
Am zweiten Arbeitstag meiner beruflichen Wiedereingliederung – das war der Dienstag, der 20. Januar – schrieb ich in mein Tagebuch, welches ich ja schon seit Jahren führe[1]: „Alles schaut auf Grönland, und im Osten reibt sich der Zar Putin die Hände und bombardiert die Ukraine ins ‚Steinzeitalter‘ – in einen Winter ohne Heizung.“ Ich hätte auch schreiben können: „Niemand schaut mehr in den Iran, dort, wo die Mullahs die Proteste in einem Meer aus Blut ertränkten.“ Ich hatte ein paar Tage zuvor einen Blogbeitrag „Blognotice 18.01.2026: ‚Iran – Une pensée pour les femmes et les hommes iraniens qui manifestent avec courage pour leur liberté‘“ ganz im Sinne von „Don’t stop talking about Iran“ gepostet.
Aus dem Iran hört man nicht mehr viel; das Internet scheint immer noch abgeschaltet zu sein, vielleicht wird es auch nie mehr ganz eingeschaltet werden. Wobei auch der Medienhype um Grönland sich vorübergehend gelegt hat, weil bei Mr. Trump nach dem Weltwirtschaftsforum einstweilen der Appetit auf Grönland zum Erliegen gekommen ist[2]. Und der Zar Putin bombt weiterhin jede Nacht die Ukraine zurück ins „Eiszeitalter“ – was auch mir und den Bewohner der ukrainischen Städte die im russischen Bombenhagel liegen – auch niemanden groß zu stören scheint !
Über Grönland weiß ich eigentlich nicht viel – ich verbinde das immer irgendwie mit der Biographie des Geographen Jean Malaurie. So kaufte ich mir dann auch seine Memoiren „De la pierre à l’âme (Vom Fels zur Seele)“ und habe darin inzwischen etwas gelesen. Es waren bestimmt auch Forschungspersönlichkeiten wie beispielsweise Jean Malaurie, also die des „géographe-explorateur“, die mich in den 1980er-Jahren zum Geographiestudium bewegten. Dieser Zweig der Geographie ist, zumindest in der deutschsprachigen Hochschulgeographie, quasi ausgestorben[3]. Ich habe immerhin noch solche Forschungspersönlichkeiten während meines Studiums kennengelernt, beispielsweise Christoph Jentsch, der ja auch einer meiner akademischen Lehrer war.
So fuhr Jentsch in den 1960er-Jahren mit seinem akademischen Lehrer Carl Rathjens von Saarbrücken mit dem Auto von Saarbrücken in den Hindukusch. Jentsch schrieb auch gegen Ende seines akademischen Schaffens eine interessante Geschichte des inzwischen geschlossenen Instituts für Geographie an der Universität Mannheim, über die ich in den ersten Jahren meines Blogs unter dem Titel „Das Fach Geographie an der Mannheimer Hochschule“ berichtete. Das Geographische Institut der Universität Mannheim ist, wie gesagt, nun auch schon seit Jahrzehnten geschlossen. Abgesehen davon kann man so frei, wie ich damals noch Geographie studiert habe, im deutschsprachigen Raum wohl nicht mehr Geographie studieren. Vielleicht findet sich noch bei der studierten Geographin und Klimaaktivistin Luisa Neubauer etwas vom Geiste der „géographes-explorateurs“von Anno dazumal.
Grönland ist also schon wieder aus dem medialen Interesse gerückt – aber geblieben ist zumindest bei mir die Lektüre von Jean Malauries Biographie.
Natürlich kann man dem medialen Hype um Donald Trump kaum entkommen. Das gilt natürlich auch für mich. Letztlich haben sich alle meine Befürchtungen, die ich im kleinen Post „America, where are you going“ im Oktober 2024 niedergeschrieben habe, bis jetzt bewahrheitet. Und nachdem, was diese Woche schon wieder alles im Staate Minnesota, vor allem in Minneapolis, geschehen ist, habe ich erhebliche Zweifel daran, dass die Midterm-Elections im November 2026 als freie und faire Wahlen überhaupt noch stattfinden werden. Irgendwas wird der Trump-Administration schon einfallen, um diese Wahlen zu verhindern. Und sollten diese Wahlen doch stattfinden, wird ein Wahlergebnis, welches der Trump-Administration missfällt, vielleicht einfach nicht anerkannt werden.
