Hinweis auf drei deutsch-französische Innenansichten zum 9. November

Im Blog „au Jour le Jour„, dem Blog von Evelyne Marie France Neff kann man zwei durchaus bemerkenswerte Texte zum 9. November finden. Es handelt sich sozusagen um deutsch- französische Innenansichten zum Fall der Berliner Mauer am 9.11.1989 und Gedanken & Erinnerungen zur Reichskristallnacht. In Vingt ans, déjà vingt ans… wird der lange Weg zum Fall der Mauer aus einer sehr persönlichen deutsch-französischen Perspektive dargestellt. Im Text „Nuit du 9 au 10 novembre 1938, il y a 71 ans“ werden auch sehr persönliche Reflektionen & Erinnerungen, – diese wiederum im deutsch-französischen Kontext – über die Reichskristallnacht vorgestellt. Diese Erinnerungen sind auch verwoben mit Erinnerungen aus Tübingen und der Raumschaft Schramberg – ville des 5 vallées en Forêt Noire – der Fünftälerstadt im Schwarzwald – eine etwas vergessene Bezeichnung für Schramberg . Die Begegnung mit der Witwe Kurt Gersteins in Tübingen, Begegnung die in“ Nuit du 9 au 10 novembre 1938, il y a 71 ans „ beschrieben wird hat auch bei mir Spuren hinterlassen. Die Erstausgabe der Gerstein Biographie von Saul Friedländer „Kurt Gerstein – ou l’ambiguité du bien“ hatte schon in meinen Schramberger Jugendzeiten den Weg in mein Bücherregal gefunden, das Buch steht nun in meiner Bibliothek in Grünstadt. Der dritte Text auf den ich im Zusammenhang mit dem 9. November hinweisen möchte, ist der Beitrag „Avenue Lénine“ in Berlin en parle dem Blog von Claire-Lise BUIS. Auch dieser Text ist eine persönliche deutsch-französische Innenansicht, – eine kleine Zeitreise von Blanc Mesnil mit einem Umweg über Oranienburg ins freie ungeteilte Berlin. Mein Hinweis auf diese drei Texte erscheint etwas spät, – aber eigentlich sind es „zeitlose Texte“ – die völlig unabhängig von Daten, Datum, Gedenk – und Jahrestagen gelesen werden können. „Vingt ans, déjà vingt ans…,   “ Nuit du 9 au 10 novembre 1938, il y a 71 ans „  sowie „Avenue Lénine sind soweit ausreichend Französischkenntnisse vorhanden – eine durchaus lohnende Lektüre zum 9 November, eine Innenansicht deutsch-französischer Geschichte, eine kleine deutsch-französische Zeitreise die von Lothringen, Blanc Mesnil über Tübingen, Schramberg, Oranienburg zu Erinnerungen an den Mauerfall nach Berlin führt.

Christophe Neff, Grünstadt le 10.11.2009

Neues aus dem Leinigerland (31.10.2009): Protest gegen Massenentlassungen in Frankenthal am Mittwoch 28.10.2009

Als ich meinen letzten deutschsprachigen Blogbeitrag verfasste –  Neues aus dem Leiningerland – das Grünstadter Känguru wurde wieder gesichtet (27.10.2009) – habe ich mich innerlich schon gefragt, weshalb man in der „Regionalen Presse“ so viel über das Grünstadter Känguru (welches meines Wissens immer noch keinen Wikiartikel hat)  hört bzw. liest- und man eigentlich kaum etwas über die anstehende Entlassungswellen in Frankenthal lesen kann. Im französischen Posting „Blogostatistique 8000“ habe ich diese innerliche Verwunderung auch in Worte gefasst: „Dans ce contexte il intéressant de voir quelle importance le kangourou de Grünstadt a pour la  presse régionale du palatinat. Sur le fait que dans la ville voisine de Grünstadt , à Frankenthal une fabrique de presse & imprimerie veut licencier entre 200 – 500 employés la presse régionale reste particulièrement muette.

Am Mittwoch den 28.10.2009 hat es in diesem Zusammenhang in Frankenthal eine vom DGB organisierte Protestveranstaltung unter dem Motto „Ja zu Arbeitsplätzen – Nein zu Entlassungen“ gegeben. Die Berichterstattung in der regionalen Presse fiel meiner Erachtens recht mau aus, – am Donnerstag den 29.10 einen kleinen Mehrzeiler im Südwest Teil der Rheinpfalz,  – die Frankenthaler Zeitung (auch Rheinfpfalz) widmete dem Ereignis immerhin eine halbe Seite unter der Überschrift -„1500 protestieren gegen Entlassungen“ – aber ansonsten kann man nicht viel finden. Die Unterhaardter Rundschau hüllt sich in Schweigen. Dafür hat die Protestveranstaltung vom letzten Mittwoch gegen die drohende Entlassungswelle bei der KBA durchaus auch ein überregionales Medienecho durch die Rundfunkberichterstattung bekommen.

Ich frage mich weshalb man in der Unterhaardter Rundschau kein Sterbenswörtchen über das was in Frankenthal droht lesen kann. Es sind doch auch Familien & Existenzen  aus dem Leinigerland, aus der Unterhaardt die durch die drohende Entlassungswelle betroffen sein werden. Die angekündigten „Massenentlassungen“ in Frankenthal betreffen nicht nur die Stadt Frankenthal, diese Kündigungswelle wird durchaus  auch im Leiningerland Spuren hinterlassen. Hier wünschte man sich durchaus auch etwas ein etwas spürbareres Medienecho, – der Leser der Unterhaardter Rundschau – sollte schon wissen dürfen was da in Frankenthal droht.

