Blognotiz 27.2.2011 – Blick von Port Leucate in die Raumschaft Schramberg

Die winterliche Tramontane fegt über die winterlichen Sanddünen von Port Leucate.Aufgenommen während des Praktikums/Exkursion „brûlage dirigée“ im Feb. 2011, © C.Neff

Über den Sanddünen von Port Leucate tobt die Tramontane. Das Meer leuchtet in einem bunten Farbenspiel welches von Türkisgrün bis Azurblau reicht. In der Raumschaft Schramberg in der ich aufgewachsen bin toben andere Stürme. Morgen, am Montag den 28.2.2011 entscheidet der Kreistag des Landkreises Rottweil über das Schicksal der Kreiskrankenhauses Schramberg.  So wie die Dinge stehen ist wohl wirklich zu befürchten, dass der Kreistag ggf. für eine Lösung stimmen wird, die letztendlich das Aus für den Krankenhausstandort Schramberg bedeutet.

Vor Jahren als ich noch an der Universität Mannheim tätig war führte ich immer wieder zu „Global Change Prozessen“ in Mittelgebirgen Exkursionen in den Schwarzwald durch und verglich dort die Prozesse mit den Prozessen in den periphären Gebirgsräumen Frankreichs. Landflucht und Verbuschungsprozesse führen dort nicht nur zu Waldbränden, – oder zum Einwandern von Luchsen und Wölfen, – sondern auch zum langsamen Sterben der öffentlichen Infrastruktur, – Schulklassen und Schulen werden geschlossen, – irgendwann zieht man die Gendarmerie ab, – und das Dahinsiechen und Sterben der ländlichen Krankenhausinfrastruktur wurde dort meist mit dem Kampf um die „Maternité“ (Geburtshilfestation) eingeleitet. Diese Prozesse in Frankreich und anderen frankophonen Räumen haben immerhin schon dazu geführt, dass dem Problemkreis „ländliche Krankenhausstruktur & ländliche Gesundheitsversorgung“ neuerlich ein ganzes Buch gewidmete wurde (Richoz et al. 2010: Santé et développement territorial, Enjeux et opportunités).

Luchse soll man ja inzwischen im Schwarzwald schon gesichtet haben, von Wölfen ist mir nichts bekannt, – aber das es eines Tages soweit kommen könnte, dass das Schramberger Krankenhaus zur Disposition stehen könnte, diese hätte ich mir während der Exkursionen in die Raumschaft Schramberg während der  Jahre 2000-2005 wohl nicht mal im Traume vorstellen können. Nun ist es also doch soweit gekommen, – und wir können im Schwarzwald Prozesse beobachten wie man dies so nur aus Frankreich kennt. Als aufmerksamer Beobachter der ganzen Krankenhausdiskussion im Landkreis Rottweil frage ich mich jedoch, weshalb man eigentlich letztlich nur die Wahl zwischen zwei Privaten Krankenhausträgern nämlich Helios und Ameos hat. Ist die öffentliche Hand in Deutschland nicht mehr in der Lage ein ländliches Krankenhaus mit zwei Standorten zu betreiben, – oder handelt es sich hier eher um einen Sonderfall der mit den Randbedingungen im Landkreis Rottweil zu tun hat. Sollte sich der Kreistag des Landkreises Rottweil morgen für das Heliosprivatisierungskonzept entscheiden, wird das Schramberger Krankenhaus wohl am 31.12.2011 geschlossen werden.  Eine Schließung des Krankenhausstandortes Schramberg hätte für die Raumschaft Schramberg wahrlich dramatische Konsequenzen, – aus geographischer Sicht würde damit der Beginn des Sterbens des Mittelzentrums Schrambergs eingeläutet werden.  Ich möchte es nochmals betonen, – es erscheint mir nicht nachvollziehbar weshalb es der öffentlichen Hand nicht möglich sein soll eine Krankenhausgesellschaft auf Kreisebene zu betreiben. Die privaten Krankenhausgesellschaften sind bestimmt keine Samariter, diese wollen a priori ersteinmal eine ordentliche Dividende erwirtschaften. Aber die Alternative die beiden Krankenhäuser des Landkreises Rottweils weiterhin in öffentlicher Hand zu betreiben stellt sich wohl zur  Zeit nicht (mehr).

Abschliessend nochmals – eine Schließung des Krankenhausstandortes Schramberg hätte für die Raumschaft Schramberg wahrlich dramatische Konsequenzen, – aus geographischer Sicht würde damit der Beginn des Ende des Mittelzentrums Schrambergs eingeläutet werden.  Weiterhin frage ich mich, wie eigentlich dann in Wintermonaten , – Rettungswesen und Erst/Akutversorgung in der Raumschaft Schramberg von statten gehen soll. Aber vielleicht hat man auch schon wieder längst vergessen, dass es in der Raumschaft Schramberg manchmal lange und schneereiche Winter gibt.

Blick von der Hohenschramberg auf das Schramberger Kreiskrankenhaus am 2.7.2010, © C.Neff

Photos: Alle © C.Neff.

1.) Blick auf die winterlichen Stranddünen von Port Leucate bei starker Tramontan. 27.2.2011 Canon Powershot A 720IS. © C.Neff.

2.) Blick auf das Schramberger Krankenhaus. Minolta 700AF Kodachrome C- 64 . 2.7.2010. © C.Neff.

Buchverweis:

Richoz, S., Bouliane, L.M., Ruegg, J.  (Eds.) (2010) : Santé et développement territorial, Enjeux et opportunités, Lausanne, Presses polytechniques et universitaires romandes, ISBN  978-2-88074-840-1

Christophe Neff, Port Leucate 27.2.2011

P.S. (28.2.2011): Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung im Kreistag, – das eingestellte Bild des Schramberger Kreiskrankenhaus hat wahrlich historischen Charakter, da es mit einem meiner letzten C-64 Kodachrome Diafilmen aufgenommen wurde. Mit dem Verschwinden des C- 64 wurde ein Kapitel Filmgeschichte beendet.

