, der Pflanzenvielfalt im urbanen Ökosystem Mannheims – was ich sogar später dann wissenschaftlich in einer Publikation zur Vegetationsdynamik in Mannheim verarbeitete (Neff, C. 1998). Der Artikel „Neopyhten in Mannheim Beobachtungen zu vegetationsdynamischen Prozessen in einer Stadtlandschaft „ war bestimmt einer der ersten deutschsprachigen wissenschaftlichen Publikationen die auf die Artenvielfalt in urbanen Ökosystemen hinwies, Neophyten nicht negativ darstellte (wie damals und auch noch heute oftmals üblich) sondern versuchte die Neophyten (und Neozoenproblematik) durchaus differenziert und emotional unbelastet und analytisch darzustellen. Soweit es die Neozoen betrifft, in diesem Fall die Halsband – und Alexandersittiche, glaube ich, dass es die erste wissenschaftliche Publikation war, die das Phänomen der Ausbreitung von Papageienvögel im Rhein-Neckar- Dreieck beschrieb. Die wichtigste Erkenntnis damals war jedoch, – und davon bleibe ich auch heute überzeugt – der aktuelle Hauptsteuerungsfaktor für die Ausbreitung von Neopyhten in urbanen, suburbanen und selbst in ländlichen Ökosystemen sind in unserer heutige Zeit in Mitteleuropa vor allem Gartenmoden. Ich habe das auch rezent bei der Analyse von Laurophylliesierungsprozessen iin der elsäßischen Oberrheinaue beschrieben (Neff 2007 ). Klimaeffekte, sprich also der sogenannte durch den Menschen verursachte Klimanwandel, sind meines Erachtens für solche Prozesse in Mitteleuropa zur Zeit kaum verantwortlich, aber das kann sich bzw. wird sich durchaus ändern können.
Was die Stadtvegetation Mannheims betrifft möchte ich in diesem Zusammenhang auch auf ein kürzlich erschienenes Buch mit dem Titel „ Pflanzenraritäten am Oberrhein – Beispiele aus Ludwigshafen und Mannheim „ von Johannes Mazomeit verweisen. Dieses sehr schöne Buch widmet sich ausgewählten Pflanzenraritäten im Stadtgebiet von Ludwigshafen und Mannheim, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf Beschreibung von Pflanzenfunden, seltenen Pflanzen im Stadtgebiet von Ludwigshafen liegt, – Mannheim wird sozusagen nur am Rande behandelt. Dennoch halte ich das Buch für lesens und empfehlenswert. Außerdem ist es auch sehr schön illustriert.
Das Licht des Fohrenbühles – die Wiederentdeckung des heimatlichen Schwarzwaldes und der Raumschaft Schramberg aus Mannheimer Perspektive
Was die Entdeckung von Landschaften während meiner Mannheimer Zeit betrifft habe ich sozusagen von Mannheim aus die Landschaften der Raumschaft Schramberg wiederentdeckt. Als ich 1984 Schramberg nach dem Abitur Richtung Fallschirmjägerei in Nagold verließ, war ich eigentlich ganz froh Schramberg hinter mich lassen zu können. Vor allem die bürgerliche katholische Bigotterie in Schramberg (mit allem was dazu gehört), die in ihrer besonderen Ausprägung vielleicht ein Erbe der verlängerten Schwanzfeders des Habsburgerischen Adlers, der vorderösterreichischen Herrschaft Schramberg , war – hatte mir damals doch erheblich zu schaffen gemacht. Ich muss sagen, dass auch wenn ich im allgemeinen Krimis nicht so gern lese, – obwohl es da auch Ausnahmen gibt – die Krimis der ehemaligen Schrambergin vom SulgenUta Maria Heim – beschreiben diese bleierner Zeit der 1980 Jahre in Schramberg außerordentlich gut. Das ist bestimmt einer der Gründe weshalb ich wohl die allermeisten der Krimis der ehemaligen Sulgener Schrambergerin Uta Maria Heim gelesen habe.