Darüber hinaus gibt es aber auch eine weitere recht interessante Beobachtung. Im sogenannten Web 2.0 finden die angekündigten Massenentlassungen in Frankenthal fast keine Resonanz. Wenn man mal von den Einstellungen des Dokuteam1 absieht ( welche auch schon in Blogostatistique 8000 verlinkt wurden ) und einem Aufruf der Bezirksleitung des IG Metall Bezirks Frankfurt absieht, findet man eigentlich so gut wie nichts über die Situation an der „Arbeitsfront“ in Frankenthal. Kein „Pirat“, kein Blogger der seine Stimme für die Beschäftigten der KBA erhebt. Sehr bemerkenswert !

Trotz alledem, bei aller Kritik an den traditionellen Medien, – die Lage bei KBA wird in den traditionellen Medien noch besser begleitet als im Web2.0, auch wenn ich mir persönlich hier in der Unterhaardter Rundschau durchaus etwas mehr Resonanz wünschen würde. Im vielgerühmten Web 2.0 findet die Situation bei der KBA so gut wie keinen Widerhall.

Auch wenn es den „Betroffenen“ wahrscheinlich kaum was nutzten mag, – als letzten Hoffnungsschimmer die Biermann’sche Version von Trotz alledem. Die Mauer ist ja dann auch irgendwann gefallen, vor 20 Jahren am 9. November 1989.

Quellen:

Die Rheinpfalz – Südwestdeutsche Zeitung Donnerstag 29. Oktober 2009:  Pfalz – Kompakt – Tausende gegen Entlassungen.

Die Rheinpfalz – Frankenthaler Zeitung 29. Oktober 2009: 1500 protestieren gegen Enlassungen.

Christophe Neff, Grünstadt le 31.10.2009

Neues aus dem Leiningerland – das Grünstadter Känguru wurde wieder gesichtet (27.10.2009)

Über das Grünstadter Känguru habe ich ja schon mehrfach berichtet. Lange Zeit hatte man von dem Rotnackenwallaby  welches durch Leiningerland und Unterhaardt hüpft nichts  mehr gehört. Jetzt ist es wieder da – gestern berichtete die Unterhaardter Rundschau unter dem Titel „Känguru weiter auf Tour de Pfalz – Beuteltier bei Maxdorf beinahe überfahren – Jetzt wieder verschwunden“  darüber.  Aber wenn man den kleinen Artikel dann genau liest erfährt man, dass der Vorfall schon am 24. August geschah, – und das Känguru seitdem verschwunden ist.  Die Nachricht brauchte also fast geschlagene zwei Monate bis diese bei der Rheinpfalz respektive der Unterhaardter Rundschau ankam.  Ansonsten steht in dem Artikel nicht viel Neues drin.  Der Landauer Zooinspektor Gregor Müller wird mit der Aussage zitiert, dass das Känguru auch bei uns problemlos einen Winter überstehen könnte.  Das ist an für sich auch keine neue Information – ähnliches konnte man schon in vorangegangene Beiträgen der Rheinpfalz zum Thema lesen.  Warum fragt man sich versucht die Rheinpfalz nicht mal was über die Rotnackenwallabypopulation in der Forêt de Rambouillet zu schreiben (Ich berichtete hier darüber). Vermutlich weil man in der deutschsprachigen Wikipedia nichts darüber findet. Da müsste man dann doch etwas recherchieren und ggf. auch noch etwas französisch lesen können!?  Belassen wir es mal dabei. Mir ist das Känguru von Grünstadt persönlich noch nicht begegnet, aber ich verfolge durchaus mit Interesse die mediale Spur die das Känguru von Grünstadt  in der regionalen und überregionalen Presselandschaft hinterlässt. Ansonsten gibt es kaum was Neues aus dem Leiningerland.  In übrigen Deutschland auch nicht. Wir werden eine neue Regierung bekommen – dazu beschert uns der Spiegel (44/2009) eine durchaus lesenswerte Titelstory „Weiterwursteln im Merkelland„.  Das Essay von Dirk KurbjuweitSieg der Ängstlichkeit – «Mehr Demokratie Wagen » – was ist von diesem Satz geblieben ?“  im gleichen Spiegelheft ist nicht nur ein lesenswertes, sondern in meinen Augen ein durchaus gelungenes politisches Essay zur aktuellen politischen Befindlichkeit der Nation.  Mal schauen wie lange wir warten müssen bis wir die Spiegel Titelstory des Heft 44/2009 und Dirk Kurbjuweit Essay auf Spiegelonline in digitaler Version erscheinen. Man wird sich natürlich fragen, was die große Politik mit dem Grünstadter Känguru zu tun haben.  Kurbjuweit schreibt :„ «Wir wollen mehr Demokratie wagen»   wäre heute kein Satz mehr, der diese Gesellschaft erreichen kann. Viele würden gar nicht mitbekommen, dass er gesagt wurde, anderen wäre es egal, und die meisten würden dem Politiker, der den Satz sagt, nicht glauben, dass er ihn ernst meint.“ Kurbjuweit hat recht, die Botschaft würde wahrscheinlich gar nicht ankommen, – während des letzten Bundestagswahlkampes hatte man hier im Leinigerland zeitweise das Gefühl – dass das „Grünstadter Känguru“ durchaus wichtiger als der Bundestagswahlkampf war  – siehe auch mein Posting „Unterhaardter Randbemerkungen zur Bundestagswahl 2009 (1; 30.8.2009): – ist der Wahlkampf wirklich langweilig?“ .  Zu guter stelle ich mir noch die Frage weshalb das „Grünstadter Känguru “ bisher noch keinen Artikel in Wikipedia.de hat! Es wäre eigentlich an der Zeit!

Quellen:

Der Spiegel (2009) : Weiterwursteln im Merkelland. In : Der Spiegel, 44/2009, 24 – 38.