Der Jahreswechsel 2010/11 in Grünstadt und der Unterhaardt – Schnee und winterliche Kälte

Der Jahreswechsel an der Unterhaardt war vor allem winterlich und kalt. In Friedelsheim, so berichtete es die Rheinpfalz wurden in der Nacht vom 25 auf den 26.12.2010  – 22,7 C (- 24,7 c am Boden) in der Klimastation des DLR gemessen. Es soll auch zu „nicht unerheblichen Frostschäden“ in den Rebanlagen gekommen sein. Grünstadt ist nicht Friedelsheim, – und soweit es meine Palmen betrifft – haben diese den bisherigen Winter relativ unbeschadet überstanden. Aber gewöhnlicherweise, d.h. im statistischen Mittel kommt die große Kälte (soweit diese kommt) ja erst Ende Januar/Anfang Februar.  Aber vorher soll es ja erst einmal frühlingshaft mild werden. Winterlich ist es ja nicht nur hier in Mitteleuropa – sondern auch in Nordafrika. Ich schrieb darüber (in Französisch) hier und hier. Es liegt auch Schnee in der Kroumirie, – und auch in Algerien soll es relativ kalt sein, wie ich per email aus Alger erfuhr. Und wie ich schon in meinem letzten Posting schrieb – das winterliche Tunesien durchlebt in diesen Tagen eine unruhige Zeit. Nur bekommen wir das hier nicht so mit!

Quellen:

Die Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau – Mittwoch 29. Dezember 2010: Frostschäden in Pfälzer Weinbergen

Christophe Neff, Grünstadt le 5.1.2011

P.S. 6.1.2011 9:00: Eine umfassende Beschreibung der „winterlichen Situation“ in Tunesien findet man in diesem Artikel von Marion Sollety (auf französisch).

Ein paar Worte zur Resonanz des Buches „Indignez- vous!“ von Stéphane Hessel in der Rheinpfalz vom 4.1.2011

Gestern wurde das Buch „Indignez- vous“ von Stéphane Hessel , von dem es ja bis jetzt nicht einmal eine deutsche Übersetzung gibt, auf der ersten Seite der Rheinpfalz unter dem Titel  „Empört euch! – Der Résistance-Kämpfer Stéphane Hessel beklagt den Zustand der Welt – und landet einen Bestseller“ in einem Artikel von Hans – Hagen Bremer vorgestellt. Ein französisches Buch, von dem es bisher nicht einmal eine deutsche Übersetzung gibt, auf Seite eins einer überregionalen deutschen Tageszeitung zu finden, das hat schon Seltenheitswert . Das Buch von Hessel ist zwar ein Beststeller in Frankreich geworden, – aber das Buch ist nicht unumstritten. Bemerkenswert ist die „bitterböse Kritik“ von Pierre Assouline in der Bücherrepublik.

Ich kenne, das Buch noch nicht. Ich habe das Buch vor der Jahreswende bestellt, und warte immer noch darauf es lesen zu können. Es scheint de facto in Frankreich quasi ausverkaut zu sein. Was mich überrascht ist auch der Umstand, dass es wohl bisher keine „belastbare Begründung“ gibt weshalb das Buch von Hessel in Frankreich solch einen Erfolg hat. Der Artikel von Hans Hagen Bremer bietet keine stichhaltige Begründung, und ich habe auch anderswo ich keine nachvollziehbare Begründung für den Erfolg des Buches gefunden.  Die schon erwähnte Buchkritik von Assouline hat auch schon zu intensiven Diskussionen, ja regelrechten Aufregerdiskussionen auf dem Bücherblog von Assouline geführt. Und wenn ich schon vom „Aufregen“ spreche – der Aufreger, den ich ja auch ganz gern lese hat kurz vor Weihnachten mal wieder einen kleinen Beitrag geschrieben. Den Aufreger lese ich gern, aber leider kann man von ihm viel zu wenig lesen. Besonders originell fand ich übrigens den Beitrag „ein Hauch von Monarchie„. Der Beitrag ist übrigens schon über zwei Monate alt – aber die Lektüre lohnt immer noch – da erscheint mir noch immer noch einiges „aktuell“ zu sein.

Abschliessend noch – während man sich in der Bücherrepublik über Pierre Assoulines bitterböse Kritik des kleinen Büchleins „Indignez-vous“ von Stéphane Hessel aufregt – hierzulande man sich berechtigterweise die Gemüter über den neuerlichen „Dioxinskandal erregen, regt sich anscheinend niemand über Tod von Mohammed Bouaziziz auf, der gestern abend 4.1.2011 in Tunesien so Isabelle Madraud in Le Monde.fr an den Folgen seiner Brandverletzung starb. Die sogenannten „événements de  Sidi Bouzid“ über die ich in der gestrigen Blognotiz (in frz.) ein paar Worte schrieb sind offensichtlich (bis auf den lesenswerten Beitrag „Aufruhr der Bürger im deutschen Ferienparadies“ in der Welt) nicht in der deutschen Medienlandschaft angekommen. Schon erstaunlich, denn immerhin sah sich der tunesische Präsident Ben Ali durch die „événements de  Sidi Bouzid“ genötig sein Kabinett umzubilden.

Wahrscheinlich blendet uns das fahle Licht der Wintersonne zu sehr als das wir uns darüber noch aufregen könnten?