Es waren die furchtbaren herbstlichen und winterlichen Nebeltage die mir zu Studienzeiten das Leben in Mannheim schwer machten, Nebel, wohl auch Smog – verursachten dann tagelange Migräneanfälle die mich zurück in den Schwarzwald trieben, mich das „Licht des Fohrenbühls “ entdecken ließen. Natürlich gibt’s und gab es nicht nur in Mannheim langanhaltende Nebeltage im Herbst und Vorwinter (in Grünstadt wo ich jetzt lebe – leider auch viel zu oft), – der Nebel in Basel und Sundgau – das scheint sozusagen das landschaftliche Hauptelement der Komissär Hunkeler Krimi‘ s von HansJörg Schneider zu sein – undurchdringliche Nebeltage in Basel und dem elsäßischen Sundgau und die silberne Wintersonne und Schneestille auf den Höhen des Hochschwarzwaldes (u.a ). Ein landschaftliches Konstrukt von Licht und Schatten in den Kriminalromanen Schneiders – ähnlich wie ich es Student empfand, wenn ich aus den Mannheimer Nebeltagen ausbrechend das Licht des Fohrenbühles suchte. Die Kriminalromane Schneiders, die Hunkeler Reihe habe ich erst jetzt durch die durch den Unfall entstandenen Zeitlücke kennengelernt. Aber was das Licht des Fohrenbühles betrifft, – wenn man nach einer tage wenn nicht wochenlanger Nebelphase aus dem Oberrheingraben kommt, – und in der Tat gibt es auch in Grünstadt im Spätherbst und Winter oftmals lange, sehr lange Nebelphasen – dann wirkt das Licht des Fohrenbühles wie eine regelrechte Befreiung, eine winterliche Lichtoase. Zu letzt habe ich das im Januar 2009 erlebt.
Und was im Winter die schneelosen Nebeltage in Mannheim waren, das waren die berühmt berüchtigten schwülen Mannheimer Sommer, die mich zur Flucht in die Sommerfrische des Schwarzwaldes trieben. Die Mannheimer Sommer können was Luftfeuchte und Schwüle betrifft, es durchaus mit den Verhältnisse in Abidjan aufnehmen, das kann ich sozusagen aus persönlicher Erfahrung bezeugen. Und so habe ich die heimatliche Raumschaft Schramberg, den restlichen Schwarzwald, vor allem den Kinzigtäler Schwarzwald wieder entdeckt, neu entdeckt – und mir mein eigenes „Schwarzwälder Landschaftsbild“ konstruiert. Die Wiederentdeckung des Schwarzwaldes geschah übrigens nicht allein, sondern mit dem Journalisten und Studienfreunde T.H. , inzwischen Jurist in einer deutschen Metropole, der aber auch ursprünglich aus Schramberg stammte, den ich aber aus Schramberger Schulzeiten kaum kannte, da war der Alterunterschied zwischen uns beiden einfach zu groß, 4 Jahre – das ist in Pennäleraugen mehr als eine Schülergeneration. In seinen Augen war ich der Sohn seines Französisch-Lehrers, auf Schrambergerisch einfach Franz-Lehrer (mein 1992 verstorbener Vater Winfried Neff war Oberstudienrat für Französisch, Geschichte und Gemeinschaftkunde am hiesigen, sprich dem Schramberger Gymnasium) und damit per se nicht Gegenstand bedingungsloser Anziehung. Als ich in den 1993 Jahren gerade meine Diplomarbeit zu Waldbrandrisiken in den Garrigues de Nîmes vorlegte (wurde 1995 in leicht überarbeiter Form als Monographie veröffentlicht(Neff 1995)) , ich meine Examen in Geographie und Politik (VWL & Ökonometrie hatte schon 1992 bei Prof. Nachtkamp abgelegt) mit den Themen „Feuer & Vegetationsdynamik im Mittelmeerraum (Prof. Frankenberg) , Kulturlandschaftsdynamik im Mittelmeerraum (PD Dr. Bender), der islamische Fundamentalismus als Bedrohung für die westlichen Demokratien (Prof. Wildenmann), politische Kultur in Italien (Prof. Wildenmann) vorbereitete, promovierte der Freund aus Schramberg sich in unmittelbarer Nachbarschaft mit einer Arbeit über die Luhmannsche Systemtherorie zum Thema „datenschutzrechtliche Presseprivileg“ mit Summa cum Laude zum Dr.iur. an der juristischen Fakultät in Mannheim. Doch nicht nur der Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten verband uns : wir genossen auch exzessiv die Mannheimer Nachtkultur. Gleichzeitig erwanderten wir quasi den gesamten mittleren Schwarzwald und die östlichen Muschelkalk Gäue zwischen Kinzig, Gutach, Brigach und Neckar, – wobei wir so nebenbei fast alle guten Vesperstuben und Bauernwirtschaften in dieser Gegend testeten, – sozusagen von Gasthof zu Gasthof wandernd und das im Winter wie im Sommer.