Die Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau, Montag 26 Oktober 2009:  Känguru weiter auf Tour de Pfalz. Beuteltier bei Maxdorf beinahe überfahren – jetzt wieder verschwunden.

Kurbjuweit, D. (2009):  „Sieg der Ängstlichkeit – «Mehr Demokratie Wagen » – was ist von diesem Satz geblieben ?“  In: Der Spiegel, 44/2009, 54- 56.

Christophe Neff, Grünstadt le 27.10.2009

Das Fach Geographie an der Mannheimer Hochschule

Buchdeckel das Fach Geographie an der Mannheimer HochschuleDas Fach Geographie an der Mannheimer Hochschule 1907 bis 2006 – Eine Dokumentation von Christoph Jentsch“ so heißt ein kleines Büchlein welches von Christoph Jentsch, emeritierter Ordinarius für Anthropogeographie der Universität Mannheim, verfasst wurde. Die Schrift wurde am Freitag den 9.10.2009 im Gasthaus am Fluss „Rheinterrassen“ in Mannheim in einer kleinen Gedenk und Feierstunde der Fachöffentlichkeit übergeben. Zahlreiche „Ehemalige“ des  Geographischen Institut der Universität Mannheim, seien es  nun – ehemalige Lehrende, Forschende, Studierende, Verwaltungspersonal etc. waren anwesend – als Christoph Jentsch das Buch mit einer kleinen Rede der „Fachöffentlichkeit“ präsentierte.  Bei der kleinen Feier, wurde vor allem der an der Universität „erloschenen Geographie“ als eigenständiges Fach, gedacht.  Weiterhin wurde auch nochmals die Lebensleistung der inzwischen verstorbenen Emerita Gudrun Höhl, die immerhin einer der ersten Ordinaria der Universität Mannheim  und der jungen Bundesrepublik war, gedacht. Sie war eine außerordentlich starke Persönlichkeit und hat entsprechend nachhaltig das Fach Geographie an der Universität Mannheim geprägt.

Ich habe das Buch bisher aus Zeitgründen noch nicht im Detail gelesen, – nur durchgeblättert, – ich wollte auch nur mit diesem Blogeintrag, auf dieses aus meiner Sicht wichtige  und gelungene Buch hinweisen. Beim ersten Durchblättern fiel mir auf, dass es Christoph Jentsch gelungen ist, eine doch sehr umfassende historische Dokumentation von fast 100 Jahren Geographie in Mannheim, zu schreiben. Nur das Publikationsverzeichnis meines akademischen Lehrers Peter Frankenberg ist etwas mager ausgefallen, aber da muss ich ein „Mea culpa“ eingestehen.  Ich habe trotz mehrfacher Anfragen von Herrn Jentsch nicht reagiert, als dieser mich um die Ergänzung der „Frankenbergschen Publikationen“ bat, aber ich war zu Anfangs meiner Karlsruher Zeit auf meiner neuen Stelle als akademischer Rat, so sehr vom „Tagesgeschäft“ überwältigt, dass ich nicht dazu kam, Herrn Jentsch zu antworten. Ansonsten aber ist das Buch eine sehr detaillierte Dokumentation der fast hundertjährigen Geschichte des Faches Geographie in Mannheim.  Eine ausführliche Besprechung des Buches wird in diesem Blog bestimmt irgendwann folgen. Herausheben möchte ich vorab schon das immerhin mit 2 Seiten (Seiten 62-63) gewürdigte „Schwarzwaldprojekt“, – ein interdisziplinäres von beiden Lehrstühlen (Jentsch/Frankenberg) getragenes „landschaftsökologisches Forschungsprojekt“ , welches den Einsatz von kontrollierten Feuern zur Erhaltung von Besenginsterweidfeldern beinhaltet, – und welches mir erlaubte mich sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene als anerkannter Feuerökologe zu etablieren, – und mir wohl damit auch den Weg auf eine Dauerstelle an der Universität Karlsruhe öffnete, denn dort gehört die Feuerökologische Forschung ja zu einer meiner primären Dienstaufgaben.  Die Ergebnisse des Schwarzwaldprojektes wurden übrigens in einem Heft der Mannheimer Materialien (Scheid et al. 2004) veröffentlicht. Das sogenannte Schwarzwaldprojekt, welches mit richtigem Titel übrigens „Ökologische und ökonomische Bewertung von Flächenextensivierungen im mittleren Schwarzwald „ hieß, war und ist, immer noch einer der wenigen landschaftsökologisch-geographischen Forschungsprojekte, welches sich mit dem „Kulturlandschaftswandel“ im mittleren Schwarzwald und der Raumschaft Schramberg befasst. Davor war nicht viel, und seither ist meines Wissens auch kaum in diesem Bereich geforscht worden. Neuere Publikationen sind mir jedenfalls dazu nicht bekannt.

Meinen Bloghinweis auf die von Christoph Jentsch verfasste „Mannheimer Geographie Geschichte“ möchte  ich mit dem Hinweis auf das vom Verfasser geschriebene Vorwort beschließen. Wir lesen da:“Als im Sommersemester 2002 die Empfehlung  der Hochschulstrukturkommission von Baden – Württemberg , das Fach Geographie an der Universität Mannheim zu schließen, entstand der Gedanke, das damals schon fast 100 Jahre dauernde Wirken der Fachvertreter für Geographie, der Lehrenden und der Studierenden, in einer Dokumentation festzuhalten, um Forschung und Lehre von mehreren Hochschullehrergenerationen  nicht unreflektiert in Vergessenheit geraten zu lassen“. (Jentsch 2009). Ich denke, dass Christoph Jentsch dieses selbstgesteckte Ziel, voll erreicht hat. Auch wenn ich das Buch bisher nur mehr oder weniger intensiv durchgeblättert habe, – glaube ich, dass diese Dokumentation der Fachgeschichte der Geographie an der „Mannheimer Hochschule“ – und ich glaube, dass Jentsch den Titel durchaus programmatisch gewählt hat, eine wichtiges und lesenswerte Buch ist – zumindest für diejenigen die sich auch mit Fachgeschichte und Universitätsgeschichte befassen.

