Blognotiz 31.10.2012: Oktoberschnee im Leiningerland

Oktoberschnee in Höningen, © C. Neff 27.10.2012

Am Samstag, den 27.10.2012 wurde das Leiningerland vom frühen Wintereinbruch und vor allem vom nachhaltigen Schneefällen überrascht. Ich hatte schon am 27.10.2012 eine kleine französischsprachige Blognotiz  über diese ungewöhnlichen Schneefälle verfasst. Im Stadtbereich von Grünstadt gab es den ganzen Samstagmorgen heftige Schneefälle, aber der Schnee blieb nicht liegen. Aber außerhalb des Stadtbereiches von Grünstadt hatte sich im Laufe des Samstagmorgens eine beachtliche Schneedecke gebildet. Rund um Grünstadt waren die Weinberge schneebedeckt und im Leiningertalzug konnte man entlang des Eckbaches, des Hönigerbaches den stillen Kontrast zwischen den herbstlich gefärbten Buchenwäldern und der weißen Schneedecke beobachten.

Oktoberschnee im Leiningerland – Buchen unter Oktoberschnee bei Höningen, © C. Neff 27.10.2012

Ein seltenes Bild, – die herbstlichen gefärbten Buchenwälder des Leiningerlandes vom Schnee bedeckt zu sehen. In der Raumschaft Schramberg, Gegend in der ich aufgewachsen bin, kam das schon mal vor, daß es Ende Oktober/Anfang November zu den ersten Schneefällen kam. Im Grunde genommen ging man dort davon aus, daß man nach Abschluss der Kilbe mit den ersten Schneefällen rechnen konnte. Aber für den Oberrheingraben sind solche Oktoberschneefälle schon etwas Besonderes. Laut der Rheinpfalz (29.10.2012), welche die Aussage von Christian Müller vom Wetterbüro Palatina wiedergibt, hat es solche nachhaltigen Schneefälle in den Niederungen der Oberrheinebene seit über 60 Jahren nicht mehr gegeben, – zuletzt am 26. Oktober 1947.

Quellen:

Die Rheinpfalz (29.10.2012): Aus der Pfalz – Schnee und Eis schon im Oktober.Montag 29 Oktober 2012. Jahrgang 68. Nr. 252.

Photos: Alle © C. Neff 27.10.2012; 1.) Oktoberschnee in Höningen 2.) Buchenwaldrand im Oktoberschnee bei Höningen.

Christophe Neff, 31.10.2012

Blognotiz 22.08.2012: Eine gemeinsame französisch-deutsche Olympiabewerbung für Strasbourg- Kehl als Austragungsort für die Olympischen Sommerspiele 2024?

Im Le Monde.fr hat Julian Jappert am 21.8.2012, der Gründer und Direktor des Think Thank „Sport et Citoyenneté“, unter dem Titel „Une candidature franco-allemande aux JO 2024 ?“ (Eine französisch-deutsche Kandidatur für Olympischen Spiele 2012), einen interessanten Diskussionsbeitrag veröffentlicht. Dieser Diskussionsbeitrag verdient es in Deutschland wahrgenommen und diskutiert zu werden, auch wenn die olympischen Statuten bisher eine bi. bzw. transnationale Bewerbung für einen Austragungsort nicht erlauben. Diese Statuten ließen sich aber bestimmt ändern! Ich denke, dass eine gemeinsame Bewerbung Strasbourg-Kehl, so wie das von Jappert formuliert wurde, eine schöne Idee ist, die es verdient etwas intensiver diskutiert zu werden! Darüber hinaus hätte diese Idee auch den Charme, die etwas eingeschlafenen dt.-franz. Beziehungen wieder zu beleben. Am 22. Januar 2013, wird man mit großen Worten, das fünfzig Jährige Bestehen, des Élysée-Vertrages feiern, aber die Realität hinter diesen Worten, sieht leider oft recht trist aus. Im deutschen Schulwesen, verliert das Französische als Fremdsprache immer mehr an Bedeutung, manchmal hat es geradezu ein schlechte Presse, – ich denke dabei an den herablassenden Beitrag von Jan Friedmann „Shakira schlägt Jacques Brel“ im Spiegel 37/2011 (Lesenswert die Antwort von H.Wittmann im Frankreichblog:“Das Französisch verdient mehr Aufmerksamkeit“) über die Beliebtheit des Faches Französisch im deutschen Schulwesen. Gleicher Jan Friedmann hat übrigens einen lesenswerten Beitrag „Das Intello-Idiom“ über die Stellung des Deutschen als Fremdsprache im französischen Schulwesen, im Spiegel 33/2012 geschrieben. Trotz großer Lobbyarbeit für das Deutsch als Fremdsprache, verliert das Deutsche im französischen Schulwesen, immer mehr an Bedeutung. Während es in Deutschland derzeit noch keinen eklatanten Mangel an Französischlehrern gibt, – stellt sich in Frankreich die Situation schon anders dar – es fehlen ganz einfach oft Deutschlehrer  für den Deutschunterricht an den weiterführenden Schulen. Vielleicht würde eine gemeinsame Olympiabewerbung der Städte Strasbourg und Kehl diese Sprachproblematik(en) auch lindern helfen. Jenseits alles sprachpolitischen/geographischen Überlegungen – eine Gemeinsame Olympia Bewerbung der Städte Strasbourg und Kehl – hätte soweit Sie denn von Erfolg gekrönt wäre – bestimmt nachhaltig positive Auswirkungen für die Region Alsace, für das Land Baden-Württemberg (nicht nur für den badischen Landesteil), und soweit man die Regio Pamina noch einbezieht, auch für das Land Rheinland-Pfalz. Rheinland-Pfalz würde von solch einer binationalen dt.-franz. Olympiaidee bestimmt weit mehr profitieren als vom Nürburg-Ring Projekt, welches zur Zeit für beträchtliche Wogen sorgt. Vielleicht würde sich sogar noch eine Verwendung für das leerstehende Gebäude des ehemaligen Schramberger Krankenhaus finden – worüber wir im Buch „Das ist Schramberg (1967, p. 156)“ – folgende Worte finden“ Das neue Krankenhaus steht, ein wohlgelungenes Werk des Architekten Godehard Schwetthelm aus München. Sorge bereitet einer kleinen Stadtgemeinde aber, ein solches Haus zu unterhalten“. Wohl wahr die Worte die da vor über vierzig Jahren in „Das ist Schramberg“ formuliert wurden, – ja vielleicht gelänge es mittels einer Olympiabewerbung – das wohlgelungene Werk des Architekten Godehard Schwethelm mit neuem Leben zu füllen.