Quelle:

Bremer, Hans – Hagen (4.1.2011): Empört euch ! Der Résistance-Kämpfer Stéphane Hessel beklagt den Zustand der Welt – und landet einen Bestseller. In: Die Rheinpfalz –  Unterhaardter Rundschau, Dienstag 4. Januar 2011

Christophe Neff, Grünstadt le 5.1.2011

Blognotizen 10.10.2010 – zum Literaturnobelpreis 2010 und zum Friedensnobelpreis 2010 –

Mit meiner Vorhersage zum Literaturnobelpreis 2010 „Wer wird den Literaturnobelpreis 2010 verliehen bekommen?  habe ich voll daneben gelegen. So wie wohl alle Literaturexperten – Literaturexperten und Wettexperten – „ils l’ont dans le baba“ – wie es Pierre Assouline in der Bücherrepublik schön formuliert hat.  Ich bin natürlich kein Literaturexperte, sondern nur ein Blogautor, der ein meist in französischer Sprache verfasstes Blog zu Landschaften und Büchern schreibt. Mit der Vergabe des Literaturnobelpreises 2010 für Mario Vargas Llosa hat das Nobelpreiskomitee ein eindeutiges politisches Zeichen gesetzt, – es ist ein Zeichen für den politischen Autor, für das politische Buch. In Deutschland (und nicht nur dort) ist kaum bekannt, dass Vargas der auch ein regelmäßiger Leser  der französischen Tageszeitung  Le Monde ist   und auch Teile des Jahres in Paris lebt (neben Lima, London, Madrid und New York) -, nicht nur in Spanisch schreibt sondern ab und zu auch Bücher in Französisch verfasst hat bzw. Bücher geschrieben hat die zuerst auf Französisch verlegt wurden, so z.B. –  Dictionnaire amoureux de l’Amérique latine    eine literarische Geographie und Landekunde Lateinamerikas die gleichzeitig auch autobiographische Züge trägt.  Das Buch wurde 2005 von Plon verlegt (ISBN 9782259202589) – und erschien 2006 dann in Spanisch als Diccionario del amante de América Latina (Ediciones Paidos Iberica; Tra edition  ISBN 978-8449319631). Wer sich für die Rezeption von Mario Vargas Llosa in Frankreich interessiert der sollte unbedingt die derzeit  (noch bis 6.11.2010) in der Maison de l‘ Amerique latine in Paris gezeigte Ausstellung „Mario Vargas Llosa. La liberté et la vie“ besuchen. Llosa der ja ca. ein Drittel des Jahres in Paris lebt ist in Frankreich ein bekannter Schriftsteller, – der auch schon vor der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises im literarischen und intellektuellen Leben Frankreichs mitmischte  und sich Gehör verschaffte.  In diesem Sinne, weise ich die francophonen Leser meines Blogs auf ein Interview von Mario Vargas Lllosa im Blog „Mauvais Esprit“ des Le Monde Journalisten Frédéric Joignot über die französische Identitätskrise anlässlich des Französischen Neins zum Vertrag von Lissabon. Die Kurzversion des Interviews erschien im Le Monde Magazine 8/2005. Für die Spanisch lesenden Leser des Paysagesbloges erlaube ich mir noch den Hinweis auf die lesenswerte Sonderausgabe von EL Pais  Mario Vargas Llosa Nobel de Literatura.

Mit der Vergabe des Friedensnobelpreis an Liu Xiaobo hat das Nobelpreiskomite für den Friedensnobelpreis auch ein wichtiges Zeichen gesetzt. Vor fast einem Jahr schrieb ich ein kleines Billet über Literatur und Meinungsfreiheit in China „Quelques réflexions sur l’invité d’honneur de la Buchmesse 2009 à Frankfurt“ anlässlich der letztjährigen Buchmesse, damals im Jahr 2009 war China und die chinesische Literatur Gast der Buchmesse. Soweit ich das beurteilen kann,  hat sich seit Oktober 2009 die Lage der Meinungsfreiheit in China kaum merklich gebessert.

Christophe Neff, Port Leucate le 10.10.2010

Wer wird den Literaturnobelpreis 2010 verliehen bekommen?

Einen Tag bevor der Literaturnobelpreisträger 2009 bekannt gegeben wurde hatte ich « Le Nobel à Herta Müller ? Der Literaturnobelpreis für Herta Müller ?“ gepostet und damit einen Volltrefer gelandet, wobei ich mich im wesentlichen auf die Bücherrepublik von Pierre Assouline, den Literary saloon und meinen eigenen literarischen Instinkt verlassen hatte. Im engsten Freundeskreis hatte ich vor dem Beginn des Blogzeitalters „Vorraussagen zu literarischen Preisen“ getätigt, und dabei auch eine beachtliche Trefferqoute erzielt, sodass ich mich heute Abend nochmals an einer „Vorhersage“ versuchen möchte. Wenn man dem Literary saloon von heute und gestern glauben mag, dann haben Cormac Mc Carthy und Ngugi wa Thiong’o die größten Chancen den Nobelpreis für Literatur 2010 verliehen zu bekommen. Auch wenn die Wetten bei Ladbrokes eher für Cormac Mc Carthy sprechen, – hält M.A.Orthofer Ngugi wa Thiong’o für den Favoriten, wobei Orthofer auch noch den Namen Péter Nádas ins Spiel bringt. Pierre Assouline’s Bücherrepublik hat gestern ein kleines Billet mit dem Titel „Le Nobel à Ngugi ?“ gepostet – und damit auch schon eigentlich alles gesagt. Wobei Assouline darauf hinweist, daß soweit Ngugi wa Thiong’o wirklich den Nobelpreis bekommen sollte, man den „Nobelpreis fürs literarische Blog“ (wortwörtlich le nobel du blog) an Michael Orthofer verleihen müsste, denn dieser hatte ja wiegesagt schon letztes Jahr mit großer Präzision die Verleihung des Literaturnobelpreises 2009 für Herta Müller vorhergesagt. Abschließend will ich mich selbst an eine Vorhersage für den Literaturnobelpreis 2010 wagen, – nach allem was ich gelesen habe glaube ich, dass Cormac Mc Carthy und Ngugi wa Thiong’o beide sehr große Chancen haben, – wobei ich glaube, dass letztendlich dann das Pendel für die afrikanische Literatur also Ngugi wa Thiong’o ausschlagen wird. Aus ähnlichem Grund (afrikanische Literatur), – glaube ich, dass Assia Djebar auch gewisse Chancen auf den Preis haben dürfte. Zwar dürfte es doch recht unwahrscheinlich sein, daß Djebar den Preis gewinnt, aber falls es doch so wäre, dann wäre das auch ein schönes und hoffnungsvolles Zeichen für das francophone Afrika und für die Francophonie. Ich bin sowieso davon überzeugt, dass die Zukunft der französischen Sprache & Literatur u.a. irgendwo zwischen Dakar, Abidjan und Kinshasa im Herzen Afrikas vergraben liegt.