Ein weiterer Fluchtpunkt für uns war, oftmals der Bauernhof eines Studienkollegen in Nordrach bei Zell am Hamersbach, wo wir in wahrhaftig studentischer Harmonie vielköpfig tage- und wochenlang wanderten, Pilze suchten, Heu machten, kochten, diskutierten, lasen, gelegentlich auch Seminararbeiten schrieben und lernten und musizierten. Diese Erlebnisse prägen noch heute. Und die damals geschlossenen Freundschaften -auch wenn sie gelegentlich nur nachlässig gepflegt werden- trotzen beständig der Zeit.
Mannheims Bücherwelten
Was mich weiterhin mit dem wandernden Freund aus Schramberg verband, war natürlich die Liebe zu Büchern, Bibliotheken und Buchhandlungen. Reihenweise Fachliteratur, Romane, Krimis haben wir verschlungen!
Ja, ich war immer am Lesen während meiner Mannheimer Studientage. Das Buch sei es Fachbuch – oder auch Belletrisitik war bestimmt einer der Mittelpunkte meines damaligen Mannheimer Lebens. Montags war dazu noch immer Spiegeltag, – da wurde dann immer abends Stundenlang über die neuesten Enthüllungen aus dem Spiegel diskutiert. Ich hatte natürlich damals meine Stammbuchhandlungen in Mannheim. Zuerst habe ich Kurt Tillmanns Buchhandlung auf den Planken entdeckt. Danach den Bücher-Bender in Q 4. Leider wurde die Buchhandlung Tillmann recht schnell nach meinem Studienbeginn in Mannheim geschlossen (1988) bzw. von der Ottoschen Buchhandlung übernommen, was aber auch nicht lange Bestand haben sollte. Deshalb stöberte ich und kaufte seitdem (ca. 1988/89) soweit ich in Mannheim Bücher kaufte, – denn einen Teil meiner Bücherausgaben tätigte ich immer noch in der Buchhandlung Klaussner in Schramberg, – beim Bücher -Bender in Q 4. Der Bücher-Bender in Q 4, das war und ist immer noch in meinen Augen die Buchhandlung Mannheims, m.E. gibt es für den literarischen Leser in der sogenannten Metropolregion Rhein-Neckar nichts vergleichbares. Weiterhin war ich daneben eifriger Nutzer der Mannheimer Universitätsbibliothek , – und habe das Bibliothekspersonal durch meinen niemals ermüdenden Lesehunger und den daraus resultierenden Anschaffungsvorschlägen manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht.
Das alles erscheint mir inzwischen jetzt alles sehr entfernt, wie eine Zeitreise in eine vergessene Landschaft aus der Vergangenheit. Welche Studierende lesen noch den Spiegel oder die Zeit (in der Printversion) – wenn dann ja wohl wenn überhaupt Spiegelonline. Wenn man heute einen Studierenden auf einen Artikel aus dem Spiegel oder die Zeit anspricht wird man meistens nur erstauntes Kopfschütteln ernten. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, – so wie z.B. eine Studentin die mir vor ein paar Monaten einen Artikel aus der deutschsprachigen Ausgabe des Le Monde Diplomatique zum Lesen reichte. Aber vielleicht waren wir ja auch schon damals Ausnahmen, Studenten die stundenlang in Cafe‘ s und Kneipen (das waren u.a. Grimminger auf den Planken, das Binokel, das Flick-Flack, das Uhland, der Polizeisportverein an der Feudenheimer Schleuse, Weldes reale Bierwirtschaft in Neuostheim, der Anker im Schwabenheimer Hof, später auch das Journal am Marktplatz) saßen und sich über neueste Artikel aus Spiegel, Zeit „disputieren“ – und ihre neusten Büchertrouvaillen besprachen. Ja wie die Erinnerung an eine vergangene und verlorene Zeit will mir das heute erscheinen.