Ganz im Ernst, – die von Julian Jappert formulierte Idee einer gemeinsamen französisch-deutschen Olympiabewerbung mit den Austragungsorten Strasbourg-Kehl, – ist eine orginelle Idee die es verdient auch Deutschland wahrgenommen und intensiv diskutiert zu werden. Eine grenzüberschreitende Olympiade am Oberrhein mit den Städten Strasbourg & Kehl als Austragungsort – das ist, so will ich meinen, eine „wahrhaft“ olympische Idee!

Zitierte Artikel und Bücher:

Friedmann, Jan (2011): Bildung Shakira schlägt Jacques Brel. In: Der Spiegel, 37/2011, p. 50.

Friedmann, Jan (2012): Das Intello-Idiom. Deutsch ist bei Frankreichs Schülern unbeliebt. Trotz Nachfrage aus der Wirtschaft und einer emsigen Lobby bleibt es hinter der Trendsprache Spanisch zurück. In: Der Spiegel, 33/2012, p. 55

Jappert, Julian (2012): Une candidature franco-allemande aux JO 2024? Le Monde.fr/Sport. 21.08.2012

Stadt Schramberg (Hg.): Das ist Schramberg. Die Uhren und Fünftälerstadt im Schwarzwald. Schramberg 1967.

Christophe Neff, 22.8.2012

Blognotiz 18.4.2012: Kommentar zu Dirk Kurbjuweit „Die Freiheit der Wölfe – Wird das Internet zu einer neuen Schule der Barbarei?“

Es gibt Debattenbeiträge, denen wünscht man eine große Aufmerksamkeit. Sie verdienen es diskutiert zu werden. Zu diesen Beiträgen zählt der Beitrag von Dirk KurbjuweitDie Freiheit der Wölfe – Wird das Internet zu einer neuen Schule der Barbarei?“ welcher bisher nur in der aktuellen Printausgabe des Spiegel (Der Spiegel 36/2012 p.24-25) abgedruckt wurde.  Sascha Lobo hat am 17.4.2012 einen lesenswerten Beitrag über die (aktuelle) Bedeutung der deutschsprachigen Blogszene geschrieben. Bemerkenswerterweise wird dem Essay von Kurbjuweit über die Freiheit im Internet, über den Freiheitsbegriff der Piratenpartei, soweit man von einzelnen Beiträgen wie  z.B. dem von Klaus Bethge absieht, in der deutschsprachigen Blogszene kaum Beachtung geschenkt.  Das ist schon merkwürdig, wenn man bedenkt, dass sich der Essay Kurbjuweits mit dem Kern des Freiheitsbegriffes der Piratenpartei auseinandersetzt. „Als neue Partei der Bürgerrechte gelten die Piraten. Ihr großes Wort ist mein großes Wort: Freiheit. Aber viele Piraten und große Teile der Internetgemeinde meinen damit etwas, das ich nicht meine. Sie versuchen gerade dieses Wort, eines der wichtigsten der Menschheitsgeschichte, mit ihren Deutungen zu besetzen. Sollte ihnen das gelingen, wären die alten Freunde der Freiheit tatsächlich die neuen Freunde der Unfreiheit.“ Die totale Freiheit, so Kurbjuweit führt zur „Tyrannei der Starken gegenüber den Schwachen“ – und dabei zitiert er Isaiah Berlin mit den Worten „Die Freiheit der Wölfe ist der Tod der Lämmer.“

Kurbjuweit diskutiert auch den Zusammenhang zwischen Anonymität, Respektlosigkeit, Debattenkultur und Demokratie. Er nennt es erbärmlich in einem Land, in dem die Meinungsfreiheit gilt  sich bei Meinungsäußerungen hinter der Anonymität zu verstecken, sein Gesicht nicht zu zeigen. Kurbjuweit hat recht wenn er schreibt, dass in Deutschland die Meinungsfreiheit gilt – und fortfährt „ Das Netz ist voll von diesen Erbärmlichkeiten. Da wird massenhaft gezetert, geschimpft und beleidigt, ohne dass der Schreiber seinen wahren Namen nennt.“ Da kann man dem Spiegelautor nur recht geben, – auch ich habe da schon bisweilen leidvolle Erfahrungen machen müssen. Wobei schon Jaron Lanier darauf hinwies, dass man sich bei Internetpost nicht hinter seiner Anonymität verstecken sollte – „D’ont post anonymously unless you really might be in danger (Lanier, J. 2010, 21) (dazu auch auf Deutsch von Jaron Lanier das Spiegelinterview „Dynamik der Meute„).  In Deutschland gilt die Meinungsfreiheit – und man wird sich in den seltensten Fällen in eine Gefahrensituation begeben, wenn man offen und ehrlich seine Meinung darlegt und diese auch hinreichend begründet.