Was den Literaturnobelpreis 2010 betrifft, – morgen Nachmittag – da werden wir mehr wissen !

 

Christophe Neff, Grünstadt le 6.10.2010 (21:55 heure de Grünstadt)

 

P.S. (7.10.2010 13:02): Der Nobelpreis2010 geht tatsächlich an Mario Vargas Llosa !“The Nobel Prize in Literature 2010 was awarded to Mario Vargas Llosa „for his cartography of structures of power and his trenchant images of the individual’s resistance, revolt, and defeat“. Der Nobelpreis für Literatur 2010 geht an Mario Vargas Llosa “ für seine Katrographie der Struckturen der Macht und seine messerscharf schneidenden Bilder des individuellen Widerstandes, der Revolte und der Niederlage” (Übers. C.Neff Englisches Original = Presseverlautbarung des Nobelpreiskomitees ).

 

 

Nordausgang Stuttgart Hbf Innenseite – und da tickt sie doch wieder die alte Bahnhofsuhr (20.8.2010)

Durch den Nordausgang des Stuttgarter Hauptbahnhofs bin ich schon oft gegangen. Viele Erinnerungen sind an diesem Ort verhaftet. Nicht nur an den Nordausgang verhaftet, sondern eigentlich am ganzen Bahnhof, – sodass ich diesem Bahnhof bestimmt noch mehr Zeilen widmen werde. Der Nordausgang war zumindest während meines Studiums mein häufigster Zugang zu  Bahnhof und Gleisanlagen. Am 16.7 habe ich wohlwissend (siehe auch Eindruck eines Ausstellungsbesuches : Stuttgart Hauptbahnhof 1 vor 21 sowie Conseils pour dévoreurs de gares et passionnés de photographie ), dass soweit das Projekt Stuttgart 21 wirklich kommt, bald nichts mehr so sein wird, wie es einstmals war, das Bahnhofsgebäude, den sogenannten Bonatzbau nochmals photographiert – und dabei aus den oben genannten Gründen eine ganze Bildserie vom Nordausgang geschossen. Dabei fiel mir auf, dass die Uhr der Innenseite des Nordausganges permanent auf 12:00 Uhr stand. Ich ging eigentlich davon aus, dass man diese, auch wg. der anstehenden Abrissarbeiten am Nordflügel so schnell nicht mehr reparieren würde. Da habe ich mich wohl getäuscht. Tatsächlich habe ich heute feststellen dürfen, dass die Uhr sich wieder bewegt und die Zeit richtig anzeigt.

stuttgart-hbf-nordausgang-16072010-926.1282370907.JPGDie Aussenseite des Nordausganges am 16.07.2010 um 9: 26 – noch ist das Licht etwas morgentlich und fahl. Photo: © C.Neff

stillstand-und-bewegung-am-nordausgang-des-stuttgarter-hbf-1672010.1282337505.jpgStillstand und Bewegung an der Innenseite des Nordausganges des Stuttgarter Haupbahnhofes am 16.7.2010 um 9 Uhr 18. Photo: © C.Neff

stuttgart-hbf-nordausgang-innenseite-die-uhr-lauft-wieder-2082010.1282369852.jpgStuttgart Hbf Nordausgang Innenseite 20.08.2010 – und die Uhr läuft wieder – es ist 10:13 ! Photo: © C.Neff

Auf den schönen Bildband über den Stuttgarter Hbf von Lutz Schelhorn hatte ich ja schon in Eindruck eines Ausstellungsbesuches : Stuttgart Hauptbahnhof 1 vor 21 hingewiesen. In diesem Bildband, der ein Jahr Innenlebens des Bonatzbaues proträtiert, befindet sich ein eindrucksvolles Bild der Innenseite des Nordausganges an prominenter Stelle auf Seite 8, gleich nach dem Vorwort von Uli Schwinge, und vor dem Vorwort von Manfred Rommel . Ein schönes Buch mit hervoragenden Schwarzweißbildern mit hohem dokumentarischem Wert. Denn wie ich es schon zu Anfangs dieser kleinen Blognotiz schrieb – „bald nichts mehr so sein wird, wie es einstmals war„.

 

Zitierte Literatur:

Schelhorn, Lutz: Stuttgart Hauptbahnhof – Eins vor 21. EditionRandgruppe, Stuttgart 2010, ISBN ISBN 978-3-9813728-0-9

Christophe Neff, Grünstadt le 20.8.2010

Vue de Grünstadt-Von Grünstadt aus gesehen: „Xenophobia: Casting Out the Un-French“ (NYT 5.8.2010)

Xenophobia : Casting Out the Un-French – so lautet das Editiorial der New York Times vom 5.8.2010 zum aktuellen Recchtsaussenruck der Regierung Sarkozy. Irgendwie hatte ich erwartet ähnliches bei uns in der Presse zu lesen. Erstaunt musste ich jedoch  nach der Rückkehr aus dem Sommerurlaub, aber auch feststellen, dass sich der medienkulturelle Graben zwischen Frankreich und Deutschland doch breiter ist als ich es selbst angenommen hatte.