Vergangen Oktober als ich von einer längeren Reise zurückkam bin ich von Bahnhof zum Wasserturm, dann die Planken hinunter , bis Q 4 zum Bücher-Bender geschlendert- war dort Bücherstöbern – und bin dann danach in die Homer Ausstellung ins Reissmuseum. Es war ein schöner klarer sonniger angenehm warmer Herbsttag, – und was für ein Zufall – bei diesem Herbstsapziergang kreuzte ich auch noch die Weg des Leiters der Benutzerabteilung der Mannheimer Universitätsbibliothek Herrn Bibliotheksdirektor Per Knudsen , der mich auch nett grüßte – den ich aber zu Anfangs gar sofort erkannt hatte, weil ich so tief in meinen Gedanken und Erinnerungen versunken war. Ja dieser Herbstspaziergang durch die Quadrate im Oktober 2009, war schon eine kleine Zeitreise zurück in meine studentische Vergangenheit.
Die Linie 36 : der Mannheim Blues
Neben den Büchern, war es u.a. auch Musik und Kino die unser studentisches Leben bestimmte, – Mannheims Musikszene war ja in den 1980 sehr lebendig – und ins Kino sind wir eigentlich fast jede Woche ein oder zweimal, – meist ins Odeon oder ins Atlantis manchmal auch ins Capitol. Odeon und Atlantis gibt es übrigens immer noch, aktuell wird dort Kommisar Bellamy von Claude Chabrol mit Gerard Depardieu in der Hauptrolle gezeigt.
Neben den vielen Konzerten, die wir besuchten, meist in Miljöö, Hauptfeuerwache oder Capitol, haben wir manchmal auch selbst Musik gemacht, – meist Blues, Rock and Roll und manchmal deutsch-französische Chansons.
Aus Mannheimer Dreck und dem Neggabriggeblues (habe ich leider damals beim Niederschreiben des Textes nirgendwo zum Einbauen gefunden, das gibt’s bis dato nicht von Youtube) von Joy Fleming hatten wir die Linie 36 gemacht, – sozusagen frei nach Joy Fleming von mir improvisiert und interpretiert. Die 36 – da sollte man vielleicht noch darauf hinweisen, – das war damals die Straßenbahnlinie mit der ich von Neuostheim fast tagtäglich an die Schloßuni bzw. das Mannheimer G.I fuhr. Nicht zu vergessen den sagenhaften Krankenschwesternblues, – an dem sich vielleicht der eine oder andere Leser vielleicht noch erinnern kann. Aber auch der Schwabenblues wurde nicht vergessen, – wie z.b. die Strassenboa, oder es schneilet es weielet von Wolle Kriwanek .
Manchmal war es auch beschaulicher, wenn J.Z. mich am Klavier zu „automn leaves“ begleitete – wobei mir persönlich die französische Originalversion der feuilles mortes in der Interpretation von Yves Montand immer noch weit besser gefällt als die weitbekanntere englische Version, wobei die von der Piaf bestimmt auch seht stillvoll ist. Oder auch mit J.Z. am Klavier, Summertime -, Sunny (oder hier die etwas funkigerer Version von James Brown) gesungen. Aber so wie James Brown haben wir das eigentlich nie gespielt.
Einige Erfolge konnte ich damals auch mit Interpretationen von Songs der immer noch in Frankreich beliebten Rockröhre „Johnny Hallyday “ verbuchen, – der laut H.H. (Alt Schramberger Rock’n Roller , Musikexperte und Blogger ) immer noch einziger Rock’n Roller Frankreichs war und ist – und entsprechend immer noch von rechts und links in Frankreich teilweise als Rocklegende vergöttert wird ! So habe ich mich u.a. an „que je t‘ aime „, „Diego „, „quand la guitare fait mal„, – und natürlich auch Marie versucht. Aber unsere Marie (Paroles: C.Neff ; Musiques & guitares : T.H. ) Jahre vor der Hallydayschen Marie Version gesungen (und geschrieben bzw. mehr frei improvisiert als geschrieben – Entstehungsort war übrigens die Schwarzwaldwirtschaft „Eselbach “ in Aichhalden ) war auf jedenfalls Stil und Klangvoller als die inzwischen natürlich weit berühmtere Marie von Hallyday. Natürlich war da nicht nur Johnny Hallyday, sondern auch CouleurMenthe a l‘eau , il ne rentre pas ce soir von Eddy Michell, Mademoiselle chant le blues, quand Jimmy dit what i say , d‘ Allemagne von Patricia Kaas, und natürlich Aline von Christophe – und auch Joan Baez und etwas Country durfte nicht fehlen .