Zum Schluss des Beitrages zitiert Kurbjuweit noch Popper  – hier erlaube ich mir den ganzen Schlussabsatz des Spiegelessays wiederzugeben:  Der wahre Freund der Freiheit ist derjenige, der manche Unfreiheiten in Kauf nimmt. Es gilt, was der Philosoph Karl Popper schrieb: Uneingeschränkte Freiheit habe „das Gegenteil der Freiheit zur Folge; denn ohne schutz und Einschränkungen durch das Gesetz muss die Freiheit zu einer Tyrannei der Starken über die Schwachen führen.“ Zur Freiheit des Einzelnen gehört untrennbar die Verantwortung für die anderen (Kurbjuweit 2012).

Der Essay von Dirk Kurbjuweit ist ein wichtiger Debattenbeitrag über die Freiheit im Internet. Er legt den Finger tief in die Wunde einer Partei die sich als neue Partei der Freiheit, als die neue Bürgerrechtsbewegung deklamiert. Die „Wunde“ der Piratenpartei ist deren problematischer Freiheitsbegriff. Die Debatte um die „Urheberschaftsrechte“ wird dabei fast schon zur Marginalie.  Die Angst vor dem Shitstorm ist der erste Schritt in die Tyrannei des Kollektivs, – des Netzkollektivs. Man nennt das heute in euphemistischer Manier auch „Schwarmintelligenz“.

Zitierte Quellen:

Kurbjuweit, Dirk (2012): Die Freiheit der Wölfe – Wird das Internet zu einer neuen Schule der Barbarei? In:  Der Spiegel, 36/2012, p.24-25.

Lanier, Jaron (2010): You are not a Gadget – A Manifesto.  New York, Alfred A. Knopf, ISBN 978-0-307-26964-5

Christophe Neff, 18.4.2012

Blognotiz 5.2.2012

Schlittschuhläufer auf dem zugefroren Hetschmühlweiher 5.2.2012

Es ist kalt geworden in Deutschland. Das war auch so angekündigt worden und deshalb dürfte die Kältewelle eigentlich niemanden überrascht haben. In Schramberg hatte man jedoch vergessen,  dass der Winter noch nicht vorbei ist. Das Bächle und der Narrenbrunnen waren immer noch mit der Schiltach verbunden und der strenge Frost hat dann das seinige getan um Narrenbrunnen und Bächle zu einer Eislandschaft aus frostigen Gebilden zu verwandeln. In der Pfalz ist es auch knackig kalt geworden. Es liegt zwar so gut wie kein Schnee, aber der strenge Frost hat Seen, Teiche und Gewässerläufe in große Eisflächen verwandelt,  die nun zum Schlittschuhlaufen einladen. Der strenge Frost im Leiningerland hat jedoch noch  ganz andere völlig „unvorhersehbaren“  Nebenwirkungen provoziert  – der strenge Forst an der Unterhaardt  hat zur völlig unerwarteten Schließung des Allwetterbades Grünstadt geführt. In der Unterhaardter Rundschau vom 4. Februar 2012 kann man unter Aktuell notiert u.a. folgendes lesen: „Allwetterbad Grünstadt bis auf Weiteres geschlossen. Das Allwetterbad ist ab dem heutigen Samstag bis auf Weiteres für den Badebetrieb geschlossen. Dies teilten die Stadtwerke gestern Mittag mit. Auf Grund der extremen Temperaturen ist die Verkehrssicherheit der Besucher nicht mehr gegeben“.  Weiterhin heißt es  in der gleichen Meldung „Nächste Woche soll bei einem Ortstermin geklärt werden, ob es vertretbar sei, das Bad überhaupt noch einmal zu öffnen.“  Die Zukunft des Grünstadter Allwetterbades wurde ja schon seit längerem in der Grünstadter Kommunalpolitik diskutiert, – wobei man bisher vor allem diskutierte und die Zeit verstreichen ließ – und dieses wohl mit der Hoffnung versehen, dass sich das Problem mit der Zeit von selbst löst.  Das ganze Prozedere erinnert doch sehr stark an die vergangenen Zeiten der verblichenen Deutschen Bundesbahn – als diese systematisch, durch langanhaltende Investitionsstaus, Fahrplanausdünnungen etc. langsam und beharrlich einen Großteil der ländlichen Nebenstrecken ins Aus führte. Irgendwann kam dann der Tag an dem dann die Betriebssicherheit auf der einen oder anderen Nebenstrecke nicht mehr gewährleistet werden konnte und man dann die Strecke sozusagen über Nacht schließen musste. So geschah es u.a. mit der Bahnstrecke Schiltach-Schramberg Anfang der 1990 Jahre.  Was die Zukunft des Allwetterbades Grünstadt betrifft, wird man wohl Ende der kommenden Woche wissen, ob das Bad  überhaupt jemals wieder geöffnet werden wird.