Programmatisch ist der von Jentsch gewählte Titel „Das Fach Geographie an der Mannheimer Hochschule“ insofern, als man sich schon fragen kann, inwiefern die heutige Universität Mannheim überhaupt noch dem Ruf einer „Volluniversität“ gerecht wird?  Man sollte sich ja auch in Erinnerung rufen, dass die Geographie, wie viele andere kleine Fächer auch, wie z.B. das Portugiesisch oder auch die Altphilologie, geopfert wurde, um die freiwerdenden Ressourcen (sprich Haushaltsmittel) für eine verstärkte Profilbildung der Fächer BWL/VWL zu nutzen. Wie der Zufall so will, habe ich als regelmäßiger Leser der Bücherrepublik von Pierre Assouline, heute dort folgenden Artikel „Les prix d’excellence de la planète universitaire“ (= der Exzellenzpreis des Planeten Universität) entdeckt. Auch wenn ich von solchen Rankings nicht viel halte, und es auch klar zu sein scheint, dass man unter „Arts and Humanities“ für die Universität Mannheim erst gar nicht zu suchen braucht, unter „Top 200 world universities“ ja wohl auch nicht, aber warum findet man denn die Universität Mannheim nicht unter „Social Science“ , fragt man sich da ! Da hat man „erfolgreich“ die kleinen Fächer platt gemacht, die Profilbildung vorangetrieben, – aber den Sprung zur sogenannten Elite schafft man dann doch nicht. Bemerkenswert ist bei der Statistik „Social Science“ der Times Higher Education , dass die einzige deutsche Universität die dort brilliert, ausgerechnet eine Volluniversität ist, nämlich die FU Berlin.  Soweit genügend Französischkenntnisse vorhanden sind, kann ich jedem Leser übrigens nur empfehlen, die Komentare zur „Les prix d’excellence de la planète universitaire“ zu lesen, dort ist eine interessante Diskussion im Gange, die es sich auf jeden Fall zu lesen lohnt, soweit man sich für die Fortentwicklung des „universitären Geistes“ interessiert.

Abschließend Sie noch eine Frage erlaubt? Weshalb konnte diese gute und wichtige Dokumentation nicht in den Mannheimer Geographischen Arbeiten erscheinen? Wie ich auf der Homepage dem in Mannheim verbliebenen Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie sehen konnte existieren die Mannheimer Geographischen Arbeiten ja noch. Der letzte dort gedruckte Band hatte den Titel „Stechmückenkontrolle am Oberrhein“, das war die Dissertationschrift von Hans von Hirsch, die 2005 erschien. Warum war es nicht möglich, die Dokumentation zur Fachgeschichte der Geographie in Mannheim, in den Mannheimer Geographischen Arbeiten erscheinen zu lassen. Dort hätte Sie hingehört, und deshalb erlaube ich mir auch die bohrende Frage!!!

Ich möchte es nochmals abschließend zusammenfassen – die von Christoph Jentsch verfasste Geschichte des Faches Geographie an der „Mannheimer Hochschule“ ist ein lesens – und empfehlenswertes Buch für alle die für die Disziplingeschichte des Faches Geographie interessieren. Darüber hinaus ist das Buch für alle die jemals mit dem Geographischen Institut der Universität Mannheim in Berührung kamen -, sei es als Studierende, Lehrende, Forschende, Arbeitende, – ein Stück persönlicher Zeitgeschichte, – die durch das Werk von Christoph Jentsch als gedruckte Erinnerung dem Vergessen entgegenwirkt.

In diesem Sinne möchte ich hier auch ganz öffentlich auf meinem Paysages – Blog Herrn Professor Jentsch für seine Mühen, für sein sehr gelungenes Werk danken.

Nein Herr Professor Jentsch „die Mannheimer Geographie, das Wirken der geographischen Hochschullehrer in Mannheim wird nicht unreflektiert in Vergessenheit geraten“ – dazu haben Sie auch wesentlich mit ihrer Dokumentation beigetragen.

Danke schön, Merci beaucoup!

Christophe Neff

Zitierte Literatur:

Jentsch, C. (2009): Das Fach Geographie an der Mannheimer Hochschule 1907 bis 2006. Eine Dokumentation von Christoph Jentsch.  Selbstverlag Frankenthal.

Scheid, A., Neff, C., Jentsch, C., (2004) (Eds): Flächenextensivierung im Mittleren Schwarzwald. Ergebnisse und Diskussion der in der Raumschaft Schramberg durchgeführten geographischen und landschafts – feuerökologischen Untersuchungen. Materialien zur Geographie, B. 34, Mannheim. (ISBN 3-923750-92-7).

Von Hirsch, Hans (2005): Stechmückenkontrolle am Oberrhein – eine kosten – und nutzenanalytische Bewertung unter Berücksichtigung regionalökonomischer Auswirkungen – 225 S., 7 Abb., 30 Tab., Anhang. ISBN 3-923750-96-X.

Christophe Neff, Grünstadt le 11.10.2009

P.S: Meine ganz persönlichen Erinnerung an meine Studien und Assistentenzeit in Mannheim habe ich in diesem Blog in den Beiträgen „Mannemer Dreck- traumhafte Zeiten – eine autobiographische Zeitreise mit Musikbegleitung nach Mannheim“ sowie „Nachtrag zum Mannemer Dreck – Mannheims Bücherwelten (21.7.2009)“ festgehalten.