Über das tragische Ende Michel Germaneau berichteten die Medien in Deutschland noch relativ ausführlich. Die Wahlen in Ruanda, werden auch immer kritischer reflektiert (hierzu auch die letzte Zeit:  Der eiserne Griff von Matteo Fagotto ), was ja durchaus positiv zu beurteilen ist, denn für viele in Deutschland gilt das Ruanda von Paul Kagame immer noch als mustergültiges Entwicklungsland.  Aber die Brandrede Sarkozy’s zur Einwanderung, Integration und Kriminalitäsproblematik in den Banlieues, Rede die Sarkozy vorherigen Freitag (30.7.2010)  bei der offiziellen Amtseinführung des neuen Präfekten Éric Le Douaron des Departements Isere in Grenoble hielt, – diese Rede fand bei uns in der Bundesrepublikanischen Medienlandschaft keinen Widerhall. Das ist in der Tat bemerkenswert, weil sich Sarkozy in dieser Rede bewusst rechts außen positionierte – ja teilweise den FN rechts überholte

Nichts zu hören, nichts zu finden bei uns in den Medien. .Hingegen hat die New York Times beispielsweise am 5. August ein bemerkenswertes Editorial unter dem Titel „Xenophobia: Casting Out the Un-French„ veröffentlicht. Man fragt sich weshalb der in der Tat bemerkenswerte Rechtsruck des französischen Präsidenten bei uns nicht wahrgenommen und kommentiert wird.

In Frankreich hat diese Rede zu heftigen politischen Reaktionen geführt, –  die UMP solidarisierte sich wie erwartet hinter Sarkozy – nur Rachida Dati erlaubt sich Kritik an der aktuellen Kriminalitätsbekämpfungspolitik der Regierung Fillion – die politische Mitte, die Medien und natürlich die Linke reagieren mit Ablehnung. Besonders bemerkenswert waren die Reaktionen von Bernard-Henri Lévy, von Robert Badinter, Patrik Weil, Michel Rocard und natürlich auch das Edito des Mondes vom 2.8 mit dem Titel „Le président, l’escalade et l’amalgame„.  Die Perzeption des Sarkozy Rede im Ausland wurde auch reflektiert „Pour la presse anglo-saxonne, Nicolas Sarkozy reprend son rôle de „super-flic„“, und weil es in Deutschland kein nenneswertes Medienecho auf die Rede von Sarkozy Rede und Rechtsruck gab, konnte dieses natürlich nicht reflektiert werden.  Wieso kam diese Rede, – und daran anfügen könnte man auch Sarkozys Spitze gegen die „Gens du voyage„, die Reaktion auf diesen Rechtsruck nicht in Deutschland an?

Nichts im Spiegel, – der neue Spiegelkorrespondent in Paris Stefan Simons hat wohl nichts bekommen (oder ist in Urlaub), – in der letzen Printausgabe der Zeit vom 5.8 auch nichts – eine nette kurzweilige mail mit dem Titel „Gebrauchsanweisungen“ von Gero von Randow – also da ist offensichtlich Funkstille.

Der Themenkomplex „Vorstädte, Intensivstraftäter, Einwanderung“  wird ja auch in Deutschland immer mehr zum Problem – das zeigen u.a. die Diskussionen über das Buch „das Ende der Geduld“ der verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig . Noch sind die Verhältnisse in Deutschland nicht mit den französischen Banlieues vergleichbar, – aber soweit man den Text „Angst ist ein schlechter Ratgeber“ im Spiegel 29/2010 liest dann erreichen die Verhältnisse in Neukölln durchaus das „Qualitätsniveau“ gewisser „Banlieues chaudes“ in französischen Großstädten.  Schon aus diesem Grund lohnt es sich die politische Diskussion zum Thema in Frankreich näher zu betrachten.  Was die Rede Sarkozys betrifft, – die Androhung „eingebürgertern Intensivstrafttätern“ die französischen Staatsbürgerschaft abzuerkennen, – was wohl ohne Verfassungsänderung in Frankreich laut Robert Badinter und anderen Rechtsexperten nicht möglich wäre – das wird die Betroffenen Intensivstrafttäter sowieso wenig stören – ob als französischer Staatsbürger, Staatenloser oder was auch immer – soweit man diese nicht Dingfest macht, aburteilt und bestraft werden sie weitermachen wie bisher.  Die Staatsbürgerschaftfrage stellt sich für die Betroffenen erst gar nicht. Diese leben in einer Parallelwelt weit außerhalb der französischen Gesellschaft.

Die französische Innenpolitik  à la Sarkozy hat erhebliche Fehlschläge hinnehmen müssen,  – die Gewalttaten gegen Menschen – „Depuis trois ans, les atteintes aux personnes augmentent et elles sont encore plus violentes qu’avant (Rachida Dati)“  nehmen zu und die Gewalttaten (schwere Körperverletzung etc.) werden immer brutaler – dies hat unlängst auch Rachida Dati in einem Interview zugegeben müssen, – und damit ist Dati wohl die einzige Politikerin aus dem Regierungslager die sich Kritik an der aktuellen „Innenpolitik“ der Regierung Sarkozy übt, wobei hier vor allem der amtierende Innenminister Brice Hortefeux im Visier der Kritik Datis steht.

Die Regierung Sarkozy ist mit der Bekämpfung der sich immer mehr ausweitenden Gewalt in den sogenannten Banlieues chaudes gescheitert, wobei man auch zugeben muss, dass die französische Oppositionsparteien bisher kaum glaubhafte Konzepte vorgelegt haben, wie man dieser gewaltigen Herausforderung Herr werden könnte. Mit mehr Lehrern und Sozialarbeitern, sowie sich dass große Teile der französischen Linken vorstellt, wird man das Problem bestimmt nicht lösen können. Man wird auch mehr und besser ausgerüstete und vor allem besser ausgebildete Polizisten brauchen. Wahrscheinlich weit mehr als bisher !