Schließung Allwetterbad 5.2.2012

Das „Allwetterbad Grünstadt“ ein erster Kollateralschadens des strengen Februarfrostes 2012 an der Unterhaardt?  Wenn die Lage für das Grünstadter Allwetterbad nicht so ernst wäre, hätte das sogar einen gewissen Unterhaltungswert. Grotesk ist es allemal. Könnte fast eine Schlagzeile fürs Schramberger Narrenblättle  die Hoorig Katz sein „Jahrhunderstfrost sorgt fürs Ende des Grünstadter Allwetterbades“ – ja, wenn es nur nicht so traurig wäre. Denn wenn sich in Sachen Schwimmbad in Grünstadt nicht endlich etwas grundlegendes tut, dann kommt es vielleicht noch dazu, dass die Stadt Grünstadt (einschließlich der Umlandgemeinden)  endgültig ohne Schwimmbad dasteht. Dann gibt es auch an den heißen Sommertagen in Grünstadt keinen Badespaß mehr.

Photos:  © C. Neff 1.) Schlittschuhläufer auf dem Hetschmühlweiher  2.) Aushang im Allwetterbad Grünstadt photographiert am Sonntagmorgen den 5.2.2012

Quelle:

Die Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau, Samstag, 4 Februar 2012: Aktuell Notiert – Allwetterbad bis auf Weiteres geschlossen.

Christophe Neff, 5.2.2012

Blognotiz 14.1.2012

Im Bahnhofsgebäude des Stuttgarter Hbf, dem sogenannten „Bonatzbau“ gibt es einen Ort, an dem ich während der Advents & Weihnachtszeit gern mal für ein paar Augenblicke verweile und dem Bahnhofsgeschehen in Stille zuschaue. Es ist der Ort des Weihnachtsbaumes. Die meisten Zeitgenossen eilen meist geschäftig vorbei, manch einer hebt den Blick kurz an, aber hin und wieder bleibt ein Mensch stehen. Verbleibt in Stille, blickt auf Baum und Krippe – und geht dann irgendwann weiter. Gehen, Rauschen, im Takt der Zeit – immer weiter ziehen die Reisenden von den Zügen in die Stadt, von der Stadt zu den Zügen. Nur an diesem Ort herrscht manchmal für ein paar Augenblick Stille. Nachdenklichkeit und Stille in der „Salle des pas-perdus“ – dem Saal der verlorenen Schritte, wie Bahnhofshallen im Französischen manchmal benannt werden. „Saale des pas-perdus“ ist auch ein heute fast vergessenes Chanson von Maxime Le Forestier, welches uns die Geschichte eines Mannes erzählt der vergeblich in einer großen Bahnhofshalle auf die ferne Geliebte wartet. Kein Zug bringt die Ersehnte, – es bleibt im nur die Erinnerung an ferne Ziele und der Widerhall der Schritte in der Halle der „verlorenen Schritte“.

„Zugig“ ist es in der Stuttgarter Bahnhofshalle  geworden, seit dem der Nordflügel  abgerissen wurde, – auch der Widerhall der Schritte ist wenn nicht verstummt leiser geworden. Wie das erst werden wird, wenn der „Südflügel“ abgerissen sein wird. Dann wird’s erst recht „Zugig werden“, – der Weihnachtsbaum und die wenigen Reisenden, die kurz ihre Schritte bremsen – um den Baum mit einem stillen Blick zu würdigen – sie werden dann wohl voll „im Zug“ stehen wie man so auf „Schwäbisch“ zu sagen pflegt. Wo der Christbaum wohl während der Arbeiten zu Stuttgart 21 stehen mag?  Vielleicht gibt es auch während der „Bauphase“ einfach keinen Platz mehr für Baum und Krippe in der Halle der verlorenen Schritte des Stuttgarter Hbf. La salle des pas-perdus du Bonatzbau sans „Sapin de Noël“  (die Halle der verloren Schritte ohne « Christbaum ») – eigentlich unvorstellbar!

Photo:  © C. Neff. „Christbaum mit Krippe, Stuttgart Hbf 4.1.2011“

Christophe Neff, le 14.1.2012

Blognotiz 14.12.2011 – Erinnerung an die fünf Platanen vom Schramberger Rathausplatz

In Schramberg gab es bis vor kurzem einen von Platanen beschatteten Rathausplatz. Am Freitag den 9.12.2011 wurden die Platanen gefällt um Platz zu machen für „Schrambergs Neue Mitte“.  Die NRWZ berichtete unter dem Titel „Schrambergs neue Mitte – Platanen gefällt“, der Schwarzwälder Bote schreibt „Aus Platanen werden Holzhackschnitzel“. Einen Leserbrief von Jörg Birkel mit dem Titel „Glückwunsch zur gelungen Sägeaktionen“ gibt es dazu noch in der NRWZ.