Der Literaturnobelpreis 2009 geht an Herta Müller

Es ist wirklich kaum zu fassen aber Pierre Assouline hatte einen guten Riecher, – und irgendwie habe ich mich darauf verlassen und mein gestriges Posting ja entsprechend  verfasst „Le Nobel à Herta Müller ? Der Literaturnobelpreis für Herta Müller ?“ – und weiterhin noch eine französische Wikipediaseite über Herta Müller verfasst. Eine schönes Zeichen für die deutschsprachige Literatur. Eine Auszeichnung über die man sich in Deutschland und Rumänien freuen kann !

Christophe Neff, Grünstadt le 8.10.2009

P.S. (1.): und hier gehts zur offiziellen Bekanntgabe des Literaturnobelpreis 2009 .

P.S. (2): Weiterhin noch ein interessanter und lesenswerter Kommentar „Hoffnung für ein neues Mitteleuropa “ aus dem Spiegelonline zur Preisverleihung an Herta Müller.

Le Nobel à Herta Müller ? Der Literaturnobelpreis für Herta Müller ?

Soweit man der Bücherrepublik von Pierre Assouline glauben mag, – „le Nobel  à Müller“ – hat Herta Müller wohl berichtigte Chancen den Nobelpreis für Literatur 2009 zu bekommen. Wobei sich die république des livres weitgehend auf den „the Literay Saloon“ und „Ladbroke “ bezieht.  Die Zeit hat heute nachmittag eine ähnliche Meldung abgesetzt.

Wie dem auch sei, – solchen Prognosen misstraue ich eigentlich immer, – wer hätte den letztes Jahr mit Jean-Marie Gustave Le Clézio gerechnet. Wobei für die deutschsprachige Literaturszene ein Nobelpreis für Herta Müller bestimmt eine Wohltat wäre. Da ich noch nie ein Buch von Herta Müller gelesen habe, wäre es wohl mal an der Zeit auch ein Buch von Herta Müller in die Hand zu nehmen und zu lesen. Vielleicht sollte ich es mit der „Atemschaukel“ versuchen.  Soweit man der Kritik von Michael Naumann glauben soll ist die Atemschaukel ein durchaus lesenswertes Buch  – es scheint Naumann regelrecht den Atem verschlagen haben.  Er schreibt „Wer die Bücher dieser Autorin liest, entdeckt etwas Altmodisches in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur: Es gibt immer noch eine Dichtung, genauer, es gibt immer noch eine Form dichterischer Empörung, der es um so große Dinge wie Recht und Gerechtigkeit, um die Gefährdung von Menschenwürde und Freiheit geht. Herta Müller beherrscht diese Form. Sie stammt aus einem Land, aus dem diktatorischen Rumänien, das jene Tugenden mit Füßen trat, und sie kam in einem Land an, das mit dieser Katastrophe viel mehr zu tun hatte, als wir zu wissen glauben. Atemschaukel hat diesem Kritiker den Atem verschlagen.

Bei Iris Radisch dagegen wird das Buch regelrecht zerlegt. Radisch schreibt u.a. „Gulag-Romane lassen sich nicht aus zweiter Hand schreiben. Herta Müllers Buch ist parfümiert und kulissenhaft„.

Irgendwann, völlig unabhängig ob Herta Müller nun den „Nobelpreis“ für ihr literarisches Werk erhält oder nicht, irgendwann werde ich ein Buch von Müller in die Hand nehmen. Die Frage ist nur werde ich die nötige Zeit für die Lektüre finden. Werde ich den nötigen Platz in meinem Bücherregalen für ein paar Herta Müller Bücher finden ?

Hier könnte ein Kindle Abhilfe leisten, für den deutschsprachigen Büchermarkt ist der wohl ab Mitte Oktober (Termin der  Buchmesse)  zu haben, nur gibt es laut Spiegelonline Amzons E-Book Reader:  UMTS Kindle geht gratis ins Büchernetz „ noch gar keine deutschsprachigen Bücher für Kindle, nur die FAZ ist bisweilen auf deutsch lesbar. Ob es in Frankreich besser aussieht, das ist aus dem entsprechenden Le Monde Artikel „le lecteur de livres numérique d‘amazon disponible à la mi octobre “  auch nicht richtig ersichtlichDer elektronischer Reader, sei er nun von Amazon oder von Sony, erscheint zumindest für von Raumproblemen und fehlenden Regalmetern geplagten Lesern, und zu diesem „Leserstamm“ gehöre ich leider,  als eine ins Auge zu fassende Option, denn jeder Bücherkauf ist ja immer mit der lästigen Frage verbunden, – wohin nur mit dem erworbenen Buch ?

Jetzt aber gilt es erst mal abzuwarten, wer morgen tatsächlich den Nobelpreis für Literatur zuerkannt bekommt !

Christophe Neff, Grünstadt 7.10.2009

Keine Überraschung – ein kleiner Diskussionsbeitrag aus Grünstadt zum Wahldebakel der SPD bei der Bundestagswahl am 27.9.2009

Das gestrige Wahlergebnis ist keine große Überraschung, zumindest für mich. Ich hatte vielleicht nicht mit einem gar so guten Ergebnis für die FDP gerechnet, aber ansonsten war da nicht viel „Überraschendes“. Das Debakel für die SPD war für politisch wache Geister vorherzusehen. Mit meiner roten Berta Anzeige hatte ich ja noch versucht zumindest auf lokaler Ebene dagegen zusteuern und ein paar Stimmen für den Wahlkreiskandidaten der SPD Dr. Wolfgang Ressmann zu gewinnen. Immerhin hat laut heutiger Unterhaardter Rundschau Ressmann im Leinigerland 2,5% mehr gewonnen als im restlichen Wahlkreis Neustadt-Speyer . Das Ergebnis der Bundestagswahl für Grünstadt ist in folgender Tabelle kurz dargestellt.