Die Aberkennung der französischen Staatsbürgerschaft wird die betroffenen Intensivstraftäter kaum beeindrucken – und damit wird auch keine Ruhe in die banlieue chaudes einziehen – aber das war auch nicht das Hauptziel von Sarkozy’s Rede. Nicolas Sarkozy hat sein Hauptziel schon erreicht – die Umfragewerte der Regierung Sarkozy sind nachdem diese wg. divereser Skandale (Affaire Bettencourt, Affaire Karachi, etc.) sich auf einem absoluten Tiefpunkt befanden wieder kräftig im Steigen. Die Rede hat aus der Sicht der UMP sich schon gelohnt.

Das Problem der hemmungslosen Vorstadtkriminalität ist ein gewaltiges Problem welches nicht nur die französische Gesellschaft herausfordert, auch wir in Deutschland sind davon betroffen, – es ist ein europäisches Problem – und wir brauchend dringend Antworten um dieses Problem zu lösen – unabhängig ob in Berlin Neuköln  oder in Grenoble Villeneuve – wenn wir es nicht schaffen dort in diesen „rechtsfreien“ Räumen das staatliche Gewaltmonopol wiederherzustellen, werden wir bald mexikanische Verhältnisse in unseren Vorstädten haben – mexikanische Verhältnisse die auf kurz oder lang den Mittelstand, der diese rechtsfreuen Räume ja schon längst verlassen hat, auch wieder einholen wird.  Grenoble Villeneuve war übrigens einmal vor vielen Jahren eine Vorzeige Modellstadt mit einer breiten Mittelschicht, ja sogar die Oberschicht war dort vorhanden – aber das erscheint heute wie ein Märchen aus der fernen Vergangenheit  (« Les nuits d’émeutes ont mis en évidence ce que les habitants savaient depuis longtemps, mais que les pouvoirs publics n’avaient pas forcément envie de voir : la Villeneuve, citée imaginée et mise en oeuvre dans les années 1970 pour faire vivre ensemble des classes sociales très différentes, n’est plus le quartier modèle. La mixité sociale a pratiquement disparu, les classes moyennes et supérieures ayant été progressivement remplacées par des familles en difficulté ou issues de l’immigration » Zitat aus : Dans le quartier de la Villeneuve, la dérive violente de jeunes en complète rupture ).

Pauschalisiertes „Immigrant Bashing“ à la Sarkozy wird das Problem kaum lösen. Der Entzug der französischen Staatsbürgerschaft wird die betroffenen Intensivgewalttäter nicht beindrucken, diese werden auch als Staatenlose die Vorstädte terrorisieren. Die französische Regierung hätte auch die Möglichkeit mehr Polizisten einzustellen, – denn wider aller Reden Wortlaut spart die französische Regierung im Polizeiapparat . Es werden immer mehr Stellen abgebaut. In vielen französischen Vorstädten gibt es Nachts kein dauerbesetztes Polizeikommissariat mehr. Die Polizei dringt dort nur noch in sogenannten „Kommandoaktionen“ vor. Letzthin in einer spektakulären Medieninszenierung in Grenoble Villeneuve mitsamt dem Innenminister Hortefeux. Ansonsten aber herrscht dort Nachts vor allem eins – der Terror. Die Gesetze der französischen Republik gelten dort nur tagsüber. Nicolas Sarkozy hat am 16.5.2007 seine Amtsgeschäfte übernommen – und seitdem nicht viel getan – damit Nachts in den Vorstädten die Gesetze der Französische Republik „les lois de la république“ wie man im französischen so schön sagt wieder gelten! Und vor dieser Zeit war er übrigens auch schon Innenminister, das wird gern vergessen. Es wurde viel geredet, sehr viel angekündigt, – aber sehr wenig getan. Zeit war genug vorhanden.

Abschließend noch – ich wundere mich wirklich – dass man über diese doch bedeutende Fraktur in der französischen Innenpolitik in Deutschland kaum etwas in den Medien mitbekommt. Ich hätte mir gewünscht in einer bedeutenden deutschen Tages oder Wochenzeitung einen Kommentar zur dezeitigen französischen Innenpolitik im Sinne der New York Times „Xenophobia: Casting Out the Un-French „ zu finden. Aber offensichtlich scheint das Thema zurzeit nicht „medienrelevant“ zu sein, – oder habe ich vielleicht auch etwas übersehen.

Wie auch immer – das Thema wird auch uns in Deutschland einholen!

Christophe Neff, Grünstadt le 7.8.2010

P.S. (7.8.2010 15:40): Die Perzeption des Leitartikels „Xenophobia: Casting Out the Un-French“ aus der NYT  in der französischen Medienlandschaft kann man u.a. hier „Le „New York Times“ critique vivement la politique sécuritaire de Sarkozy“ finden.

P.S. (8.8.2010 17:30): In einer Sache muß ich mich korrigieren – Gero von Randow hat tatsächlich am 2.8. in der „Onlineausgabe der Zeit “ unter dem Titel „Sarkozy rückt mit repressiver Rhetorik nach rechts“ einen hervorragenden Kommentar zum aktuellen Rechtsruck von Sarkozy geschrieben. Als altmodischer Mensch und Zeitabonnent habe ich mich bei meinen Recherchen für diesen Blogbeitrag auf die Printversion der Zeit vom 5.8.2010 verlassen.

P.S. (13.8.2010 9:00) Inzwischen hat der SPON mit dem Titel „Sommertheater à la Sarkozy “ auch etwas zum Thema beigetragen !

Grünstadt Martinskirche 12 Uhr 17 und der Zeiger der Kirchturmuhr rückt nicht mehr von Strich zu Strich

morgentlicher Blick auf St. Martin Grünstadt (ev.) - es ist 6.17 aber die Kirchturmuhr zeigt seit dem 6.6.2010 immer12 Uhr 17 an ! Im Hintergrund sieht man St. Peter (kath) mit der richtigen Uhrzeit, © C.Neff  4.8.2010
morgentlicher Blick auf St. Martin Grünstadt (ev.) – es ist 6.17 aber die Kirchturmuhr zeigt seit dem 6.6.2010 immer12 Uhr 17 an ! Im Hintergrund sieht man St. Peter (kath) mit der richtigen Uhrzeit, © C.Neff  4.8.2010

Ich steh‘ im Regen und warte auf Dich, auf Dich

Auf allen Wegen erwart‘ ich nur Dich, immer nur Dich

Der Zeiger der Kirchturmuhr rückt von Strich zu

Strich, ach, wo bleibst Du denn nur? 