Als ich mitbekam, dass man die Platanen auf dem Rathausplatz in Schramberg  „Schrambergs neuer Mitte“  weichen mussten, hatte ich  gerade in Robert Schneiders  Familienbiographie „les Mitterrand“  ein paar Seiten über die Bedeutung von Bäume und Landschaften im Leben von François Mitterrands gelesen.  Landschaften und Bäume hatten für eine François Mitterrand eine tiefe Symbolik, – sie verkörperten für ihn in gewisser Weise –  das  „Wesen der Landschaft“  im Sinne von Karlheinz Paffen (1973). Wald und Bäume waren, soweit man dem Biographen Schneider folgt, Bestandteile der „paysages géographiques“ von François  Mitterrand.  In diesem Sinne ist die Familienbiographie „les Mitterrands“ von Robert Schneider auch eine „geographisch -landeskundliche“  Beschreibung der französischen Kulturlandschaften, der „Wesenheit“ der France profonde  des 20 Jahrhunderts.  François Mitterrand war so mit der althergebrachten Symbolik der Bäume vertraut, dass  er bei der Editierung der Briefmarke die seiner Heimatstadt  Jarnac 1983 gewidmet wurde, dafür sorgte, dass die Palme als Symbol des Katholischen Glaubens in der Briefmarke verewigt wurde (siehe Schneider, R. 2011, p.90).  Auf der Briefmarke von Jarnac sieht man einen einsamen Palmwedel hinter den Patrizierhäusern der Cognachändler am Ufer der Charente,  dem ruhigen Flußufer an dem François Mitterrand in Jugendjahren so gern spazieren ging, in den Himmel über Jarnac ragen.  Die Schramberger Platanen werden es wohl, jetzt wo es sie nicht mehr gibt, nie auf eine Briefmarke schaffen, – wobei man dazu sagen muss, dass es  soweit ich informiert bin „die Palme von Jarnac“ auf der Jarnac gewidmeten Briefmarke so in Realiter nie gegeben hatte, die Palme war nur ein Symbol für den Katholischen Glauben, in dieser von vor hunderten von Jahren von Religionskriegen erschütterten Landschaft Westfrankreichs.

Die Schramberger Platanen hingegen haben natürlich mit Erinnerungen an vergangen Glaubenskriege nichts zu tun, auch wenn im Artikel des Schwarzwälderboten unverholen auf Stuttgart 21 angespielt wird, wobei ja die Diskussionen und Auseinandersetzung um Stuttgart 21 manchmal einem „Glaubenskrieg“ ähnelt.

Für mich verkörperten die fünf Platanen auf dem Schramberger Rathausplatz immer einen gewissen Hauch Mediterranität im ansonsten nicht gerade sonnenverwöhnten Schwarzwald. Vor allem als Student bin ich an warmen Frühsommertag, – oder auch im Herbst  bei Strahlungswetter gern über den Wochenmarkt unter dem Platanendach flaniert – welches dem kleinen Platz hinter dem Schramberger Rathaus schon einen gewissen mediterranen Flair verlieh.  Nun, diesen Hauch von Mediterranität hat Schramberg nun verloren, nachdem der historische Weinbau schon fast in Vergessenheit geraten ist. Der in Königsfeld geborene Geograph Erdmann Gormsen berichtet mir vor nun fast 15 Jahren  fernmündlich von  „Privatforschungen“ und „Exkursionen“  die er auf den kulturlandschaftlichen Spuren  des Weinbaues in Schramberg als junger Wissenschaftler durchgeführt hatte.  Es gibt noch ein anderes seltenes mediterranes Element im Pflanzenkleid der Raumschaft Schramberg. Es ist die Edelkastanie, – Castanea sativa – die man zwischen Schloßberg und Lauterbach noch vereinzelt im Wald finden kann.  Und auf dem Moosenmättle befindet sich wohl einer der am höchstgelegensten Edelkastanien in Baden-Württemberg.  Im Lärchenweg steht übrigens auch eine schöne Edelkastanie, – sozusagen als Relikt aus Zeiten als Eckenhof und insbesondere der Lärchenweg als geheimes Regierungsviertel von Schramberg gegolten hat. Was der von Hermann Körner (2011) zitierte Theobald der Wochenendausgabe des Schwarzwälder Boten vom 18 Februar 1978 „ Wehe, wehe, alle einflussreichen Politiker einmal eine Meinung gemeinsam und verlangen beispielsweise eine Untergrundbahn oder beheizte Gehwege oder teppichbelegte Fahrbahnen im Lärchenweg“  jedoch nicht wusste – beheizte Gehwege wurden zwar im Lärchenweg nicht angelegt, aber um sich etwas mediterranen Flair auf den Sulgen zu holen, – auf dem es ja damals noch richtig lange Winter gab – hatte sich die damalige SPD – Vorsitzende des SPD OV Schramberg einen Judasbaum (Cercis siliquastrum) in den Garten gepflanzt – und später wurde vom angehenden Geographen der anselbiger Stelle große Teile von Kindheit und Jugend verbrachte zwei Edelkastanien (Castanea sativa) gepflanzt. Der Judasbaum hat es fast fünfundzwanzig Jahre dort oben ausgehalten und hin und wieder auch geblüht. Die Edelkastanienbäume stehen soweit,  ich weiß immer noch an Ort und Stelle wo diese vor fast 25 Jahren vom Verfasser dieser Blognotiz gepflanzt wurden.  Die fünf Schramberger Rathausplatzplatanen sind zwar unwiderruflich verschwunden, aber vielleicht findet sich ja irgendwo in der Stadt ein anderer Platz auf den man wieder ein paar Platanen pflanzen könnte. Wenn nicht dann, verbleiben vorerst die wenigen Edelkastanien (Castanea sativa) die in der Raumschaft als Park, Garten oder als Waldbaum in der Raumschaft Schramberg wachsen, als letzte mediterrane Vorposten im Pflanzenkleid, im Landschaftbild & Stadtbild der Raumschaft Schramberg.

Zitierte Quellen:

Körner, Hermann (2011) : Vierzig Jahre Wohngebiet Eckenhof, ein Rückblick auf Jahre des Baubooms in Schramberg (Teil 2, Schluss). In:D’Kräz, Beiträge zur Geschichte der Stadt und Raumschaft Schramberg, B. 31, 2 – 10.