2009 2005
Wahlberechtigte 10.004 10079
Wahlbeteiligung 75,00 80,9
Erststimmen
Norbert Schindler (CDU) 41,3 41,4
Wolfgang Ressmann (SPD) 28,6 42,5
Harmut Lardon (FDP) 9,0 4,4
Frank Peters (Grüne) 7,5 4,0
Stefanie Beck (Linke) 9,2 4,4
Zweitstimmen
CDU 33,4 35,00
SPD 25,6 36,7
FDP 15,5 11,1
Grüne 9,0 7,5
Linke 5,7 4,2

Ergebnisse der Bundestagswahl am 27.9.2009 in Grünstadt, (Quelle: Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau Nr. 225 Montag 28 September 2009). Eine detaillerte Tabelle der Grünstadter Wahlergebnisse befindet sich auf den Webseiten des Landeswahlleiters Rheinland-Pfalz .

Dr. Ressmann, für den ich mich ja persönlich eingesetzt hatte, hat etwas besser abgeschnitten als die SPD im Bundesdurchschnitt, aber das ist natürlich nur ein sehr schwacher Trost.  Was die Analyse der Wahlschlappe der SPD betrifft, teile ich im wesentlichen die Auffassung von Franz Walter die heute unter der Überschrift „Folgen des Wahldebakel – Fünf Punkte Plan für eine neue SPD“ in Spiegel online erschien.

Folgende zwei Punkte halte ich für zentral:

Die Anführer der SPD haben grundsätzlich ihren fatalen, ja entwertenden Umgang mit den eigenen Mitgliedern, Multiplikatoren, Anhängern zu überdenken. Mit Ausnahme der letzten sechs Wahlkampfwochen sind diese Gruppen für die SPD-Spitze nicht mehr wichtig. Man hat keine Aufgabe für sie, nimmt ihre Einstellungen nicht sonderlich ernst, nutzt auch nicht deren keineswegs unbeträchtliche Kompetenzen. Entscheidungen werden oben in putschistischer Manier getroffen oder in feudaler Machart dekretiert“ (Quelle: Franz Walter Folgen des Wahldebakel – Fünf Punkte Plan für eine neue SPD)

Die SPD wird diesen Klärungsprozess anders als in früheren Jahren nicht als Scharmützel von Cliquen und Clans führen dürfen, sondern als eine wirklich ernsthafte Auseinandersetzung gesellschaftsbezogener Strömungen. Und zu hoffen ist, dass sie den merkwürdigen Anti-Intellektualismus überwindet, der in den letzten Jahren in dieser Partei um sich gegriffen hat.“ (Quelle: Franz Walter Folgen des Wahldebakel – Fünf Punkte Plan für eine neue SPD)

Dem ist eigentlich kaum etwas hinzufügen. Dem ersten der beiden Punkt aus dem fünf Punkteprogramme aufgeführten Punkte ist vielleicht hinzuzufügen, daß das auf allen Ebenen gilt, vom Ortsverein – bis zum Bundesvorstand.

Was beispielsweise den Grünstadter Ortsverein betrifft, – wie wurde denn die einsame Entscheidung des Ortsvereinsvorstandes bei der Stichwahl des Grünstadter Bürgermeister eine persönliche Wahlempfehlung (persönliche wohlgemerkt) zugunsten des CDU Kandidaten Klaus Wagner auszusprechen, inzwischen designierter Bürgermeister der Stadt Grünstadt, wie wurde diese einsame Entscheidung denn demokratisch legitimiert ?

Die „Politkgestaltung“ nach Gutsherrenart,  – muß durch eine echte interne Demokratie ersetzt werden – Richtungsentscheidungen gleich welcher Art und unabhängig von der Ebene, – ob lokal, regional oder auf Landes bzw. Bundesebene- müssen wieder innerhalb der SPD demokratisch legitimiert werden. Das einfache Mitglied darf nicht mehr nur, „als Plakatkleber, Grillmeister und williges Stimmvieh“ bei Wahlen dienen, sowie es mir vor kurzem ein altgedienter SPD Recke aus Grünstadt klagte. Die Stimme des einfachen Mitgliedes muß wieder gehört und geachtet werden. Hätte man dies schon früher getan, dann hätte man auch nicht erst in der Wahlnacht per Wahlanalyse erfahren, was für Wunden Hartz IV und die Rente mit 67 in der SPD-Anhängerschaft hinterlassen haben.

Letztendlich  gilt es auf allen Ebenen erst einmal zu klären, was Sozialdemokratische Politik überhaupt ist, welchen gesellschaftlichen Zielen diese dient.  Für welche Politik steht die SPD.

Die Politik der SPD muss sich wieder an klar definierten politischen Zielen orientieren – und nicht an der Frage wer wie und wo nebenberuflicher Beigeordneter, Vorsitzender, Mandatsträger oder auch sonst wo ein Pöstchen haben will oder mit einem Pöstchen versorgt werden will. Die SPD muss wieder den Willen haben die politische Landschaft entscheidend zu gestalten – und damit das gelingt muss Sie wieder in einen demokratischen Diskurs mit den eigenen Mitgliedern einsteigen, – muss diesen Diskurs, die Ideendiskussion auch auf den Kreis ihrer Sympathisanten ausdehnen und darüber hinaus versuchen breite Schichten des Gesellschaftlichen Spektrums anzusprechen. Wenn dies gelingt, dann  kann das Wahldebakel als Chance für einen neuen Aufbruch für die deutsche Sozialdemokratie dienen.