Für jemanden wie mich, der an sich immer ein positives Bild der USA hatte – und dies trotz aller Schattenseiten dieses Amerikas , sozusagen von der Hinrichtung der Rosenbergs bis hin zum My-Lai-Massaker –, ist es schon traurig anzusehen, wie die Trump-Administration die Vereinigten Staaten von Amerika in den Abgrund fährt. Letztlich können es nur die Amerikaner selbst ändern. Wir in Europa sind da nur mitfühlende Zaungäste!
Ja, und in dieser von Donald Trump Schlagzeilen geprägten Woche habe ich auch wieder mit der beruflichen Wiedereingliederung begonnen. Während ich versuche, allmählich und beständig wieder in der akademischen Arbeitswelt Fuß zu fassen, schickt ein in der Rhein-Neckar-Region ansässiger Weltkonzern eine ganze Generation von Ingenieuren, Betriebswirten und Technikern aus der mittleren Führungsebene mit Freistellungen und vorgezogenen Ruhestandsregelungen in den „Rentenstand“. Betriebsbedingte Kündigungen gibt es natürlich keine. Es wird nicht groß in den Medien über diese „Vorruhestandswelle“ gesprochen. Sie ist einfach da. Gefühlt scheint es fast so zu sein, als würde ein Großteil der knapp unter oder über Sechzigjährigen in meinem erweiterten Bekanntenkreis hier rund um Grünstadt in den „Ruhestand“ gedrängt werden – manche sogar schon mit Mitte fünfzig. Vielleicht täuscht mich ja auch mein Eindruck. Mag sein, dass sich das für den „Weltkonzern“ rechnet. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man da eine ganze Menge von technischem & betriebswirtschaftlichem Sachverstand aufs Abstellgleis schiebt – Sachverstand, den man vielleicht doch in naher Zukunft wieder brauchen könnte. Irgendwann werden sich die Folgen dieser „Ruhestandswelle“ auch in den Landschaften zwischen Grünstadt und Bad Dürkheim sichtbar machen. Das wird bestimmt nicht unbemerkt vonstattengehen. Abgesehen davon soll es ja in Deutschland einen Fachkräftemangel geben. Aber das hat scheinbar nichts miteinander zu tun.
Ansonsten gab es in dieser ersten „Wiedereingliederungswoche“ auch hin und wieder ein paar Stunden „Wintersonnenschein“, den ich gern für kleine Spaziergänge mit unserem Hund „Raphia“, einer Gordon-Setter-Hundedame, durch die Weinberge und Gehölze am Grünstadter Berg nutzte! Weiterhin habe ich mich gefreut, dass ich mein Geoökologie-Seminar wieder aufnehmen konnte – und in diesem Seminar konnte ich auch schon einem sehr interessanten Referatsvortrag über die „Megaherbivorentheorie“ beiwohnen. Über die Megaherbivorentheorie und Waldbranddynamik habe ich mich ja schon vor über dreißig Jahren in dem Büchlein „Waldbrandrisiken in den Garrigues de Nîmes“ beschäftigt. Und irgendwie haben mich die Themen „Waldbranddynamik“ und „Landschaftswandel“ nie ganz losgelassen, denn irgendwie tauchen diese ja auch immer wieder in diesem Blog namens „Paysages“ auf!

Bibliographie:
- Jentsch, Christoph (2009): „Das Fach Geographie an der Mannheimer Hochschule 1907 bis 2006. Eine Dokumentation“. Selbstverlag, Frankenthal.
- Malaurie, Jean (2022): „De la pierre à l’âme. La prescience sauvage. Mémoires“. Paris, Éditions Plon.
- Neff, Christophe (1995): „Waldbrandrisiken in den Garrigues de Nîmes (Südfrankreich): eine geographische Analyse“. Mannheim.
Photo : © Christophe Neff, 21.01.2026, Wintersonne und Raureiflandschaft – Grünstadter Berg.
Grünstadt, 25.01.2026
[1] Zum Tagebuchschreiben siehe auch „Zum Welttag des Tagebuches am 12. Juni 2025“
[2] Hierzu auch Timothy Garton Ash „Is he crazy? – The PTIB Test… 4 dimensions of Trumpery” in History of the Present.
[3] Hierzu auch « Flâneries d’un phytogéographe sur le billet « Les fleurs qui rendent immortel » du blog « l’Aventura – le BD blog scientifique de Fiamma Luzzati »