Paffen, K.H. (1973) : Das Wesen der Landschaft. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)

Schneider, Robert (2011): Les Mitterrand. Édition revue et augmentée. Paris, Collection Tempus, (Éditions Perrins), ISBN 978-2-262-03604-1

Christophe Neff, le 14.12.2011

Quelques impressions photographiques de la Fasnet 2011 à Schramberg (Hanselsprung, Da Bach na Fahrt)

Comme beaucoup de „Schramberger“ expatriés je reviens de temps en temps pour la Fasnet à Schramberg. La Fasnet de Schramberg est un événement qui laisse revenir les Expat de Schramberg à Schramberg. Pour ma part c’était le Hanselsprung le dimanche après midi (Fasnetsonntag) et la fameuse da Bach na Fahrt le lundi des Roses. Pour les lecteurs désirant savoir plus sur la Schramberger Fasnet et lisant l’allemand je peux conseiller la lecture du livre « Narri, Narro und so » récemment sorti. Et même pour les lecteurs sans connaissance approfondie de l’allemand le livre mérite d’être feuilleté à cause de ces belles photos.

Wie so viele « expatriierte » Schramberger komme ich von Zeit zu Zeit zur Fasnet nach Schramberg zurück. Die Fasnet ist ein Ereignis welches viele expatriierte Schramberger von Zeit zu Zeit nach Schramberg zurückkommen lässt. Was mich betrifft, so waren es der Besuch des Hanselsprung am Fasnetssonntag und die da Bach na Fahrt am Rosenmontag, welche mich nach Schramberg „gezogen“ haben. Für Leser die sich etwas tiefer mit der Schramberger Fasnet befassen wollen, kann ich die Lektüre des kürzlich herausgegeben Buch „Narri, Narro und so“ empfehlen. In meinen französischen Text (s.O.) habe ich meinen francophonen Lesern das Buch auch wg. dem außergewöhnlichen Bildmaterial empfohlen.

kehraus-beim-hanselsprung-632011.1299966013.jpg Photo: „Kehraus“ beim Hanselsprung / „Kehraus“ au Hanselsprung © Car. Weiß – Neff 6.3.2011

hanselsprung-schramberg-632011-die-hansel-springen-am-rathaus-vorbei.1299966439.jpgPhoto: Hansel et Narro au Hanselsprung  © C. Neff 6.3.2011

auszug-der-hansel-und-narros-aus-dem-schramberger-rathaus-632011.1299966743.jpgPhoto: Les Hansel et les Narros sortent de la Hôtel de Ville de Schramberg pour le Brezelsegen © C. Neff 6.3.2011

da-bach-na-fahrt-2011-paul-das-orakel-732011.1299967111.jpgPhoto: Zuber 28 Tentakel Orakel St. Pauli © Car. Weiß – Neff 7.3.2011

da-bach-na-fahrt-2011-schwarzwaldmadels-fahren-da-bach-na-732011.1299967910.jpgPhoto: Zuber 30 Heimatzuber © Car. Weiß – Neff  7.3.2011

da-bach-na-fahrt-2011-dschungelcamp-732011.1300008210.jpgPhoto: Zuber 35 Dschungelcamp © Car. Weiß – Neff  7.3.2011

Source/Quelle:

Link, Helmut ; Link, Stefan ; Narrenzunft Schramberg E.V. (Ed) (2010) : Narri, Narro und so … 100 Jahre Narrenzunft Schramberg, 75 Jahre Da-Bach-Na-Fahrt. Schramberg, Straub Druck + Medien AG, ISBN 978-3-00-032970-8

Christophe Neff, Grünstadt le 12.3.2011

Blognotiz 5.3.2011: Leserbrief von Dr. Werner Klank zur gegenwärtigen Krankenhaussituation im Kreis Rottweil

Als Ergänzung zu meinen bisherigen Blogbeiträgen (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 ) zur Krankenhausdiskussion Schramberg, drucke ich hier den Leserbrief von Dr. Werner Klank zu gegenwärtigen Krankenhausdiskussion im Kreis Rottweil ab. Der Leserbrief erschien in leicht veränderter und gekürzter Form schon im Lokalteil Schramberg des Schwarzwälder Boten. Sowohl über Werner Klank als auch über das Schramberger Krankenhaus berichtete ich schon in einem meiner ersten Blogbeiträge im Juni 2009, es war der 11 Blogbeitrag im Paysagesblog und erschien am 11.6.2009 unter Titel „Gedanken zur Lage der deutschen und französischen Sozialdemokratie – mit Fallbeispielen zur politischen Landschaft aus Schramberg und Grünstadt nach den Europa und Kommunalwahlen am 7.6.2009„.  So wie ich aus meinen Internetlektüren entnehme ist die Wut und Enttäuschung über den Kreistagsbeschluss vom 28.2.2011 zum Verkauf der Gesundheitszentren des Landkreis Rottweil an Helios in der Raumschaft Schramberg sehr groß, was meines Erachtens sehr gut nachvollziehbar ist. Anbei nun der Leserbrief von Dr. Werner Klank im vollem Wortlaut.

„Herr Bürgermeister Acker geht also davon aus, dass die beiden übriggebliebenen Krankenhäuser Oberndorf und Rottweil zusammenarbeiten werden, muss wohl so sein, der SRH Chef von Oberndorf sitzt ja bei Helios! Das hätte man der Ehrlichkeit halber vor der Entscheidung sagen sollen! Aber mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit haben`s Herr Acker und seine Gemeinderäte wohl nicht so!!!