Christophe Neff, Grünstadt den 28.9.2009

Mit der roten Berta nach Berlin

Nachdem in der Unterhaardter Rundschau fast jeden Tag eine Anzeige für Norbert Schindler (CDU) und Dr. Harmut Lardon (FDP) zu lesen war, – und darüber hinaus permanent Anzeigen für den SPD Kandidaten des Donnersbergkreises Gustav Herzog zu lesen waren – habe ich mich entschlossen selbst zu handeln und für heute selbst eine Anzeige für den SPD Kandidaten Dr. Wolfgang Ressmann des Wahlkreises 209 Speyer-Neustadt-Bad Dürkheim in der Unterhaardter Rundschau zu schalten.

Christophe Neff, Grünstadt le 26.9.2009

Unterhaardter Randbemerkungen zur Bundestagswahl 2009 (1; 30.8.2009): – ist der Wahlkampf wirklich langweilig?

Ist der Wahlkampf langweilig fragt Claire-Luis Bluis in ihrem Berlin en parle Blog. Auf den ersten Blick mag man das wohl auch glauben, – und selbst auf den zweiten Blick hat man hier in der Unterhaardt den Eindruck, dass das Grünstadter Känguru fast wichtiger wäre, als der Bundestagstagswahlkampf. Wenn da die Kandidatenvorstellung in der Unterhaardter Rundschau nicht wäre, – und man hier und da nicht die rote Berta des Kandidaten Ressmann durch die Lande ziehen sehen würde, dann hätte man tatsächlich das Gefühl, dass die Bundestagswahl sich irgendwo in der Ferne auf einem belanglosen Planeten abspielen würde. Etwas besser scheint es wohl im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen auszusehen, – das mag aber auch daran liegen, dass das der Wahlkreis von Volker Kauder ist, welcher , soweit man der NRWZ folgt, doch recht präsent auf dem Terrain zu sein scheint. Aber heute Abend wird sich das alles vielleicht doch etwas ändern, – die Wahlergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und im Saarland werden uns bestimmt noch den einen oder anderen medialen „Aufreger“ bescheren – Grünstadter Känguru hin oder her !

Hier im Leinigerland hat der Wahlkampf also bisher kaum Spuren hinterlassen, – die Sommergrippe – mit Wasser und Seife gegen Viren – oder auch das Grünstadter Känguru (exotischer Besuch) – scheinen fast schon wichtiger zu sein als was sich im fernen Berlin abspielt (Die kursiven Lettern sind alles Titel aus der Unterhaardter Rundschau vom Samstag 29. August 2009 die man aber leider so im WWW nicht findet) . Aber wenn man in der „Leininger Nachlese“ von Klaus Stemmler liest – dass das Grünstadter Känguru nun bei SWR3 „Gedönsi “ heißt und der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon Reporter auf die Suche nach dem Grünstadter Känguru ins Leiningerland schickt darf einem schon gar nichts mehr wundern. Wundern wird sich da der eine oder andere am Wahlabend des 27.9 – da wird es doch manch eine Überraschung geben. Aber eigentlich geht es ja um uns, um unsere Zukunft – und da erscheint es manchmal fast befremdlich wie wenig Aufmerksamkeit dem politischen Diskurs, der politischen Auseinandersetzung gewidmet wird. Aber vielleicht wird sich das ja auch heute abend ändern, – vielleicht.

Quellen:

Die Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau (29.8.2009): Mit Wasser und Seife gegen Viren. Grünstadt Eisenberg: Wie die Schulen auf die Schweinegrippe reagieren – Klinken und Schalter werden öfter gereinigt.

Stemmler, Klaus (29.8.2009): Exotischer Besuch – gesehen hat. In: Die Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau (29.8.2009) – Leininger Nachlese.

Christophe Neff, Grünstadt den 30.8.2009

Das Grünstadter Känguru nun auch in Gerolsheim

Das Grünstadter Känguru wurde nun auch in Gerolsheim gesichtet. Die heutige Unterhaardter-Rundschau widmete dem Event ein ganzes Drittel der Grünstadter Lokalseiten – der Titel heißt „ Känguru ruht sich im Weinberg aus – Gerolsheim – exotischer Ausreißer ist ein „Bennet“ – Tiere werden häufig auch privat gezüchtet„. Der Artikel beinhaltet sogar ein Bild. Da die Rheinpfalz sehr zögerlich Artikel ins WWW stellt, Beiträge aus regional und lokal Ausgaben finden eigentlich auch nie den Weg ins WWW, verweise ich hiermit auf den Artikel „Einsames Beuteltier in der Pfalz “ aus der Wormser Zeitung, Beitrag der das Photo des in Gerolsheimer photographierten „Grünstadter Känguru“ von Klaus Bolte beinhaltet. Anhand der in Gerolsheim gemachten Photos, waren laut Rheinpfalz Experten der Zoos in Landau und Kaiserlautern in der Lage – das Grünstadter Känguru als Bennet-Känguru – d.h. Rotnackenwallaby (Macropus rufogriseus) zu identifizieren. Auch wenn mir das Grünstadter Känguru bisher noch nicht persönlich begegnet ist, darf man anhand der zahlreichen Indizien wohl annehmen, dass das Grünstadter Känguru, keine „Sommerente“ ist, sondern tatsächlich existent ist. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß der in meinem letzten deutschsprachigen Posting „Die Depeschen von der großen Birke und das Känguru von Grünstadt „ erwähnte Piranha von Colmar es jetzt auch in die deutschen Medien geschafft hat – in der Rheinpfalz N. 192 vom Donnerstag den 20 August 2009 gibt es eine Meldung unter Zeitgeschehen mit dem Titel „Piranha in Rhein-Zufluss im Elsass gefangen„.