An manch einem Abend wenn die untergehender Sonne Fernsehturm und Neckar im rötlich-gelben Licht tauchte, sah ich von der Maulbeerinsel aus den über die Riedbahnbrücke donnernden langen Güterzüge nach „Riding on the City of New Orleans “ vor mich her summend und von Zugreisen durchs ferne Amerika, den USA dem Land der langen Güterzüge träumend, – die U.S.A die ich bisher nicht betreten habe.
Wie lange dieses schon her ist. Man hat das Gefühl als läge da schon fast eine Weltreise hinter einem. Und von einer Zugreise durch die U.S.A. auf den Spuren der großen Züge – ja davon träume ich noch heute wie damals als Student an der Riedbahnbrücke in Neuostheim.
Das letzte Mal, das ich das sozusagen (halb)-öffentlich aufgetreten bin und gesungen habe, war übrigens vor 3 Jahren im Wallis, – mit einem Freund – einem Dichter und Musiker der viel zu früh aus dem Leben getreten ist, – damals versuchten wir hoch oben dem Rhônetal seinen Gedichtband zu vertonten – den melancholischen Blues den wir zusammen spielten, – (er Gitarre – ich Gesang) nannten wir damals Talwind. Immer wen ich an den zu früh verstorbenen Dichter aus dem Wallis denken, muß ich anwillkürlich an die Trois Cloches denken, – ein altes Walliser Volkslied welches durch Edith Piaf et les Compagnons de la Chanson weltberühmt wurde.
Traumhafte Zeiten – Erzählungen einer Stadt
Mein Leben als Student das waren die Entdeckung der städtischen Natur, Bücher und Buchhandlungen, Kino und Musik – und vor allem viel Zeit fürs Leben und Genießen. Natürlich ein sehr subjektives Bild von einer Stadt.Und wenn wir hier schon von subjektiven Stadtbilder erzählen, hier noch der Hinweis auf den Film „Traumhafte Zeiten“ den Michael Kötz im Auftrag der Stadt Mannheim zum Stadtjubiläum 2007 gedreht hat. Der Film war (und ist ggf. noch) als DVD für Schutzgebühr in einiger Mannheimer „Kulturgeschäften“ erhältlich.
Mit Brahms ungarische Tänzen no. 1 g-moll (1 Allegro molto g-Moll (Orchesterfassung ))als Thema wandern wir mit dem Sprecher Hans (Michael Kötz) durch 400 Jahre Stadtgeschichte. Daneben ist der Film für jeden Cinemaphilen ein echter Leckerbissen, da dieser voller Film und Bildzitate steckt. Angefangen von der Tod des weißen Pferdes bis zum Gymnasiallehrer Pedersen. Der Tod des weißen Pferdes war übrigens der erste Kinofilm den ich in Mannheim gesehen hatte, – im Sommersemester 1986 kurz nach Studienbeginn im alten Cinema Quadrat in L 7 gegenüber dem damals in L 9,1 beheimateten Geographischen Institut. Das ist nun 23 Jahre her. Wie die Zeit vergeht. Und wie gesagt, jedem der einen schönen aber auch bestimmt subjektiven cinephilen Rückblick auf 400 Jahre Stadtgeschichte Mannheims sucht, dem sei der Film „Traumhafte Zeiten – Erzählungen einer Stadt – Mannheim 1607 – 2007″ wärmstens empfohlen. Ich selbst habe nur 13 Jahre – vom Sommersemester 1986 bis Sommersemester 1999 dort im Mannemer Dreck gelebt, – doch um mit Edith Piaf auf französisch zu sprechen (was durchaus auch mal in Mannheim gesprochen wurde und das in früheren Zeiten in manchen Stadtteilen gar nicht selten) – non de de mes temps à Mannheim – je ne regrette rien! Bevor diese imaginäre Zeitreise vom Krankenbett in Grünstadt nach Mannheim endet – höre ich nochmals denimaginären Wellengang des Rheines an der Reißinsel, – das rythmische dumpfe Stampfen der Schiffsdiesel, – das Donnern der Güterzüge über die Riedbahnbrücke bei Neuostheim – begleitet von den Klängen Brahms ungarische Tänze no. 1 Allegro molto g-Moll (Orchesterfassung )) diesmal in der Version von Furtwängler oder wem dieses besser gefällt in der Orchesterinterpretation von Dániel Somogyo-Tóth .