Maßgeblichen Anteil an der – nur für Schramberg- üblen Situation haben Herr Bürgermeister Acker und der Gemeinderat in Oberndorf. Erinnern wir uns: Im Sommer letzten Jahres hatte der Kreistag eine kommunale Lösung für alle drei Krankenhäuser beschlossen. Am Tage nach der Abstimmung beschloss der Gemeinderat in Oberndorf, auf Vorschlag von Bürgermeister Acker, einen eigenen Weg zu gehen. Ein Gutachten zur Krankenhaussituation hatte man sich vorsorglich schon anfertigen lassen.

Das muss man sich vorstellen: Herr Acker und weitere Oberndorfer (zT. Gemeinderäte) sitzen monatelang im Kreistag, öffentlich wie nichtöffentlich. Herr Bürgermeister Acker sogar im nichtöffentlichen Krankenhausaufsichtsrat und erfahren alle Internas. Diese Internas durfte ich als Mitglied des Krankenhausaufsichtsrats nicht einmal meinen Fraktionskollegen berichten! Und im Anschluss an diese langen vielen Sitzungen verkünden die netten Leute aus Oberndorf, dass sie was Eigenes machen wollen! Als ich Herrn Bürgermeister Acker im gesamten Verlauf dieser Sitzungen zweimal fragte, ob er sich denn nicht befangen fühle, waren Acker, der Landrat und die Kollegen eher entrüstet und ich war der unhöfliche Rüpel! So etwas fragt man schließlich einen Bürgermeister nicht!!

Nach dem Ausstieg von Oberndorf kam`s zum neuen Bieterwettbewerb. Leider war nicht nur Helios, der das unliebsame Krankenhaus in Schramberg  schließen wollte sondern auch Ameos in der Endauswahl. Ameos, die sich zutrauten und sich auch verpflichteten, beide Krankenhäuser weiter zu führen, viel Geld investieren wollten und dies auch notariell bestätigten. Beide Angebote waren vergleichbar für Rottweil und Schramberg, nur bei Ameos hätte sich die Chance gegeben, auf absehbare Zeit beide Krankenhäuser zu erhalten. Bei der Lösung Helios hat nur Rottweil eins Haus und Schramberg rd. 350 Arbeitsplätze weniger, sowie eine Ruine in der Stadt.
Oberndorf hätte aber bei der Ameos Lösung einen Konkurrenten in Schramberg gehabt, Acker und co. wollten dies natürlich nicht. Die Rottweiler wähnten gar, dass ihr Krankenhaus  in Zukunft gefährdet sei, wenn zwei Krankenhäuser blieben. Deshalb waren auch die Helios- Befürworter aus Rottweil der Meinung, dass ein Krankenhaus, das Rottweiler natürlich reiche. Blöd war nur, dass man das nicht so sagen konnte. Also meckerte man an Ameos rum! Ich wusste gar nicht, dass so viele Krankenhausökonomen, Krankenhausfachleute, Börsenfachleute und andere hochqualifizierte Fachleute um mich herum saßen. Es war schon erstaunlich, welche Menge an unbeweisbarem Quatsch Kreisräte so von sich geben, wenn die  eigentlichen Gründe höchst egoistischer Art sind,  man dies aber nicht so sagen kann!

Der vehemente Widerstand der Leute um  Oberndorf oder Rottweil gegen ein Krankenhaus  in Schramberg ist Ausdruck dieses ausgeprägten Egoismus, nur der Vorteil für die eigene Region gilt. Die sich immer weiter verschlechternde Situation in Schramberg interessiert einen Dreck. Das Schicksal von 350 Beschäftigten veranlasst sie allenfalls dazu, zu sagen, dass es einem leid täte, aber immerhin gäbe es ja Abfindungen (so eine Kreisrätin).

Dass in Schramberg Gedanken laut werden, nicht mehr diesem Kreis angehören zu wollen, ist verständlich, nur: um kein Krankenhaus zu haben brauchen wir nicht dem Ortenaukreis zuzustreben!! Aber als Patient wird man sich sicher über die Schramberger freuen!

Dr. med. Werner Klank“

Christophe Neff, Grünstadt le 5.3.2011

Blognotiz 4.3.2011: Krankenhausdebatte Schramberg – Presseerklärung des Oberbürgermeisters Dr. Herbert O. Zinell zum Bieterwettbewerb Kreiskrankenhäuser Rottweil Vergabebeschluss des Kreistages vom 28.2.2011

Als Ergänzung zu meinem letzten Blogbeitrag, der Blognotiz vom 2.3.2011, Blognotiz die sich mit dem aktuellen Stand der Krankenhausdebatte befasst bzw. dem fatalen Vergabebeschlußes des Kreistages vom 28.2.2011, anbei noch die Presseerklärung des Schramberger Oberbürgermeister Dr. Herbert O. Zinell vom 1.3.2011 im vollem Wortlaut. Abschliessend sollte noch erwähnt werden, dass im Anschluss an den Vergabebeschluss des Kreistages so manch interessantes Detail ans Tageslicht über den Abstimmungsprozess ans Tageslicht kam. Der Schramberger CDU Kreisrat Martin Maurer hat in diesem Zusammenhang von „Irregularitäten“gesprochen und hat beim Regierungspräsidium Freiburg Beschwerde gegen das Ergebnis des Bieterverfahrens eingelegt, und zwar weil diese  „gegen das Gleichheitsgebot, die Transparenz und die Nichtdiskriminierung verstoßen“ habe. Das letzte Wort in der Krankenhausdebatte Schramberg scheint also noch nicht gesprochen zu sein !