Abgesehen davon, dass das Grünstadter Känguru, das Sommerloch für die Medien füllt – habe ich auch ein gewisses berufliches Interesse an solchen Dingen, – da „Exoten“ – d.h vor allem Neophyten neben Waldbränden und Feuerökologie zu meinen wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkten zählen. Mit Neozoen habe ich mich bisher nur einmal während meiner Mannheimer Zeit beschäftigt, nämlich mit der großen Halsbandsittichpopulation in Mannheim (Neff 1998), ansonsten sind es vor allem Neophyten die im Focus meines beruflichen Interesse stehen. Halsbandsittiche kann man inzwischen auch rund um Bobenheim-Roxheim beobachten. Was Neophyten betrifft ist die Unterhaardt und Leinigerland durchaus ein interessantes Untersuchungsgebiet – so darf man die drüsenblättrige Kugeldistel (Echinops sphaerocephalus) hier schon als eingebürgert bezeichnen – man findet diese sogar schon auf dem Grünstadter Berg. Angesichts der Dichte der „Hanfpalmen“ (Trachycarpus fortunei) in den Gärten zwischen Bad Dürkheim und Grünstadt würde es mich nicht wundern, wenn man irgendwann auch hier die chinesische Hanfpalme als Gartenflüchtling entdecken würde. Wobei ich das dann nicht als Klimasignal bewerten würde, – das habe ich u.a auch schon in einer Publikation zu Neophyten in der elsässischen Oberrheinaue (Neff 2007) geschrieben – die chinesische Hanfpalme kann man durchaus als Palme mit submediterrane Klimaansprüchen bezeichnen – Palme die eigentlich hervorragend an die Klimabedingungen an der Weinstraße zwischen Bad Dürkheim und Grünstadt angepasst ist. In diesem Zusammenhang, sei für alle Palmenlieber an der Weinstraße das Buch „Winterharte Plamen“ von Mario Stähler und Tobias W. Spanner empfohlen. Es gibt meines Erachtens zur Zeit kein besseres deutschsprachiges Buch zur Thematik.

Eigentlich wollte ich nur ein paar kurze Sätze zum Grünstadter Känguru schreiben. Jetzt ist das ganze doch etwas länger geworden. Neozoen und Neophyten sind jedoch ein wichtiges Thema, mit dem wir uns völlig unabhängig von Sommerlöchern, Presseberichterstattung etc. auseinander setzten sollten. Es ist aber auch ein spannendes Thema – und erlaubt auch Fragen zu stellen – wie lange wird es beispielsweise brauchen bis die asiatische Hornisse, die sich zur Zeit in Westfrankreich ausbreitet bei uns in Deutschland ankommt. Um nochmal abschließend auf das „Grünstadter Känguru“ zurückzukommen – soweit man Wikipedia.de glauben darf gibt es eine Rotnackenwallaby in England, und hat es auch Auswilderungsversuche in Österreich gegeben. Der deutschsprachige Wikipediaartikel über die Rotnackenwallaby scheint auf jedenfall eher zweifelhafter Qualität zu sein, – es fehlen Referenzen und wichtige Querverweise. In Frankreich – in der Forêt de Rambouillet – gibt es eine kleine Bennet-Wallaby Population – die einzige europäische Wallaby Population von der man relativ sicher annimmt, dass diese sich in Situ autochton reproduziert. Aber davon, weiß der deutschsprachige Wikipedia-Artikel über die Rotnackenwallaby ’s bis dato nichts !
Wenn ich die Rheinpfalz lese, habe ich immer das Gefühl, daß man nichts wichtigeres zu tun hat, als zu versuchen das Tier irgendwie einzufangen, zu betäuben, abzuschießen – eben möglichst schnell aus der Landschafts zu schaffen. Wieso läßt man das Tier eigentlich nicht in Ruhe. Wen stört das Tier.

Aus einem Tier kann natürlich keine eigenständige Population entstehen, – aber was wäre den an einer eigenständigen „Wildpopulation“ von Känguru’s im Leininger Land , so wie in Frankreich in der Forêt de Rambouillet, denn so schlimm ? Wen stört es wirklich ?

Kaum hat man den Gedanken zuende gedacht und aufgeschrieben – da höre ich schon die aufrechten Schützer des deutschen Waldes, der deutschen Landschaft, schreien und toben „Faunenverfälschung“, Verschandlung des Landschaftsbildes, etc.. Die Grünstadter Wallaby‘s dürften eigentlich genauso wenig jemanden stören wie die Wallabypopulation in der Forêt de Rambouillet ! Das ist jedenfalls meine Meinung.

Zitierte Quellen:

Die Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau (21.8.2009): Känguru ruht sich in Weinberg aus. Gerolsheim: Exotischer Ausreißer ist ein „Bennet“ – Tiere werden häufig auch privat gezüchtet.

Neff, C. (1998): Neophyten in Mannheim – Beobachtungen zu vegetationsdynamischen Prozessen in einer Stadtlandschaft. In: Anhuf, D., Jentsch, C. (Eds.): Beiträge zur Landeskunde Südwestdeutschlands und angewandten Geographie. Mannheimer Geographische Arbeiten, H. 46, 65-110, Mannheim. (ISBN 3-923750-72-2)

Neff, C. (2007) : Naturkundliche Beobachtungen in Munchhausen (Frankreich) Sauerdelta und Laurophyllisation in Munchhausen.. In: VOGT, J., D. BURGER, T.K. BUTTSCHARDT, A. MEGERLE (Eds): Karlsruhe, Stadt und Region. Ein Landeskundlicher Führer zu bekannten und unbekannten Exkursionszielen. Karlsruhe, Regionalwissenschaftlicher Fachverlag, p. 201 – 215, ISBN 978-3-9811189-2-6

Stähler, M., Spanner, T.W. ( 2007 ): Winterharte Palmen – in Mitteleuropas erfolgreich auspflanzen, pflegen und überwintern. Berlin, Medemia Verlag, ISBN 978-3-940033-01-7.

Centre d‘ Etudes et de sa Forêt : Enquête sur le Wallaby de Bennett en Forêt d’Yvelines.

Grünstadt, le 21.8.2009