Quellen:
Heim, U.M. (2008): Totschweigen. (Gmeiner Verlag Meßkirch), Meßkirch (ISBN 978-3-89977-704-8)
Heim, U.M. (2009): Wespennest. (Gmeiner Verlag Meßkirch), Meßkirch (ISBN 978-3-89977-809-0)
Mazomeit, J. (2009): Pflanzenraritäten am Oberrhein. Beispiele aus Ludwigshafen und Mannheim. Neustadt (Pollichia Sonderveröffentlichungen 15), ISBN 978- 3- 925754-56-2
Neff, C. (1995): Waldbrandrisiken in den Garrigues de Nîmes (Südfrankreich) – eine geographische Analyse. Materialien zur Geographie 27, Mannheim. (ISBN 3-923750-50-1)
Neff, C. (1998): Neophyten in Mannheim – Beobachtungen zu vegetationsdynamischen Prozessen in einer Stadtlandschaft. In: Anhuf, D., Jentsch, C. (Eds.): Beiträge zur Landeskunde Südwestdeutschlands und angewandten Geographie. Mannheimer Geographische Arbeiten, H. 46, 65-110, Mannheim. (ISBN 3-923750-72-2)
Neff, C. (2007) : Naturkundliche Beobachtungen in Munchhausen (Frankreich) Sauerdelta und Laurophyllisation in Munchhausen.. In: VOGT, J., D. BURGER, T.K. BUTTSCHARDT, A. MEGERLE (Eds): Karlsruhe, Stadt und Region. Ein Landeskundlicher Führer zu bekannten und unbekannten Exkursionszielen. Karlsruhe, Regionalwissenschaftlicher Fachverlag, p. 201 – 215, ISBN 978-3-9811189-2-6
Schneider, HJ.(1999): Das Paar im Kahn. (Taschenbuch Lizensausgabe Lübbe Verlag), Bergisch Gladbach (ISBN 978-3-404-14583-6)
Christophe Neff, Grünstadt le 15.7.2009
P.S. (16.7.2009):
Als ich studierte gab es noch kein U-Tube, deshalb habe ich hier die Originalversionen (oder andere) mit den Originalsängern aus U-Tube verlinkt. Ich hätte jedoch kein Problem damit eine Filmversion mit meinen Sangeskünsten einzustellen. Gestern gab es im alt ehrwürdigern LeMonde anläßlich der Johnny Hallyday Abschiedstour einen Artikel in dem man den ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Jean Pierre Raffarin als Johnny Hallyday „Imitator bzw. Interpreten“ abgelichtet sehen konnte. Schlimmer kann es bei mir auch nicht gewesen sein ! Die einzige Film bzw. Vidoeoaufnahme die es ggf. noch geben könnte, wäre die die von einem gemeinsamen Auftritt mit den ehemaligen Mitgliedern der Band „the Ham“ in Bad Herrenalb gedreht wurden. Teile der „the Ham“ leben in den Sixpäcks übrigens weiter. Damit wären die Sixpäcks auch schon so was wie eine Schramberger Rocklegende geworden – frei nach Eddy Mitchell und Johnny Hallyday „on veut des lègendes „
Bilder und Bebilderung – ich photographiere ja sehr gern, – im Grunde genommen, fast das einzige Hobby was ich mir noch ab und zu gönne. Ich photographiere jedoch ich immer noch meist analog (siehe auch meinen Artikel über das Verschwinden des Kodachrome Film ), wobei das einscannen eigentlich kein Problem ist – und ich ja auch bei Wikipedia.commons ja auch ein paar Bilder eingestellt habe, siehe u.a. hier, aber gerade die Bilder die mir ans Herz gewachsen sind möchte ich eigentlich nicht frei durchs Netz schwirren sehen. Der Hinweis aufs Copyright den ich hier untergebracht habe ist wahrscheinlich sowieso sinn – und zwecklos. Ja ich habe mir wirklich überlegt diesen Artikel zu bebildern, – so habe ich im Januar eine schöne ausdruckstarke Diaserie zum Licht des Fohrenbühles geschossen, Photos die hier eigentlich ganz gut gepaßt hätten. Aber eigentlich will ich meine Bilder nachher nicht frei im Internet herumschwirren sehen. Deshalb ist bisher die Bebilderung dieses Artikels äußerst sparsam.
P.S.(7.4.2010 17:30): Der Mannemer Dreck befinder sich leider nicht mehr bei Youtube. Dafür gibt es jetzt dort den Neggabriggebluus .