Denkst Du nicht mehr an mich?“ so lautet die erste  Textstrophe  des alten Filmschlagers „ich steh im Regen“  von Ralph Benatzky  aus dem Film „Zu neuen Ufern“ , Filmschlager der Zarah Leander  weltberühmt machte, aber heutzutage in unseren Landen so  vergessen ist, dass man selbst auf youtube nur noch die französische Fassung des Liedes „il pleut sans trêve“  findet (hier findet man ein alte Gramophonaufnahme des deutschen Originals) .  Der Zeiger der Martinskirche in Grünstadt , rückt schon seit geraumer Zeit nicht mehr von Strich zu Strich. Um genau zu sein, seit dem 6. Juni 2010 steht der Zeiger der Kirchturmuhr von St. Martin auf 12 Uhr 17. Auch das für die Pfalz so einzigartige Turmglockenspiel ist seitdem verstummt. Am 6.6 schlug der Blitz in die Martinskirche, danach in der Nacht vom 10 auf 11 Juni fegte ein verheerender Gewittersturm  über Grünstadt und die Unterhaardt, – wobei  die Kirche wie man aus der Unterhaardter Rundschau vom Dienstag  3. August 2010 erfahren konnte (Xynthias Schäden werden behoben) schon vom Sturm Xynthia angeschlagen wurden – und soweit es die Reparatur des Glockenspieles betrifft man sich noch wohl etwas gedulden muss.

Als ich Anfang der Woche von einer zweieinhalb wöchigen Urlaubsreise aus Südfrankreich zurück kehrte, hatte ich ja irgendwie geglaubt man hätte  zwischenzeitlich Kirchturmuhr und Glockenspiel repariert, aber erstaunlicherweise ist das bis dato nicht geschehen. Schade eigentlich – das Glockenspiel von St. Martin gibt Grünstadt und der Unterhaardt ein gewisses Etwas – ich würde es in Anlehnung „les lycées francais du soleil“ als la petite musique de Grünstadt bezeichnen.  Ich habe das Glockenspiel zum ersten Mal zu Beginn der 1990 Jahre gehört – und für mich ist es so etwas wie ein unverwechselbares Landschaftselement – sozusagen ein „musikalisches Landschaftselement“  von Grünstadt und der Unterhaardt geworden. Schade, dass  man das Grünstadter Carrillon zur Zeit nicht mehr hören kann.

Abschließend möchte ich noch darauf verweisen, – dass es in Port Leucate  – eine neue Kirche gibt –  die Eglise St. Jacques – die auch ein hervorragendes Glockenspiel besitzt -und damit einer der wenigen südfranzösischen Kirchen ist, die über ein großes Turmglockenspiel  (17 Glocken)  ein Carrillon verfügen (Im Artikel St. Jacques de Port de Leucate – au clair de la lune de mai 2010 befindet sich ein Bild des Carrillon von St. Jacques de Port Leucate).

Zitierte Literatur :

Die Rheinpfalz-Unterhaardter Rundschau (3.8.2010) : Xynthias Schäden werden behoben. Grünstadt: Glockenspiel noch nicht repariert. Unterhaardter Rundschau, Dienstag 3. August 2010.

Tselikas, Effy; Hayoun, Lina (2004): Les Lycees francais du soleil. Creusets cosmopolites du Maroc, de l‘ Algerie et de la Tunisie, Paris (les édtions autrement) ISBN  2-7467-0435-8

Photo : © C.Neff morgentlicher Blick auf St. Martin Grünstadt am 4.8.2010 um 6 Uhr 17.

Christophe Neff, Grünstadt le 5.8.2010

Eindruck eines Ausstellungsbesuches : Stuttgart Hauptbahnhof 1 vor 21 in der Kunststiftung Baden-Württemberg

Lutz Schelhorn in der Kunststiftung Baden - Württemberg 16.7.2010

Gestern bin ich mit zwei Photoapparaten ausgerüstet über die Gerokstaffel und andere Staffeln vom Suttgarter Hauptbahnhof zur Kunststiftung Baden-Württemberg in der Gerokstraße marschiert um dort die Photoausstellung Stuttgart Hauptbahnhof 1 vor 21 von Lutz Schelhorn anzusehen.  Die Photoapparate (eine kleine digitale Canon Powershot – und eine analoge Minolta Spiegelreflex) hatte ich dabei um den Bonatzbau der mir in vielen Jahren so ans Herz gewachsen ist,  noch einmal vor dem Teilabriss photographisch festzuhalten. Als ich dann endlich oben in der Gerokstraße 37 mit vielen Bahnhofsperspektiven im Kasten (Digital und auf Film) triefend wie eine Ochse ankam – es war ein wahrlich heißer Sommertag  in Suttgart – da hatte ich das Glück den Künstler dort selbst anzutreffen. Lutz Schelhorn erklärte gerade einer Berufsschulklasse des Faches Photographie sein künstlerisches Werk.  Das war natürlich ein glücklicher Zufall.

Völlig unabhängig wie man zum Projekt Stuttgart 21 stehen mag, die Photoausstellung lohnt auf jeden Fall die Reise. Leider ist diese nur noch bis zum 24.7.2010 zu sehen.  Da hätte man sich gewünscht, dass man die Ausstellungsdauer doch verlängert – denn die Bilder haben ja schon fast historischen Charakter – denn in ein paar Wochen soweit nicht noch ein Wunder geschieht wird dann wohl mit dem Abriss des Nordflügels des Hauptbahnhofes das Projekt Stuttgart 21 in die Realisierungsphase gehen.