Anbei nun die Presseerklärung von Dr. Zinell in vollem Wortlaut.

„Der von Herrn MdL Kleinmann in Schramberg plakatierte Wunsch nach einer „glückseligen Fasnet“ kann aus Schramberger Sicht nur ironisch verstanden werden. Wie vielen Schramberger Bürgerinnen und Bürgern ist auch mir nach dem mit seiner Stimme getroffenen Kreistagsbeschluss das Lachen vergangen. Obwohl es mit dem Angebot von Ameos eine Alternative zur Schließung des Krankenhauses Schramberg gab, hat sich die Mehrheit des Kreistages für Helios entschieden. Natürlich habe ich als Demokrat diese Entscheidung zu akzeptieren. Billigen muss ich sie noch lange nicht.

 

Nach meiner Meinung hat die Kreistagsmehrheit eine Chance vertan. Mit dem Zuschlag für Ameos hätte der Abbau von 350 Arbeitsplätzen in Schramberg und Rottweil verhindert werden können. Der Kreistag hätte auch ein strukturpolitisches Zeichen setzen und den auch für den Landkreis wirtschaftspolitisch wichtigen Mittelbereich Schramberg mit seinen spezifischen Problemen stärken können. Das Gegenteil ist der Fall. Nehme ich alle in den letzten Jahren u.a. durch die Beschlüsse des Landes verlorenen Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich hinzu, verliert Schramberg beinahe 450 Arbeitsplätze mit allen Folgen für die Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung. Es zeigt sich einmal mehr, dass wir allein auf uns gestellt sind und selbst unsere Stärken stärken müssen. Kreisstädten werden hingegen Dienstleistungsarbeitsplätze auf dem silbernen Tablett serviert!

 

Allein dies macht es schon schwer genug, die gestrige Entscheidung zu verstehen. Aber emotional berührt bin ich von der Argumentation einiger Kreistagsmitglieder im Hinblick auf die Auswirkungen für die Beschäftigten. Distanzierter und kühler geht es nimmer!

 

Und mehr: „Die wirtschaften die Klinik an die Wand“, äußerte mir gegenüber ein Kenner der Materie bereits im Jahre 2003, als die Kreiskrankenhäuser noch schwarze Zahlen schrieben. Leider sollte er Recht behalten. Seit diesem Zeitpunkt forderten wir immer wieder vehement auch unter Inkaufnahme von Veränderungen am Schramberger Krankenhaus Strukturreformen bei den Kreiskliniken. Jahrelang wurden unsere Forderungen in den Wind geschlagen und nichts getan. Für eine verfehlte Gesundheitspolitik im Landkreis Rottweil und die eklatanten Management-fehler bis in die jüngste Zeit haben nun wir die Zeche zu bezahlen. So weiß ich nach einer unruhigen Nacht nicht, ob ich wütend oder enttäuscht sein soll. Frustriert bin ich allemal. Ob eine rechtzeitige und sachgemäße Reaktion zu einem besseren Ergebnis geführt hätte oder nicht, vermag ich nicht abschließend zu beurteilen. Man hätte es aber zumindest probieren müssen! Ich sage es einmal mehr: Chancen wurden zuhauf vertan.

 

Ob es tatsächlich zur Schließung „unseres Krankenhauses“ kommt oder nicht, hängt nun von der rechtlichen Beurteilung des Vertrages und Verfahrens durch den Regierungspräsidenten und gegebenenfalls der von Ameos anzurufenden Gerichte ab. Der Ausgang der möglichen rechtlichen Überprüfung ist nur schwer einzuschätzen. Die nächsten Wochen und Monate werden es zeigen.

 

Danken möchte ich allen Kreisräten, die für Ameos und damit für beide Standorte gestimmt haben, aber auch den vielen Unterstützern im Umfeld der Krankenhäuser  und in der Bevölkerung. Auch wenn wir Stand heute unser Ziel, die Erhaltung des Krankenhausstandortes Schramberg, nicht erreicht haben, tat diese solidarische Unterstützung den Beschäftigten, aber auch mir gut. Gleichwohl beschleicht mich ein Gefühl der Traurigkeit, nachdem ich in meiner ganzen Amtszeit keinem Thema soviel Aufmerksamkeit, Zeit, aber auch Herzblut gewidmet habe. Mit der gleichen Intensität werde ich mich gemeinsam mit vielen anderen weiterhin um die medizinische Versorgung in Schramberg und Umgebung kümmern. Wir werden aber auch beim Kreis strukturpolitische Forderungen adressieren. Kreispolitik kann nicht weiter als „Einbahnstraße“ akzeptiert werden!“

Der Presseerklärung von Dr. Herbert O. Zinell ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Unabhängig davon wie die rechtliche Beurteilung des Vergabebeschlußes ausfällt, – die Erklärung des Schramberger Oberbürgermeister hat schon zeitgeschichtlichen Wert – den diese dokumentiert wie sehr der Vergabebeschluß des Kreistages des Landkreises Rottweil die Stadt Schramberg, ja die gesamte Raumschaft Schramberg in Mark und Bein getroffen hat !

Christophe Neff, Grünstadt le 4.3.2011