Schelhorn dokumentiert in seinen Bildern 1 Jahr Stuttgarter Bahnhofsatmosphäre, 1 Jahre Leben in und um den Stuttgarter Hbf.

Die Stuttgarter Zeitung schrieb hierzu relativ emotionslos : „Lutz Schelhorn dokumentiert in nüchternem Schwarzweiß das architektonisch bedeutsame Bauwerk und zeigt die Menschen, die sich darin bewegen. Ein Jahr lang ist er mit einer Großformatkamera aus den 60er Jahren auf dem Bahnhofsgelände unterwegs gewesen und hat Stimmungen, Besonderheiten, Blickwinkel festgehalten, ohne sich in die aktuelle politische Debatte einzumischen„.

Ich sehe das Ganze etwas anderes – wohl weit subjektiver – ich kann auch der Stuttgarter Zeitung nicht folgen die den Bonatzbau nur  als „das architektonisch bedeutsame Bauwerk“ bezeichnet, ich halte den Stuttgarter Hauptbahnhof, den sogenannten Bonatzbau für einen der gelungensten und schönsten Bahnhöfe in Europa überhaupt.  Und weiterhin gibt es natürlich auch eine gewisse Seelenverwandtschaft zu einem anderen Bonatzbau den ich persönlich auch für ein sehr gelungenes Bauwerk halte – das Gedächtnishaus Fohrenbühl auf dem Mooswaldkopf am Fohrenbühl in der Raumschaft Schramberg (Eine geographisch-gastronomische Beschreibung des Fohrenbühl in Französisch  findet man im billet Une forêt noire étoilée – quelques réflexions de géographie gastronomique au début de l’an 2010) .  Auf Grundlage der alten Turmhütte hat Paul Bonatz in den Jahren 1923/24 das Gedächtnishaus Fohrenbühl völlig neu konstruiert – als  Gedächtnishaus zur Ehren der Gefallenen des Weltkrieges 1914-18 des Württembergischen Schwarzwaldvereines.

Lutz Schelhorn Stuttgart Hbf 1 vor 21 Kunststiftung Baden-WürttembergLutz Schelhorn hat dem Stuttgarter Hauptbahnhof, – den zumindest ich für einen der schönsten Bahnhöfe in Europa halte – ein eindrucksvolles photographisches Denkmal geschaffen – er hat es geschafft in seinen klar strukturierten nüchternen schwarz-weiß Bildern den Geist des alten Bonatzbaues weiterleben zu lassen.

Begleitend zu Ausstellung hat Schelhorn auch noch einen schönen Photoband  herausgegeben den ich auch sehr empfehlen kann.

Wie schon zu Anfangs gesagt, – die Ausstellung Stuttgart Hauptbahnhof 1 vor 21 in der Kunststiftung Beden-Württemberg ist eine Reise wert – und der sehr schöne schwarz-weiße Photoband ist ein historisches und künstlerisches Photodokument über ein Jahr Leben im und um den Stuttgarter Hauptbahnhof.

Photoband zur Ausstellung:

Schelhorn, Lutz: Stuttgart Hauptbahnhof – Eins vor 21. EditionRandgruppe, Stuttgart 2010, ISBN ISBN 978-3-9813728-0-9

Photos:

Schwarzweißphoto: Stuttgart Hbf © Lutz Schelhorn   (mit Genehmigung von L. Schelhorn ins paysages-blog eingefügt)

Farbe:  © Christophe  Neff  16.7.2010 :Lutz Schelhorn erklärt Berufsschülern sein Werk Stuttgart Hauptbahnhof 1 vor 21 in der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Christophe Neff, Grünstadt le 17.7.2010

Unwetter Grünstadt (10.6.2010-11.6.2010) : Persönliche Wahrnehmung

Als Ergänzung zu meinem letzten Blogbeitrag Unwetter Grünstadt (10.6.2010-11.6.2010) : Mediale Wahrnehmung folgen nun hier meine persönlichen Eindrücke des Gewittersturmes der Grünstadt und Umgebung in der Nacht von Donnerstag 10.6.2010 auf Freitag 11.6.2010 heimsuchte. Das ganze Ereignis dauerte übrigens nicht einmal ganz 40 Minuten.

Donnerstag 10.6.2010  23:30

Sturmwind peitscht die trübe Nacht. Bäume knarren, Äste spritzen, Donnergrollen, – Blitze erhellen sich in den Nachthimmel auftürmenden dunkel drohenden Wolkenpakekte. Und plötzlich wie eine graue Wand, kommt der Regen und Hagel – und hämmert vom Sturm getrieben durch das Land. Die dunkle einstmals klare Nacht wird milchigweiß, der Kirchturm der Martinkirche verschwindet hinter einem Vorhang von Hagel, einer einzigen Regenwand. Lang geht das Schauspiel nicht, – höchstens 30 Minuten, – danach der Himmel wieder klar und still. Sturzbäche stürzen durch Straßen. Fast unheimlich still, – hier und da ein Wetterleuchten, Blaulichtkolonnen ziehen übers weite Land, bis die Feuerwehrsirene heult.

Freitag 11.6.2010 0H10

Die Stadt  erwacht durch Sirenengeheul, – die Stadt das ist nun schwarzes Land aus Wasser, Schlamm und Wetterleuchtenschatten. Ein neuer Tag beginnt – Stadt und Land entdecken allmählich die Wunden die der Gewittersturm schlug.  Für diejenigen die es vergessen haben sollten – die Unterhaardt, der Haardtrand war und bleibt ein Land der Starkregenereignisse – daran hat der Gewittersturm vom 10 auf den 11. Juni 2010 schmerzlich erinnert.

Der Gewittersturm war jedoch auch ein großes lyrisches Naturschauspiel, fast schon wie ein Gedicht von Ernst Stadler.

Christophe Neff, Grünstadt le 14.10.2010